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Rhein Radeln 2018

Tag 4: Von Bad Ragaz nach Sevelen resp. Vaduz

36,5 Grad Celsius

Laut Volker das Zauberwort für unser Vormittagsprogramm. Wenns nach mir geht hätte man auch erst mal sagen können: Wo fährt das Postauto ab? Aber 36,5•C ist natürlich spektakulärer, weil ?.

Dennoch beginnen wir mit dem Postauto, das ein ausgewachsener Omnibus ist, der um 9:38 Uhr abfährt und zwar vor dem Postamt ?. Auf ganz schmaler Straße und nur Zentimeter vom Abgrund fahren wir längs der sprudelnden Tamina Richtung Altes Bad Pfäfers. Hier nun beginnt das Abenteuer des kleinen Touristen ?, der Weg zur Quelle des Bad Ragazer Heilwässerchens. Das sprudelt nämlich mit …. genau … 36,5 Grad Celsius hier aus dem Berg. Aber nicht einfach nur so, oh nein.

Nach Einwurf von 2 x 5 Fränkli lässt uns das Drehkreuz in die Quellschlucht,

die fast eine Höhle ist, kaum dringt das Tageslicht von oben herein und von unten rauscht die Tamina so laut, dass man sich nur halb schreiend unterhalten kann. 600 Meter geht es so ins Dunkle (mittlerweile trüb erleuchtet), es ist arsch kalt und ziemlich klamm.

Dann zweigt links ein blau erleuchteter Tunnel ab

Nach der klammen Kälte begegnet uns hier eine dumpfe Wärme, immer wärmer, je näher wir uns dem Quelltopf nähern. Irre.

Um 1240 haben Jäger die Quelle entdeckt und Mönche eines nahe gelegenen Klosters haben ihr sogleich Heilkräfte nachgesagt, kein Wunder bei der außergewöhnlichen Temperatur. Ab 1630 wurde das warme Wässerchen erstmals in isolierten Rohren von der Quelle ins nebenan gebaute prächtige Badhaus und ab 1840 sogar weiter nach Bad Ragaz geleitet. Doch anfangs, im Mittelalter, wurde vor Ort gekurt: Mit Seilen und Körben wurden die „Kurgäste“ herabgelassen und blieben bis zu 10 Tage ununterbrochen im Wasser. Das sollte die Krankheiten durch die dann völlig aufgeweichte Haut wegspülen. Ein Tipp von Paracelsus, dem ollen Quacksalber. (Anmerkung: Volker geht lieber nach Lindenfels).

Toll war das!

Um 11 Uhr bringt uns der Schluchtenbus wieder ins Ort und bei Kaffee und WLan planen wir den weiteren Tag. Der steht unter dem Motto: Immer auf‘m Damm lang.

So rauschen wir durchs “Heidiland“ sogar vorbei an Weinbergen, was in mir die lästerliche Vermutung aufkommen lässt, der Alm-Öhi war in Wahrheit Winzer. Aber lassen wir das.

Inzwischen wird der Wetterbericht zur Realität: Opulente Wolken türmen sich im Westen:

Aber noch tangiert uns das nicht. Beizeiten sind wir in Sevelen in unserer heimeligen Unterkunft mit eigenem Gärtchen ?? und einer ganz lieben Gastgeberin aus Sachsen. Überhaupt treffen wir in der Schweiz sehr, sehr viele Ein-, Aus- resp. Zuwanderer.

Schnell die Klamotten abwerfen und mit dem Rad rüber nach Vaduz zum Nachmittagsprogramm.

Vaduz. Jo. Muss man mal gewesen sein. Mal. Also einmal. Das reicht. Das wissen wir jetzt.

Keine nennenswerte Altstadt. Ein Eisbällchen für 3 Franken (ok, es war recht groß) und viel Kunst. Der Ableger von Bad RagARTz.

Auch das neue Landtagsgebäude  (also sowas wie der Reichstag oder Bundestag inklusive Bezirksgemeindeverwaltung, alles halt) sollte wohl unter den Begriff Kunst fallen.

allerdings hat es einen merklichen Dachschaden. Oder muss das so? Nein, da sind die Ziegelchen zu ihren Brüdern und Schwestern auf den Gehweg runter.

Und dann haben wir was ganz Tolles gemacht. Oder eher was Dolles.

Wir sind mit dem Touri-Bähnle ganze 35 Minuten durch Vaduz gefahren und haben uns alles Sehenswerte angeschaut. Wahnsinn ???.

Mit uns im ? nur Inder, gefühlt 200, wir kamen uns etwas deplaziert vor?. Unter Beschallung mit alpenländischer Folklore düsten wir erst durch die uns schon bekannte Fußgängerzone und dann in irgendwelche langweiligen Außenbezirke. Und da gingen die Inder voll ab: Helle Begeisterung für Mehrfamilienhäuser, Vorgärten, Apfelbäume, Kühe, ein Kohlfeld, Fußballtraining, alles wurde per Handy  ? gefilmt (die Männer!). Unvergesslich. Unser bleibendster Eindruck von Vaduz (weißt du noch, wie damals die Inder…..).

Und diese tolle Aufnahme vom Schloss haben wir der Fahrt zu verdanken:

Dann aber nix wie weg hier! Die Wolken ☁️?☁️ dräuen inzwischen ganz beachtlich, das kulinarische Angebot in der Stadt ist mäßig und selbst für schweizerische Verhältnisse überteuert, da gehen wir lieber bei Aldi und in unser Gärtchen. Ok, es wurde dann Lidl und wir waren gerade rechtzeitig zurück in unserer schnuckeligen Unterkunft. Rechtzeitig dafür:

Dann gabs das Abendessen halt drinnen.

Fakten: ? 30 km, flach, ? 10 km,  ? 3 km, 200 ??‍♀️im ?, ☀️?⛅️?☁️????????????⛈? ?, B&B Büel in Sevenin

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Rhein Radeln 2018

Tag 3: Von Ilanz nach Bad Ragaz

Über der Rheinschlucht

Heute wurde „geschluchtzt“, aber so was von.

Unserem jungen Vorderrhein warf sich vor ca. 10.000 Jahren der „Flimser Felssturz“ in den Weg, alles ging verschütt und der Rhein musste sich da erst mal wieder durcharbeiten.

Geblieben ist die Rheinschlucht, ein imposanter Canyon, bis zu 450 m tief und 14 km lang. Und genau den sind wir heute entlanggeradelt ??‍♀️??‍♂️?????.

Aber erst muss man da mal hinkommen und zwar bergauf (auch wenn das Auge manchmal meint, es ginge bergab … es geht bergauf!). Da kam der größte Holzbrunnen Europas zur Abkühlung gerade recht.

Und dann geht es los, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt immer spektakulärer. Da muss man nix zu sagen, da braucht man nur schauen und staunen und sich freuen.

(Bilder antippen,dann könnt ihr sie in groß ansehen)

Fast plötzlich nach dem letzten Aussichtspunkt hat es sich ausgeschluchzt: Die Felswände weichen, das Tal wird breit, wir radeln durch Wiesen und Wald nach Reichenau.

Und hier geschieht nun das, was wir schon den ganzen Tag mit Spannung erwartet haben. Wie wird es aussehen, wenn …

So sieht es aus, wenn sich der Vorderrhein (vorne links) und der Hinterrhein (hinten rechts) treffen: Es gibt ein großes Gewirbel und als Alpenrhein vereint fließen sie manierlich links aus dem Bild.

So sieht der dann ein paar Kilometer weiter aus, irgendwie brav geworden und dabei meist ziemlich langweilig … kanaliesiert … industrialisiert. 

Der Rhein-Radweg und so auch wir folgen ihm mit ein paar Abstechern (von oben guckt es sich so schön runter) und kaum in der Ebene, bläst uns eine steife Brise mit 5+ Beaufort …. natürlich nicht in den Rücken, sondern voll ins Gesicht. Puhh ??. Da musste durch.

Chur lassen wir aus Zeitgründen aus, denn wir kommen nicht so voran wie gedacht. Aber der Weg wird hinter der Industrie von Chur sehr schön:

Mit Bad Ragaz bzw. dem gegenüberliegenden Maienfeld erreichen wir … ?? Heidiland ?. Das wird hier üppig vermark-tet. Zum Glück ist im Städtchen wenig davon zu merken. Hier wird die Bad RagARTz gefeiert, die ganze Stadtbist voller Kunst und Skulpturen. Schön ist das und mit vielen kann man spielen oder sich illusionieren lassen.

 

 

Kunst mit Cache

 

 

 

Fakten

65 km, 1.313 HM, 4:45h velociert, 3:28 pausiert, ☀️

übernachtet in B&B Ursalina

 

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Rhein Radeln 2018

Tag 2: Von Andermatt nach Ilanz

“Das wäre unser Pass gewesen“, jammert Volker, während wir mit der Zahnradbahn auf den Oberalppass zuckeln. Wäre sie nicht so langsam,  es wäre schwindelerregend. Immer wieder schauen wir herab auf Andermatt, mal aus dem rechten, mal aus den linken Zugfenster.

Oben am Pass erwartet zumindest mich eine Überraschung:

Einen Leuchtturm nebst Anker hätte ich nun nicht erwartet. Er wurde 2010 als Symbol für die Rheinquelle hier aufgestellt – dabei ist sie von hier noch einen gut einstündigen Fußmarsch entfernt. Einen Geocache gibt es hier natürlich auch ?.

Downhill

Die Quelle besuchen wir mangels alpiner Wanderausrüstung nicht, statt dessen geht es auf die Abfahrt. Meine erste Passabfahrt überhaupt. Ich bin vorwiegend mit Bremsen beschäftigt, schneller als 45 km/h trau ich mich nicht. Der „passable“ und zudem scheibengebremste Volker ist da schon schneller unterwegs. Dafür schraubt sich die Restlaufzeit von Erikas Akku ins Absurde, ich fürchte schon, die Software steigt bei 190 km Reichweite aus.

Der kleine Rhein plätschert unter uns zunächst unsichtbar durch sein schönes Tal.

In Dissentis besuchen wir das opulente Kloster; mit dem Multi haben wir allerdings kein Glück, umsonst keuchen wir 250 m den Berg hoch: Rechnen ohne Lesebrille konnte ja nicht gut gehen. Aber auch nach dem Ent-Verrechnen, finden wir das Ding nicht ☹️.

Wir biegen hier aber endlich von der großen Straße ab und fahren überwiegend auf geschotterten Wegen durch das schluchtartige Tal des jungen Rheins. Steile Anstiege und noch längere Abfahrten, nicht gerade angenehm auf dem Boden, aber die Landschaft versöhnt damit:  Malerische Dörfer wechseln sich ab mit einsamen Abschnitten durch Wiesen und Wälder. Hier ein paar Impressionen:

 

Die prächtige kleine Barockkirche des Hl. Antonius in Cavardiras ist wunderschön geschmückt, ich stelle ein Kerzlein auf, muss allerdings den erbetenen Obulus in Fremdwährung berappen, also eben keine Rappen, sondern euronische Cent. Die Schweiz wird‘s verschmerzen, der INRI lächelt milde auf mich herab, also wolle er sagen: Ich verrate es keinem.

In Surrain laden wir Erikas und unsere Akkus ein wenig auf und wundern uns über die babylonische Sprachverwirrung in der Gegend: Guten Tag, Gruezi, bonjour, bon giorno, buenavista, wahrscheinlich könnte man auch holladriho sagen, hier geht alles. Ein Trimmdichpfad beschreibt seine Übungen so: „Execuziun: Metter ils peis illa largezza dal batschigl fan ün pa schnuogl, cul bratsch stendü sur il cheu“ ?. Laut Volker ist das Rätoromanisch, die Wirtin meint, es sei ein romanischer Dialekt, den sie auch nicht versteht – dabei wohnt sie nur ein paar wenige Kilometer entfernt.

Ja, die Schweiz ist schon was Besonderes ??????

Der kleine Rhein nimmt merklich an Größe zu, 40 km hinter seiner Quelle wird er schon zur Arbeit gerufen: Ein Wasserkraftwerk produziert reinen Rheinstrom.

Kurz von Ilanz kommt noch ein sehr fieser Cache an einer überdachten Holzbrücke. Wir suchen vergeblich eine ganze Weile, das Übliche: Operative Hektik ersetzt geistige Windstille. Kurz vorm Aufgeben ein letzter disziplinierter Versuch: Bauchnabelhöhe und das ansehen was es hier gibt, das sind Schrauben und Astlöcher. Schrauben  sind es nicht, also bleibt nur … schwupps da ist er ?, im Astloch als Astscheibe getarnt. Der kriegt ein ?.

Gegen 18 Uhr radeln wir in Ilanz ein und beziehen Quartier. Jetzt ein leckeres Abendessen und dann verziehen wir uns wieder mit Elke und Tom in die Betten.

Na gut, bevor hier noch wilde Spekulationen aufkommen: Es handelt sich um Elke Heidenreich und Tom Krausz, besser gesagt um deren Bildband „Der Rhein“, den Volker als Reiselektüre erworben hat und den wir uns nun abends kapitelweise im Bett vorlesen. Ja: Vorlesen! Schön ist das.

Fakten:

? 11 km, ? 56 km, 3:10h Fahrtzeit, 1.000 HM, ☀️

 

 

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Tag 1: Anreise nach Andermatt


Sonntag, 26. August, 8:00 Uhr.
Die Frisur sitzt, die Sonne scheint, Erika ist schon ganz uffgereescht.

Um 10 radeln wir los zum Hauptbahnhof Mainz und siehe da, der Eurocity nach Interlaken ist pünktlich.

Mit den vollbepackten Rädern, vor allem der schweren Erika, durch die schmale Tür 3 Stufen hoch in das enge Vorräumchen – nicht gerade komfortabel was SBB und DB da bieten ?. Nach einigem Gefummel haben die Fahrräder dann ihren Platz eingenommen und wir sitzen gleich nebenan.

Unter fluffigen Schäfchenwolken zieht in der Ferne Zwingenberg  am Odenwald an uns vorbei (das ist natürlich Blödsinn, aber man sagt es halt so), dann auch bald der Schwarzwald und schon sind wir in Basel. Dort Umstieg in den nächsten engen Vorraum. Für die ca. 130 km Luftlinie nach Erstfeld braucht die schweizerische Bahn zweieinhalb Stunden. Der Interregio zuckelt durch die immer alpiger werdende Schweiz, Märklineisenbahnlandschaft. In Göschenen steigen wir dann für die letzten paar Kilometer in die Matterhorn-Gotthardt Bahn um: mit einem merklichen Ruck rasten die Zahnräder  ein und sie bringt uns auf einer spektakulären Strecke hoch über der Reuss durch die Schöllenenschlucht, vorbei an der sagenumwobenen Teufelsbrücke, hinauf nach Andermatt. Dabei durchfährt der Zug eine 360 Grad-Kehre im Tunnel, um auf die 1463 Höhenmeter zu kommen.

Das urschweizerische Gasthaus zum Sternen ist unsere Unterkunft in Andermatt. Die Wirtsleute sind aber keine Schweizer: Familie Oberbillig stammt aus der Eifel ?. Wir genießen einen Anleger in der Sonne, doch wird es bald merklich kühl. Gestern hat es sogar geschneit, und das bei einem Radrennen über 5 Pässe und 270 km. Bei   Volker kommen Erinnerungen an vergangene Heldentaten auf …

Ein leckeres Abendessen und ein paar Getränke später schreiben wir nun diese Zeilen und verziehen uns dann mit Elke und Tom in unsere Bettchen.

  

 

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Rhein Radeln 2018

Rhein Radeln 2018 – gepackt is‘

 

Nach ✈️ CPH ?? Trip mit der vierköpfigen Familie an ?, den Volker von der Familie zum 60sten geschenkt bekommen hat, und ⛵️ mit den Heidelbergern in der Ägäis um Himmelfahrt rum, treten wir nun unseren langersehnten Sommerurlaub an: per ? den Rhein runter, von der Quelle bis „wie weit auch immer“. Wir nehmen uns dafür satte drei Wochen aus dem Alltag raus … tolle Perspektive ?

Es ist alles soweit gepackt. Morgen, am Sonntag den 26.8. wird es per Zug von Mainz Hbf über Basel nach Andermatt gehen. Nun ist erstmal vorfreudiges Chillen angesagt ?