Ein goldiger Tag

Die Sonne scheint?. Es verspricht ein wunderbarer Tag zu werden.

Tisch ergattert

Während des Frühstücks löst Volker bei der Lektüre von Lonely Planet die Verwirrung um „Roy“ auf. Nicht Roys Peak Track mit den 16 km und 1.200 HM waren geplant (siehe gestern), sondern Mike‘s Empfehlung, der Rob Roy Track im Mount Aspiring National Park, der laut Lonely Planet zu den landschaftlich und reizvollsten Tageswanderungen Neuseelands gehört und nicht besonders schwierig zu wandern sei.  Tja, vergeigt. Aber der Abgammeltag gestern in und um Wanaka war auch wunderschön.

Weiter geht‘s über die 6 in Richtung Arrowtown bzw. Queenstown … uuuups, nein … wir sind irrtümlich auf der Crown Range Road gelandet, deren Befahrung uns Apollo ausdrücklich untersagt hat (wahrscheinlich wegen der paar Serpentinen am End ?). Ei jo, nicht schlimm … dafür erwischen wir per Zufall im Cardrona-Valley ein weiteres „Must-Have“-Foto einer Neuseelandreise:

Bradrona

Eine Aktion der NZ Breast Cancer Foundation zum Innehalten und Spenden. Das Foto haben wir ?, gespendet haben wir nicht ?, 50 Zusatz-KM und eine Stunde mehr Reisezeit auf den Uhren – im Nachhinein möchten wir das Erlebnis nicht missen. ? 

Nun aber zurück auf die 6; wir düsen nach Arrowtown – der historischen Goldgräberstadt. Die 6 führt uns durch ein riesiges ?- und ?, ?-Anbaugebiet, Wein und Obst soweit das Auge reicht.

Kurzstopp in der Karawau Gorges am Goldfields Mining Center. Der Fluss schlängelt sich hier türkisfarben durch einen wilden, tiefen Canyon. Man könnte hier ein altes Goldgräberfeld besuchen oder auch Jetboat fahren. Für’s erste fehlt die Zeit, für’s zweite der Bock. Ist auch schweineteuer. 

Der nächste Stop am Kawarau River an einer Stelle, die nach einer larmoyanten (Bar-?)Dame ?? den Namen Roaring Meg erhalten hat: ein Wasserkraftwerk und rauschende Stromschnellen, wieder dieses türkisfarbene Wasser ?. Wir schauen Board Raftern zu, die sich durch die Stromschnellen gleiten lassen. 

 

Kurz vor der Arrow Junction, wo wir rausgekommen wären, wenn wir die für uns verbotene Crowns Range Road durchgefahren wären, gibt‘s zahlreiche Wineries, die wir ignorieren – wir müssen schließlich nüchtern bleiben. In der tiefen Karawau-Schlucht wird Bungy-Jumping geboten (40 und 134 Meter). Man merkt, dass wir uns der Fun-Erlebnisstadt Queenstown nähern. Nach dem Tandemsprung braucht Volker den Thrill eines Bungy Jumps für viel Geld nicht.

Wo wir ja schon notgedrungen an sooo vielen schönen Orten und Dingen vorbeirauschen müssen ?, nehmen wir uns etwas Zeit für das historische Goldgräberstädtchen Arrowtown. Hier hat man viele Mountainbiketrails aller Schwierigkeitsstufen und die Aussicht auf ein wenig Pedale treten ist reizvoll. Also machen wir einen Ausflug auf dem Arrow River Bridges Track. Erst führt er sehr lauschig am Ufer des Flüsschens entlang, das windet sich aber bald in eine enge, immer steilere Schlucht, an deren Rand wir oben vorbeifahren ?.

Höhepunkt sind drei zunehmend spektakuläre Suspension bridges, von der letzten wird das oben erwähnte Bungeejumping aus 43 m Höhe angeboten. Nach vielen tollen Eindrücken, drei Stunden, zwei Geocaches und einem Fast-Sonnenbrand (es ist ein richtig heißer Tag ?) geben wir die Räder wieder ab und schlendern noch ein wenig über die Hauptstraße.

Wie im Wilden Westen

40 Häuser aus der Zeit um 1880 sind hier erhalten, bis zu 6000 Einwohner suchten in Arrowtown ihr Glück als Goldsucher oder weniger abenteuerlich in der Versorgung der Glücksritter. Sie brauchten Essen, Kleidung, Werkzeug, Friseur, Pfarrer, Kneipenwirt, Bardame, was der Mensch so zum  Leben braucht. Auch viele Chinesen haben des Goldes wegen die weite Reise nach Neuseeland unternommen. Sie waren Anfeindungen, Neid und Hass ausgesetzt und konnten meist nur die alten Claims ein weiteres Mal nach Gold absuchen. 

Wir verabschieden uns von Arrowtown, das quirlige Queenstown lassen wir (bis auf ein paar nötige Einkäufe) links liegen und fahren Richtung Norden nach Glenorchy am Ende des riesigen Lake Wakatipu.

Meistens führt die Straße ganz dicht am Seeufer entlang, die Abendsonne bescheint eine Landschaft von umwerfender Schönheit: der glitzernde See, schneebedeckte Gipfel in der Ferne und goldene sonnenbeschienene Hänge vor uns. Willkommen in Mittelerde ???. 

Um viertel vor Acht erreichen wir Mrs. Wooleys knuffigen Campground. Und weil uns heute mal wieder viele Chinesen begegnet sind, ob historisch oder rezent (ja, sie sind hier überall – alle Hinweisschilder sind dreisprachig, Englisch, Maori, Mandarin – gibts heute Curryreis.

Morgen ist ein ganz besonderer Tag in Mittelerde, warum, wird noch nicht verraten.

Der Rest des Tages sollte dann noch mehr Fragen und Antworten und Erstaunliches und Großartiges bringen. Es fing an mit der Question of the day (ersetzt heute das AoD): Warum haben wir keine Kerzen? Antwort unisono: ???. Also gab es ein Dinner in the Dark, denn die Daschelambeäpp kam nich in Frage.

Dann fiel auf, dass es einerseits (also von mir aus links ???) so aussah (herrlichen Silhouette in dunkelblau)

Sonnenuntergangsseite

Auf der gegenüberliegenden Seite (also rechts) aber hellblauer (!) Himmel mit weißen Wolken ?  Volker (für den das genau umgekehrt war mit dem links/rechts) meinte: Ah jo, da geht halt der Mond auf. Wie bitte ? Der Mond macht blauen Himmel bevor er aufgeht ?! Irre. Volkers Abendessen wurde dann unfreiwillig zum astronomischen Picknick und diese Bilder haben wir geschossen. Genau so sah es auch aus.

UVM proudly present: Der Mondaufgang ?. 

Und alles verkehrt rum ?

Und dann … schleicht er sich nach links davon, der gute alte Mond. Und zwar egal, wo man sitzt und guckt. Er lustwandelt GEGEN den Uhrzeigersinn über den Himmel. Das ganze Firmament dreht falsch rum ??⭐️. Geht jetzt hier alles im Westen auf und im Osten (bei den Chinesen ?) unter???

Die machen mich feddisch hier ?.

Ein Sommertag am See und ein Kopfstand

Um 7:45 weckt uns der Rasenmäher, als könnten die hier in Wanaka die städtischen Grünanlagen nicht später mähen ?. Überhaupt, das Mähen, das haben sie von den englischen Vorfahren. Hier wird gemäht ohne Ende. Sehr akkurat und sehr kurz. Und sehr oft.

Nun denn. Heiße Dusche unlimited und dann ne Tasse Kaffee ☕️ sind eine Option, wo man schon mal wach ist.

Wir haben heute einen Tag frei, sozusagen. Der Sprinter bleibt auf‘m Platz, wir machen eine Wanderung.

Diese ominöse Wanderung zeichnet sich durch einen sehr interessanten Schrumpffaktor aus ?. Erst sollten es 16 Kilometer hoch auf den Roys Peak sein, damit man von ihm schön runtergucken kann, muss man 1.200 Meter hoch. Meine (??‍?) Reaktion darauf war ungefähr diese: ??????. Also: kann man machen, aber ohne mich. Alternativ wurde eine gleichlange Tour um Wanaka ausgesucht, wegen unklarer Höhenverhältnisse um 3-4 km gekürzt, nach dem Frühstück auf 10 km reduziert und de facto sind wir nach 4 km umgedreht, macht also 8 ???.

Dabei gehts immer am Seeufer entlang durch Parks und vorbei an sehr schönen Grundstücken.

Temperaturprobe ?
Schöner Wohnen

 

DER Blick

Volkers Widerstand, auf den Peak mit dem spektakulären Blick auf die Lakes Wanaka und Häwae zu verzichten, hält sich übrigens in Grenzen. Es ist viel zu heiß heute – auch für Volker – und überhaupt, wir sind hier auf Erholung und nicht auf der Flucht. Den spektakulären Blick gibt‘s auch im Internet.

Ein junges Pärchen, das wir beim Abendessen treffen, erzählt von Wanderern, die fix und fertig am Wegesrand hockten und meinten, es sei die Hölle gewesen bei der Hitze da rauf. 8 km Serpentinen bergauf ?.

Wanderschuhe aus ??, Badesachen ? an und ab in den See!

 

So gehört sich ein richtiger Sommertag ?. Abends nett im Städtchen essen und dann noch vor dem WoMo einen Absacker. 

DOCH DANN MACHT VOLKER DIESE SCHAURIGE ENTDECKUNG:

dnoM

Jemand hat den Mond auf den Kopf gestellt (wahrscheinlich die ???) ???. Hoffentlich fällt jetzt nicht die ?? runter, die Neil Armstrong da aufgepflanzt hat.

Wie wir damit jetzt klarkommen wissen wir nicht, wir schlafen mal ne Nacht drüber.

Der Rest in Kurzfassung

Animal of the Day (ohne Bild, Ton hatten wir schon): Tui. Und ein davonhoppelndes Karnickel, das noch nicht gelyncht wurde ✌?

Bäume des Tages: lustige Nadelheimer im Park (nicht einheimisch)

Nebenbeschäftigung des Tages: Geocachen

Spieglein, Spieglein oder See mal einer an

Kurz vor 7 klingelt der Wecker ?. Es hilft nix: ungefrühstückt ziehen wir los zum Lake Matheson, um die „Reflections“ zu bewundern. Da pennen selbst die Schafe noch. Das sieht lustig aus, eine ganze Schafherde und jedes liegt umgekippt auf der Wiese ??. 

Kurz vor uns biegt der Bus mit den chinesischen Touristen in die Einfahrt – die hatten wir gestern schon am Gletscher getroffen. Es sind ohnehin sehr viele Asiaten ? unterwegs. Ob das nun überwiegend Chinesen sind, ma waas es net.

Der Weg zum Ufer des Lake Matheson ist mal wieder wunderschön, ein geschlängelter Weg führt erst über eine Hängebrücke und dann durch den Küstenregenwald. Ab und an erhascht man einen Blick aufs Wasser und nach 20 min sind wir am Jetty view. Ganz in der Früh liegt der See spiegelglatt und … spiegelt. Was sonst.

Perfekte Reflektion

Mucksmäuschenstill ist es, selbst die verbliebenen Chinesen flüstern höchstens ab und an mal ein Wort. Vögel zwitschern, ein Falke fliegt kreischend übers Wasser, 2 Enten ziehen ihre Bahn und es zwitschert, pfeift, trompetet und tiriliert.

Ansicht mit Bergen

Sehr, sehr schön, auch wenn die Berge sich noch ihre Bettdecke aus Morgennebel über den Kopf gezogen haben. Dem kann meine Fotosoftware abhelfen ?

 

Gegen halb neun machen wir uns auf den Rückweg, auf dem dann dank weiterer ???? und einer lärmigen Schulklasse ??????‍♀️??‍♂️Ein Betrieb und Geräuschpegel wie auf dem Mainzer Ring im Berufsverkehr herrscht.

Köstlich

Auch im Café brummt der Laden. Während wir unser köstliches Frühstück verspeisen räkeln sich gegenüber der Mt. Cook und der Mt. Tasman aus den weißen Wolkenlaken, ein herrlicher Anblick und auch direkt vor uns eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch

 

Links Tasman, rechts Cook

 

An der Bruce Bay führt der Hw 6 wieder an die Tasman Sea. Die Brandung ist hier etwas gelassener. Must-Stopp an einem  niedlichen Kaffeebüdchen irgendwo im Nirgendwo. Auf dem Steinhaufen daneben stehen Namen und Grüße.

Coffee to go und kleine ??

Und das angepriesene  Whitebait ist eine regionale Spezialität, oder eher, ein Spleen: whitebait sind Babyfische, winzige, glasige Fischlein unter 5 cm Länge, die in den Flussmündungen gefischt werden (mit Netzen natürlich, nicht mit Angeln). Das sei kein Sport, kein Hobby, sondern eine Religion! Das Zeugs futtert man dann auf der Pizza oder im Omelette, von Kopf bis Flosse. Es schmecke nach nix, sagt uns eine Frau, es gehe ums Prinzip. Soviel also zu den kleinen ?????. Kriegt man überall an der Westcoast.

In Haast tanken wir auf, besorgen im Visitor center die Broschüre „Walks along the Haast Highway“ und laden mit den letzten Fädchen Mobilfunknetz die Geocaches entlang des Highways runter. Und dann machen wir uns auf eben jenen.

Die Straße über den Haast Pass nach Wanaka wurde erst 1960 eröffnet Jahren, das Gelände ist sehr unzugänglich. Heute ist hier der Mount Aspiring National Park. Für die 145 km lange Strecke braucht man mindestens 2,5 Stunden, wir haben gut das doppelte eingeplant.

Es geht durch das imposante Tal des Haast River, erst breit und gemächlich, dann biegt der Fluss nach Süden ab und bahnt sich seinen

Weg durch ein immer enger werdendes Tal. Von den Felswänden stürzen zahlreiche Wasserfälle, wir halten immer wieder an, machen einen kleinen bushwalk zu einem solchen waterfall oder einfach einem netten Ort, entweder liegt da ne Dose oder es ist was Schönes zu sehen, meistens beides. Für die, denen das „Dosensuchen“, also das Geocachen, fremd ist, so kann das aussehen:

Geocaching
One lane bridge

Wir queren hunderte von Wasserläufen, jeder Creek, jedes Rinnsal hat einen Namen und die teils als solche gar nicht erkennbaren Brücken eine Nummer. Als ich das hier schreibe passieren wir # 8259. Wie gezählt wird, wissen wir (noch) nicht. Immer wieder passieren wir auch die für ganz NZ typischen one lane bridges. Auf den schmalen Fahrstreifen muss man ganz schön aufpassen!

Und hier ein paar Impressionen von unterwegs:

Panorama am pleasant flat
Von fern
Von ganz nah

An den Fantail Falls stehlen hunderte von Steinmännchen dem Wasserfall die Show.

Ehe wir uns versehen, haben wir unbemerkt den Pass überquert. Von der im Reiseführer beschriebenen gefährlichen und schwierigen Streckenführung dieser Straße merken wir allerdings nach wie vor nichts. Da war der Takaka-Pass eine ganz andere Hausnummer und erst der Forgotten World Highway.

Hinter dem Pass öffnet sich das schöne weite Tal des Makarora River und die Vegetation ändert sich: hier ist es wesentlich trockener und der Wald sieht dann auch anders aus. Trockener halt ?.  All die Bäume hier zu lernen ist unmöglich, ich bin froh, wenn ich die ein oder andere Gattung erkenne, Buchen zum Beispiel. Die sehen hier völlig anders aus als bei uns, haben winzige Blätter und rissige Borken.

Auf dem letzten, etwas längeren Spaziergang zu den blue pools begegnet uns neben den süßen Fantails und den kleinen Robins noch das Animal of the Day, ein  Tomtit oder Miromiro-Männchen, „a friendly forest bird“, wie das Bestimmungsbüchlein sagt.

Animal of the Day

Eigentlich war ein anderer geflügelter Zeitgenosse für den Titel vorgesehen, der Inselvampir, die mini kleine aber um so blutrünstigere Sandfly. Ohne Spray wären wir heute ausgesaugt worden ???.

Bald schon geht der Fluß in den gleichnamigen riesigen See über. Die Nachmittagssonne vergoldet die Hänge am gegenüberliegenden Ufer. 

Am Lake Wanaka
Auch am Lake Hawea. Siehe Überschrift 😉

Wir richten uns auf dem stadtnahen aber sehr ruhigen CP in Wanaka ein und bleiben „zu Hause“, wo uns der Himmel ein dramatisches kleines Sonnenuntergangsspektakel beschert. Unverhofft kommt oft.

Alles nur Show, trocken und ruhig hier.

Sonne und Eis

Erst mal Nachlese: Nänänä, keiner hat ihn erkannt ?. Jetzt heben wir euch nochmal drauf. Der große links ist doch mal eindeutig unser guter alter Willy …

Na seht ihr, geht doch ???. Wir waren ganz schön baff ?.

Weiter geht die Reise:

Glamping

Wir verbringen die Nacht im Links View. Die exklusivste Einrichtung ever, und das nur, weil es so klein und privat ist. Eine suuuuper Location. Irgendwie zwar kein Camping, aber nett.  Kevin verteilt morgens Äpfel an die Gäste. Und vor allem: die ? zeigt sich nach 4 Tagen  endlich mal wieder ?. Auch wenn der Regen zur Westküste gehört (nature in action) kann ein wenig ? nicht schaden.

In Ross ver- und entsorgen wir den Campervan und stellen etwas überrascht fest, dass wir uns in einer ehemaligen kleinen  Goldgräberstadt befinden, genau genommen, im „heritage village“, also dem Museumsdorf. Einen Cache gibt‘s gleich dazu und viel Spaß haben wir auch dabei.

Ein paar Kilometer weiter machen wir einen Fotostopp am Lake Ianthe … wahnsinnig blauer Himmel (endlich !!!), die Welt über uns spiegelt sich im See.

Spiegelwelt

Unser Ziel sind die Gletscher Franz Josef und Fox, ersterer tatsächlich nach dem österreichischen Kaiser benannt, letzterer nach einem neuseeländischen Ministerpräsidenten. Hier auf der Südinsel hat man es nicht so streng mit den Maori-Namen, obwohl es grad bei den beiden großen Eiswürfeln sicherlich hübscher wäre ?. 

Wir haben soooo ein Glück: über dem F.-J.-Gletscher ein Stückchen blauer Himmel, überall drumherum wolkt es.

Also Wanderstiefel an und auf zum Glacier lookout point. 1,5 Stunden (ohne ?) hin und zurück bringen uns auf ca. 750 m an das Ende der Gletscherzunge heran.

Zwischendrin die unvermeidlichen Hinweisschilder über den Rückzug des Gletschers, 1908 hat er das Tal bis zum heutigen Parkplatz (3 km) aufgefüllt und das nicht nur in der Länge, sondern auch etliche Dutzend Meter in der Höhe! Tja, 150 Jahre Warmzeit schmelzen einiges weg. 

Aus der Ferne wirken diese Gletscher ja meistens irgendwie dreckig, aber herangezoomt sieht es voll schön aus. Die blauen Sprenkel sieht man auch  von Weitem, zumindest durch meine Sonnenbrille.

Schon schön

Eindrucksvoll ist auch das riesige Tal mit seinen Felswänden und Gesteinsbrocken, wie eine riesige Baugrube, nur ohne Bagger. Und das Schmelzwasser, das gewaltig brodelnd neben uns vorbeischießt, grau und trüb von den Mengen an Gesteinsabrieb aus dem Gletscher.

Bei den Massen wundert es, dass der Eisklumpen nicht vor unseren Augen wegtaut. Aber er bekommt ja ständig Nachschub, oben auf dem Mount Cook (3724 m) und seinen Peaks fällt wegen der Lage an der Westküste (feuchte Meeresluft, Steigungsregen bzw. -schnee) irre viel Schnee, bis zu 45 m pro Jahr, der verdichtet sich, wird zu Eis und das Ganze fließt bergab (hier besonders schnell) bis es anfängt zu schmelzen. Die beiden hiesigen Gletscher rutschen so bis auf 300 m über NN runter und enden praktisch im Küstenregenwald. Das zeigt schon, wie groß der Nachschub von oben ist.

So sehen die Steine hier aus: Glimmerschiefer

Der Foxgletscher kam sogar – zumindest zwischen 1985 und 2009 –  wieder weiter ins Tal. Da ist dann nix mit erschröcklichen Hinweistafeln über das Gletschersterben ?. Nicht dass ich das nicht ernst nehme, es ist nur so, dass es dem Gletscher völlig schnurz ist ob er nun schrumpft oder nicht. Würde er wachsen, wäre das Geschrei umgekehrt groß, dass das Eis irgendwas zerstört, was im Weg liegt. Natur ist aber nun mal nicht statisch, sie ist im permanenten Wandel. Ob mit oder ohne menschliches Zutun.

Die Auswertung der Tafeln am FJG spricht indes doch Bände:

Was wir alles so im Urlaub machen, gelle!
Von oben links kommt der Schnee ?

Übrigens: FJ und F sind zwar die populärsten, weil sie so günstig liegen, die meisten und viel größeren Gletscher befinden sich aber innerhalb des Mt. Cook Massivs. Wenn man von oben draufguckt, sieht man das ganz gut (ist meistens so ? Überblick behalten).

 

Kaum sind wir zurück am ?, zieht es wieder zu und beginnt zu regnen. Wir fahren unbeirrt zum nächsten Gletscher und ich sammele unterwegs eine Wasserprobe für den hiesigen Earthcache ein (für insider: GC74MYG). Pulle steht jetzt über Nacht im WoMo, morgen wird ausgewertet ?.

Beim Foxgletscher können wir noch einen Blick auf die Gletscherzunge werfen, dann ist Suppe. 

Fox Glacier

So bringt es auch nix, heute noch hoch zum Lake Matheson zu fahren, wir checken früh auf dem Campingplatz in „Foxtown“ ein und  kochen uns neuseeländisches ?. Natürlich in der Bordküche. Das ist hier nicht üblich, die großen Campingplätze haben alle mehrere Küchenhäuser mit Herd, Grill, Mikrowelle und pipapo und alle gehend da hin und kochen. Nur wir nicht. Isch möschte das nischt ??.

 

 

Another rainy day

    Not macht erfinderisch

Die ganze Nacht begleitet uns das ferne Donnern der Tasman Sea. 

Am nächsten Morgen statten wir ihr nach einem schnellen Frühstück dann einen Besuch ab, ein Stück Strand gleich hinter Punakaiki. Perfekte flache Kiesel so weit das Auge reicht, einer schöner geschliffen als der andere. Am liebsten würde ich sie eimerweise mit nach Hause bringen, aber ein paar wenige müssen genügen.

 

Pebbles

Und leider verlieren sie in „Gefangenschaft“ sofort ihren Glanz, da muss Olivenöl her, dann schimmern sie wieder.

Wir haben heute nur ein kurzes Stück auf dem SH 6 vor uns, immer an der Küste entlang nach Mokatiku oder so … diese Namen machen mich feddisch ??, als hätte ein Kleinkind in den  Silbenbaukasten gegriffen und Wörter gebastelt. Also wir fahren nach Ho – ki – ti – ka.

Beachart

Aber das dauert, weil wir ständig unter Aaaah‘s und Ooooh‘s schauen und anhalten. Die Küstenstraße schraubt sich immer wieder hoch in die steilen Felsen, und führt wieder hinunter ans Meer. Hinweisschilder zeigen die Wege zu den zahlreichen ehemaligen Goldgräbersiedlungen. Der West Coast Goldrush machte 1865 viele kirre, aber kaum einen reich. In Hokitika wurden innerhalb weniger Wochen um die 80 Hotels zusammengezimmert und alle vier Wochen schaffte es ein Schiff nicht in die Mündung des Hoki-River und endete als Wrack oder zumindest Havarist.

Wir stocken in Greymouth unsere Vorräte auf. Dahinter beruhigt sich die Landschaft etwas, statt entlang einer spektakulären Steilküste fahren wir nun durch gemütliches flaches Busch- und Weideland. An der Abbiegung des HW 73 führt die Eisenbahnlinie mitten durch den Autokreisel. 

Bald schon erreichen wir Hokitika und sind etwas unentschlossen, wie es weitergehen soll. Eigentlich ist hier Etappenziel und heute Abend der herrliche ? mit fish & chips am Sunset Point auf dem Programm. Davon will aber der neuseeländische Petrus nix wissen, es regnet und regnet ?? vor sich hin.

Wir machen was Trockenes und besuchen das „National Kiwi Center“ … na vermutlich selbst ernannt und außerdem beherbergt es neben 3 Kiwis auch viele Fische ???, Tuataras ?, Frösche ? und anderes ???. Und die sind wirklich superschön präsentiert, glasklare Aquarien mit allerbester Sicht. Attraktion sind 40 riesige Longfin-Aale, alles „well fed old girls“, sterile Weibchen, die zwischen 80 und 110 Jahre alt sind. Sie können bis zu 200 Jahre alt werden. Allerdings nur die Weibchen, wenn sie nicht zur Eiablage kommen. Dann resorbieren sie die Eier und leben weiter. Männchen sterben, sobald sie ablaichen.

Die Besitzerin poliert unentwegt die Glasscheiben und sie weiß über jedes Tier etwas zu erzählen, z.B. über den zutraulichen Carl (oben rechts), der mit den Besuchern kokettiert. Schau mir in die Augen, Kleiner! Ich finde ja den kleinen „Doppelfisch“ faszinierend, er hat als Schuppenfärbung an der Heckflosse ein zweites Auge und man weiß kaum, wo vorne und hinten ist. So kann er seine Gegner ganz schön irritieren. Unten links ein Axolotl, in der Mitte die Aal-Frauen und rechts ein Tuatara. Die drei unteren haben sich übrigens die ganze Zeit nicht vom Fleck bewegt – gechillte Tiere.

Um 15 Uhr ist Aal-Fütterung angesagt, aber statt dass sich das Becken in ein Tohuwabohu aus schnappenden Bestien verwandelt, passiert …. nüscht ?. Die ollen Aalinnen pennen ???. Eine dümpelt an der Wasseroberfläche und ich kann sie anfassen: ganz weich und gar nicht glitschig, wie Samt fühlt sich das an. 

Die Kiwis sind der Höhepunkt des Besuchs, leise schleichen wir um das düstere Gehege, wo drei Vögel emsig umherrennen. Groß sind sie, fast wie ein Truthahn, und recht ruhelos. Fotografieren darf man hier natürlich nicht, wir bekommen aber ein Foto geschenkt und präsentieren hier also den/die/das Kiwi als Animal of the Day, auch wenn es in Gefangenschaft lebt.

Die Chance,  einem Kiwi in freier Wildbahn zu begegnen, ist gleich Null, sie sind selten, ausschließlich nachtaktiv und überaus scheu – da müssten wir wochenlang in der Wildnis einem auflauern.

Wir überlegen danach, was zu tun ist: Zeit totschlagen in der Stadt ist irgendwie doof, weiterfahren aber auch, also ziehen wir den Besuch in der Hokitika Gorge vor, der für morgen früh geplant war. Vielleicht hat ja sogar mein Wetterbericht recht und es klart heute Abend auf. Angeblich sei es um 20.00 Uhr ???. 

Jetzt erst mal 30 km zur Schlucht. Schon wieder spektakulär, vom mitgewirbeltem Gesteinsmehl milchig trübes Wasser rauscht durch die Schlucht, eine Hängebrücke überspannt den Fluß.

Fotografieren ist schwierig, man braucht fast ‘ne Unterwasserkamera und ziemlich durchnässt kommen wir nach ca. 1 Stunde zurück zum Sprinter.

Dort läuft schon wieder ein/e Weka, das heißt ab  jetzt für uns Parkplatzralle, scheint sein bevorzugtes Biotop zu sein ?.

Volker unkt, es werde schon deutlich heller um uns rum, leider stellt sich das als optische Täuschung heraus. Wir ziehen trotzdem das Kombi-Programm Lonely Planet featuring Mike J. voll durch: Eine Riesenportion Fish & Chips von Dulcie‘s Takeaway an der Beachstreet und dann zum Sunset Point, Sonnenuntergang gucken  ?. Wir sind auch nicht die einzigen da, wohl aber die Einzigen, die a) nicht mit dem Auto ? ??? vorfahren und b) nun im wieder einsetzenden Nieselregen ihr Junkfood essen müssen. Immerhin sehr stilecht an Bord eines Schiffswracks⚓️ aus der Goldgräberära.

Die Nacht verbringen wir ein paar Kilometer weiter südlich auf dem hübschen und sehr familiären Links View Campingplatz. Wir sind fast die einzigen Gäste.

Go West

Trotz Glamping nimmt der Status unserer Verlotterung allmählich zu. Das gehört sich so. Urlaubsdemenz macht sich breit und Aufstehen vor 8 grenzt an einen Affront. 

Das ist NICHT mein Hut

Heute schaffen wir es eben mal kurz vor halb zehn vom Platz, gewaschen  zwar, aber ungefrühstückt. Letzteres machen wir in Takaka, damit wir was vom Flair dieses etwas schrägen Öko-Aussteiger-Städtchens mitbekommen. Barfuß und mit Batikshirt laufen wir zwar nicht auf, immerhin setzen wir unsere Cowboyhüte auf und ziehen keine Socken an (sind eh alle dreckig), damit wir nicht auffallen.

Gleich als erstes begrüßen uns die fridays for future Schüler mit einer lautstarken Kundgebung unter dem Applaus der Passanten.

 

Impressionen aus Takaka

Im Wholemeal serviert man uns dann ein leckeres bodenständiges Frühstück. Der große Laden ist gut besucht, Mütter in Flipflops mit Kindern auf dem Rücken, wollbemützte Männer, die nette Bedienung trägt Rasta und ist reichlich tätowiert, das große Blackboard im Eingang wird eifrig studiert. 

Peace and love ☮️☯️? bestimmen die Aura des Städtchens und über allem liegt ein leiser Duft von Räucherstäbchen.

Aber wir müssen weiter, heute ist Fahrtag. Erst mal geht‘s wieder über den heute noch trissigeren Takaka-Pass nach Motueka und dann einmal schräg runter durch bis zur Westküste.

Unterwegs gibt’s erst mal nur das Übliche: Kiefernforst, Schafe und Kühe und, mal was anderes, große Hopfenplantagen vor Tapawera.

Hinter Murchison legen wir eine Pause ein und vertreten uns auf der längsten Hängebrücke Neuseelands die Füße. Ganz schön wackelige Angelegenheit, die Swing Bridge über den Buller River.

Der kurze Walk im Anschluss bringt noch interessante Infos über ein heftiges Erdbeben von 1929 und über die Goldgräberei in der Gegend. Außerdem begegnen uns ein Fantail, eine Weka und ein neugieriger Robin. Immer wieder erstaunlich, wie wenig scheu all diese Vögel sind.

 

Animal of the Friday

Hier Volkers Aufzeichnungen: Die 6 in Richtung Westen entlang des Kahurangi National Park und Buller River … Tidecheck für die Blowing Holes an den Pancake Rocks 6:24 pm … Murchison … Tanken und Ölcheck …. Swing Bridge … Buller River Gorge ist traumhaft schön … ab der Inangahua Junction treten Kalkgesteinwände aus den dichten Waldhängen hervor … in Berlins genehmigen wir uns zur besten Kaffeezeit Flat Whites to Go … nun sind wir in der Lower Buller Gorge Scenic Reserve … überall steigen kleine Wölkchen wie Wattebausche aus den bewaldeten Hängen auf … Kilkanny Lookout …die 6 führt uns weiter entlang des Pararoa National Park  … links und rechts Urwald … super schön … und dann tut sich rechts von uns plötzlich die Tasman Sea auf … tolle Wellen, die über Felsen gischten … wilde Küste … weißer Schleier über den Küstenstreifen (wie auf dem Long Beach auf Vancouver Island) … Bilder wie auf dem Highway 1.

Leute, als wir da um die Kurve fuhren hat mich das wirklich fast umgehauen. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und Tränen in den Augen, so überwältigend war der Anblick dieser wilden Schönheit. Mannomann. Das kann ein Bild nicht wiedergeben, diese Urgewalt.

Und es sollte fast noch dicker kommen: Die berühmten Pancakes in Punakaiki, eine der TOP 10 Attraktionen Neuseelands. Ich wollte mich ja überraschen lassen und habe mich nicht vorher informiert (gute Idee ?), aber man denkt sich ja doch seins. Meins war so die Vorstellung einer Reisegruppe, die aus’m Bus aussteigt, 3 Schritte zum Lookoutpunkt geht, 5 Minuten Selfies von sich und den Pfannkuchenfelsen macht und dann wieder abfährt.

Pustekuchen! Das war Action pur dort, weil nämlich die eigentliche Attraktion der Pfannkuchenfelsen die Blowholes sind. Wir scheuen weder Produktionskosten noch Datenvolumen, hier sind sie:

Bitte anklicken

 

Auch anklicken Chimney Pot

Unglaublich toll! Und man läuft zwischen all diesen bizarren Felsen ganz schön weit herum, ist fast mittendrin! Wir haben zudem das irre Glück (plus ein bissel Berechnung von Volker) bei high tide, also Hochwasser/Flut da zu sein. Das Wasser schießt mit unvorstellbarem Schmackes in die Öffnungen und Höhlen und die Gischt stiebt um uns herum auf. F… unfassbar. Wir können uns gar nicht losreißen. Hier noch ein paar Bilder, aber das muss man mit eigenen ? gesehen haben. Ist unbeschreiblich.

Nahaufnahme

Abendstimmung
Ca. 2 km entfernt: „Die Socke“

Den Tag müssen wir jetzt erst mal wieder „verdauen“.

Übrigens: vom Anschlag in Christchurch haben wir natürlich erfahren ?, wir sind davon aufgrund der Entfernung nicht direkt betroffen.

 

 

Zur Goldenen Küste

Tja, nix Costa Dorada! Es ist Triss. Also beim Wetter, nicht bei uns, wir haben mit allem gerechnet und das muss man in NZ auch. Nelson, die 5.-größte Stadt, bekommt leider nur die Attribute grau in grau, Ebbe & Nieselregen. Das hält die Leute aber nicht vom stand up paddling ab. Wir fahren dran vorbei.

Es hat gutes Netz und so kann ich wenigstens den Blog der (wenn ihr das lest: vor-) letzten beiden Tage ergänzen.

Flat white geht immer

Kaffeepause machen wir in Motueka Port, ein süßes mini Kaffeebüdchen, in keinem Reiseführer verzeichnet, mit lecker Banana Ingwer Muffins und celebration cake. Was damit gefeiert wird? Dass wir am Leben sind, meint Samarita, die Besitzerin. Eine kluge Frau ? .

Den Abel Tasman Park lassen wir rechts liegen, fahren vorbei an Weinfeldern und Obstplantagen Richtung Motueka. Und dann hoch und durch die Takaka Hills. Im dichten Nebel geht es über den Pass bei ca. 900 m. 

Kurzstopp am Hawke Lookout …

wie sie sehen, sehen sie NIX. Aber selbst das sieht voll gut aus ?. Und einen manierlichen Cache hat es hier. +1

Endlich nähern wir uns einem Ziel unserer heutigen Etappe, den Pupu Springs (die Maori hängen noch was vor das Pupu, aber das lassen wir – politically incorrect – mal weg.

Bitte anklicken

Die Pupu Springs sind mit ca. 15.000 l pro Sekunde ?  die größten Quellen der Südhalbkugel. Das sagt einem so ja nicht viel, also  sparkele* ich mal kurz einen Vergleich: die Source de la Loue im Franche Comté bringt es nur auf die Hälfte und ist das beeindruckendste, was uns bisher untergekommen ist. 15.000 ist echt viel. Wie im französischen Jura ist auch hier ein Karstgebiet, undendlich viele unterirdische Spalten und Gänge vereinigen sich  und spucken am tiefsten Punkt all das Wasser von überall wieder aus. Hier quillt es scheinbar geruhsam von unten in einen See.

*Volker hat Vodafone, ich eine Flachratte vom NZ-Anbieter Spark. Und ratet mal, wer das bessere ???? hat ?

 

 

 

Der sich dann sogleich als  opulenter Kleinfluss auf den Weg macht. Beeindruckend ist die Klarheit des Wassers und das Farbspiel, dass durch Lichtbrechung und -reflexion entsteht. Leider ist es heute ja sehr trüb, selbst da sind die Farben schon sehr auffallend. Bei Sonnenschein muss es der absolute Hingucker in Blau sein. 

Hier läuft uns dann das allseits beliebte Animal of the Day vor die Füße, ein Weka oder Waldhuhn, eine flugunfähige Ralle. Wie viele Tiere Neuseelands ist es „inselzahm“, eine Folge der Evolution in einer Umwelt ohne Feinde. Es stolziert seelenruhig am Parkplatz vor uns vorbei und schlägt sich in die Büsche, wo wir dann noch (s)ein Ei entdecken. Eigentlich wollten wir da durch zum Geocache, das lassen wir nun mal schön bleiben ??. Eieiei.

In Richtung Campingplatz am Strand (Wetter hin oder her, dass muss sein, einmal am Golden Beach) lassen wir das nette Hippiedorf Takaka aus und halten statt dessen am winzigen Grove Scenic Reserve an. Das sollte sich als extrem gute Wahl herausstellten. Felsen auf den ersten Blick wie wie im Elbsandsteingebirge, aber kaum betritt man das winzige Reservat, machen die Palmen schon mal sofort jeden Vergleich mit Sachsen zunichte ??. Und auch die Felsen sind so einzigartig, wie wir sie nie zuvor gesehen haben:

Nasenwand

Vom hiesigen Geocache erfahren wir eine botanische Besonderheit des Areals, die alten Rata-Bäume. Die beginnen ihr Wachstum typischerweise nicht auf dem Boden, sondern auf anderen Bäumen: Die Samen keimen in Astgabeln, in denen sich Laub oder anderes organisches Material ansammelt und zersetzt. Da wachsen sie dann eine Weile mit dem Wirtsbaum nach oben, aber irgendwann langt das nicht mehr und sie bilden riesige Luftwurzeln, die nach unten wachsen bis sie den Boden erreichen und unterwegs mit Seitentrieben den Mutterbaum umgreifen. Wir haben dieses  Paradeexemplar gefunden und abgelichtet (oben ist es etwas hell geworden).

Der absolute Hammer aber sind die Felsengesichter, die wir plötzlich überall entdecken. Als seien sie gerade aus dem Felsen materialisiert, schauen sie uns plötzlich von allen Seiten her an. Uuuunfassbar! Kein Wunder, dass die Maori überall Geister sehen … 

 

Neben unbekannten Gesichtern, sind uns sogar alte Bekannte hier begegnet … eine Reinkarnation ? Wisst ihr, wen wir meinen?

Das war absolut faszinierend und zusammen mit der (vergeblichen aber lustigen) Suche nach einem weiteren Geocache haben wir auf die angegebene halbe Stunde noch eine draufgelegt, so toll ist das da! 

 

Bis zum Campingplatz in Pohara ist es dann nur ein Katzensprung und wie die Katzen (also etwas zögerlich, aber dann!!!) springen wir dann gleich nach der Ankunft ins Wasser des Südpazifiks am Golden Beach. Der ist zwar heute alles andere als goldisch, aber das Wasser ist bei ?-Schein genauso nass wie bei Nieselregen und wir sind (vermutlich) nur einmal hier. Also rein mit uns. Die Küste ist hier allerdings so flach, dass bei Ebbe der Strand so breit ist wie das Rollfeld des Londoner Flughafens (sagt unser Reiseführer). Glück gehabt, es ist Flut, und der Pazifik dümpelt fast genau vor unseren Füßen ans Land. Allerdings muss man dann einmal übers Rollfeld, um den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Abtrocknen, kochen, schreiben, Bett.

Schreibt uns gerne einen Kommentar, ob und wen ihr erkannt habt! Und alles andere natürlich auch ?

Mit dem Briefträger unterwegs

Sonne, Wolken und der Fahrtwind begleiten uns am Mittwoch auf der herrlichen Fahrt mit der Pelorus Express, dem Mailboat des größten Sounds in Marlborough.

Nach der Besiedelung der Marlborough Sounds wurde die Post ab 1868 durch ein staatliches Postschiff  ausgeliefert, doch das wurde zu teuer und der Dienst 1918 privatisiert. Nur vom Briefe ausfahren konnte aber keiner leben, und so beförderte das Mailboat bald auch Lebensmittel, andere Waren und Personen. Heute genießen viele Touristen den Service, einen Tag an Bord mitfahren zu dürfen, so auch wir.

Um 10 Uhr legt der Katamaran ab und begibt sich auf die Mittwochs-Tour: Die mit den Namen der Bewohner bedruckten Postsäcke werden übergeben und einige Kartons mit Waren abgeliefert. Wir halten in so mancher Bucht und lernen ein wenig die Menschen kennen.

In der Mitte: Dave Robinson, ein wahres Unikum.

Es sind Rentner, Farmer, Muschelzüchter, Wissenschaftler und Künstler, einige bieten Ferienunterkünfte an, in Hopewell Lodge wird Honig aus Manuka und Kanuka-Teebäumen produziert. Ein junger Mann ist aus seinem Job in Auckland ausgestiegen und arbeitet nun online als Mathe- und Physiklehrer (und das bei der miserablen Internetverbindung).

Besonders urig fanden wir Dave, spontan sagten wir wie aus einem Munde: „der lebt hier wie Robinson Crusoe und sieht auch so aus“. Dann erfuhren wir seinen Nachnamen: Robinson ???.

Einige Häuser sind auch Ferienhäuser, doch die meisten sind ständig bewohnt. Das Postschiff kommt mindestens einmal die Woche vorbei und wird von den Hunden angekündigt und am Kai empfangen. Die bekommen als Dank von der Crew ein paar Hundeleckerli. 

All das und sooo vieles mehr erzählt uns der Skipper oder „Postie“  während der Fahrt in angenehmem Plauderton (über Lautsprecher) und immer noch gewöhnungsbedürftigem Kiwi-Englisch (lake klingt like, ferry wie fairy und best wie beast ?). Von der ältesten Schaf- und Rinderfarm von 1881, den DOC*-Wissenschaftlern auf der unter Quarantäne stehenden Insel Maud Island mit den gleichnamigen Fröschen, er erklärt uns, wie die Muscheln hier gezüchtet werden und vom legendären Delfin Pelorus Jack, der um 1900 alle Schiffe durch eine Engstelle begleitet hat und zum Medienstar wurde.

* DOC ist das Department of Conservation, verantwortlich für den Erhalt des historischen und ökologischen Erbes der Insel. Das DOC managt die Naturparks, betreibt zahlreiche Campingplätze und finanziert wissenschaftliche Projekte im Bereich Umwelt und Naturschutz. Ein sehr großes Anliegen ist der Erhalt der ursprünglichen Fauna und Flora der Inseln. 

Besonders interessant finden wir die Informationen zur Forstwirtschaft: Man kann unschwer erkennen, dass auf vielen Hügeln Wirtschaftswald wächst. Die Kiwis brauchen Unmengen Bauholz, Timber, denn fast alle Häuser sind aus Holz gebaut. Also wird in großem Maßstab Nadelwald kultiviert, abgeerntet und wieder aufgeforstet. Ein Problem stellen allerdings die „Ausreißer“ dar, vor allem Kiefern ???, die sich gerne auch mal außerhalb der Wirtschaftswälder vermehren und den nativen Wald dann verdrängen. Da kennt der Neuseeländer dann keine Gnade: jeder einzelne Baum wird angebohrt, bekommt eine Glyphosat-Injektion und geht dann ein, bevor er sich über neue Samen vermehren kann.

 

Unser Lunchpaket verzehren wir in der Tira Ora Lodge, wo gerade zwei deutsche Studenten work & travel-Dienst „schieben“.  In Jacobs Bay setzt uns das Boot nachmittags an Land, und wir spazieren eine 3/4 Stunde zur nächsten  Bucht, wo wir wieder aufgesammelt werden. Da läuft der Katamaran einfach mit dem Bug auf den Strand, legt eine Landungsbrücke aus und wir steigen an Deck

Wie in der Südsee ?
Bushwalk nach Dillons Bell

Auf dem Rückweg noch ein Abstecher bei den Honigproduzenten in der Hopewell Lodge, da wird der Besuch abgeholt und aufs Festland gebracht.

 

Wunderbare Pflanzenwelt

Natürlich ergeben sich auch einige Gespräche mit den Passagieren, so viele sind es ja nicht. Vor allem mit 2 Ehepaaren aus Plau (einer davon Geocacher ?), ebenfalls per Campervan unterwegs,  und einem sehr eloquenten und kontaktfreudigen älteren Neuseeländer, der mal Reisebuchautor war und Reiseführer über Berchtesgaden und Salzburg verfasst hat.

Zurück in Havelock

Mann, war das eine Plaudertasche ?.

So vergeht die Zeit wie im Flug. Als wir wieder in Havelock anlegen ist es schon nach 5, und wir haben sooo viel gesehen und erlebt.

 

Schwindelfrei

Wir fahren nur noch 20 km weiter nach Pelorus Bridge, beziehen Quartier auf dem naturnahen DOC-Campingplatz und drehen gleich noch eine kleine Runde zu Fuß.

 

Über die Hängebrücke geht es in den Wald, und auch hier begegnet uns sofort wieder die für uns Europäer befremdliche Art der Neuseeländer im Umgang mit Natur und Umwelt:

 

Kill the beasts

Warnschilder weisen auf Fipronil-Köder für Wespen hin und gleich darunter stehen  Fallen für die anderen ungebetenen Waldbewohner. Wir hatten es ja schon davon: „pests und predators“ – Schädlinge und Räuber – werden gnadenlos ausgemerzt, und da ist jedes Gift recht. In besonders großem Maßstab setzt man das sogenannte 1080 ein, Natriumfluoracetat, dass sogar mit Flugzeugen versprüht wird und toxisch auf Säugetiere wirkt. Alles was Haare hat, gilt dem Kiwi als Schädling☹️, es gehört nicht hierher. 

Allerdings kommt diese Erkenntnis recht spät, immerhin hörte die Isolation Neuseelands schon mit der Ankunft ersten Polynesischen Einwanderer um 1300 auf, von den Europäern ganz zu schweigen, und jeder brachte sein Tierchen mit, ob als Plaisier oder aus Versehen. Auf die heimische Vogelwelt wurde munter losgeballert. Dem Moa haben die Polynesier schon lange vor Einreise der ersten Europäer den Garaus gemacht. Und seit 40 Jahren will man jetzt alles ungeschehen machen, was in den Jahrhunderten zuvor angerichtet wurde. Schwierig! Davon, dass der nativen Tierwelt ca. 80% an Lebensraum durch Vernichtung von ebenso 80% der nativen Pflanzenwelt verloren gingen, redet aber irgendwie keiner. Extensive Land- und Forstwirtschaft, vor allem Beweidung, Klimawandel, Besiedelung und Verkehr, alles nimmt zu, aber Possum, Marder und Co. sind die Bösewichte. Predatorfree 2050 ist die Devise des DOC und jeder Bürger, vom Kind bis zum Greis, soll bei der Ausrottung mitmachen. Irgendwas gefällt mir an der Sache nicht.

Genug davon. Unser absolutes Animal of the Day ist jedenfalls ein neuseeländischer Ureinwohner, der Piwakawaka, zu englisch Fantail und zu deutsch Fächerschwanz. Plötzlich erscheint der Piepmatz  vor uns auf dem Weg, rammt mich fast im Flug und setzt sich dann vor uns ganz unscheu in Szene.

Trotzdem wir ihm bzw. er uns ganz nahe kommt, ist es nicht einfach, den quirligen Gesellen aufs Foto zu bannen. Einige Minuten flattert und posiert er um uns herum, dann kommt ein zweiter und beide fliegen davon. Eine faszinierende Begegnung war das! Leider passt das Handyvideo nicht in diesen Blog, ein kleines gif mag reichen. Es müsste sich bewegen, evtl. mal drauf rumklicken.

Wir sind für heute nun mit Erlebnissen bedient, aber so was von. 

 

Mal sehen, wann wir wieder genug Internet haben, um das alles in den Blog zu stellen.

Ab in den Süden

 

Die Kaitaki, ein Schiff mit bewegter Vergangenheit

Am Dienstag Morgen ist früh Aufstehen angesagt ??, denn um 8 Uhr ist Check-In auf der Interislander Fähre nach Picton. Alles klappt reibungslos und die Kaitaki nimmt uns in ihren Bauch auf.

Das Wetter ist sehr durchwachsen, auch das hat seinen Reiz bei der Fahrt durch die Sounds, die Fjorde Neuseelands.

Tschüs Nordinsel

Wir fahren dann von Picton gleich weiter über den Queen Charlotte Drive nach Havelock. Die 35 km haben es in sich, da sind höchstens ein paar Zentimeter gerade Straße drin, der Rest ist Kurve. 

Driftwood

Havelock erreichen wir gegen 15 Uhr, es ist ein verschlafenes Städtchen, und zudem heute nachmittag total verregnet. Wir machen natürlich trotzdem einen Landgang, finden ein paar Dosen und sehen voll viele Wasservögel. Leider haben wir weder Fotoapparat noch Fernglas dabei, wir waren auf‘s Geocachen aus und hatten einfach nicht mit diesem Vogelreservat gerechnet. Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen …

Auch wenn Havelock ansonsten nicht viel zu bieten hat, kulinarisch ist das Städtchen top. Es ist die (selbsternannte) „Hauptstadt der Grünschalenmuschel“ . Diese „greenshells“ sehen aus wie Miesmuscheln, nur größer und mit teilweise grüner Schale. Und sie schmecken herrlich ?. 

Greenshells

Tonnenweise werden sie in den Sounds in Muschelfarmen gezüchtet,  es ist ein big business in dieser Gegend. Eine Muschelfarm besteht aus langen Seilschlingen, die mit Muschelbrut beimpft werden. 18 Monate dauert es bis zur Ernte. 

Und noch was Besonders gibt es hier (klar, sonst wären wir nicht da): Ein Postschiff liefert im Pelorus Sound die Briefe aus und nimmt dabei auch Passagiere mit. Da fahren wir morgen mit und jetzt mach ich die Sandwiches ? für unterwegs.