Würzburg

12.-18. Januar 2026: Die 3 W: Welterbe.Weingenuss.Wohlgefühl

Wir warten am Morgen noch das Tauwetter nebst Blitzeisgefahr ab und fahren um 13 Uhr bei Temperaturen deutlich über Null los. Nach einer guten Stunde Fahrt im Nieselregen dirigiert uns unser neues slowakisches WoMo-Navi mit dem gruseligen Namen Sygic (sprich: saidschig) auf den großen WoMo-Stellplatz an der Friedensbrücke, schräg gegenüber der Altstadt. Kostet 17 Euro am Tag, Strom 0,60 €/kWh, V&E (Wasser ist allerdings abgestellt) und Brötchenautomat. Kann man nicht meckern.

Das obligatorische Stehfoto

Gleich oberhalb fährt alle 10 Minuten die Straba Linie 4 in die Stadt. Für 3,40 € (theoretisch, wir haben ja ein Deutschlandticket). Warum sie das in Mainz nicht hinkriegen, weiß der Henker: 3,90 € kostet der Einzelfahrschein und AKK ist im Halbstundentakt angebunden. Wobei noch nicht mal die unterschiedlichen Linien irgendwie koordiniert sind. Ein Armutsurteil für einen Verkehrsverbund,der über eine halbe Million Menschen in MZ/WI befördern soll.

Als erstes entern wir die Touristeninformation, die am oberen Markt im prächtigen Haus zum Falken residiert. Dessen Rokokofassade wurde – wie so vieles in Würzburg – nach dem Krieg originalgetreu rekonstruiert, denn die Innenstadt war nach Bombenangriffen zu 90% zerstört.

Die Touri-Info lockt – wie Mainz – mit dem Slogan WWW, das aber hier nicht für Weck Worscht und Woi steht, sondern für Welterbe, Weingenuss und Wohlgefühl. Wir kaufen Tickets für die Stadtführung am Samstag. Brückenschoppen und Nachtwächterführung klappt irgendwie nicht (Technik, die begeistert), das muss ich also selbst online erledigen. Im Winter ist das touristische Angebot in WÜ ziemlich runtergefahren und findet fast nur am Wochenende statt. Oder halt für Gruppen. Dabei hat Würzburg wirklich überaus viel zu bieten: Kirchen, Festung, Residenz, Strahlen, Lügen, Welterbe, wenn man Namen bemüht wären es zum Beispiel Kilian, Julius und Balthasar und nicht zu vergessen Silvaner, Bacchus und Domina. Es gibt also viel zu tun.

Fangen wir mal mit einer Kirche an. Würzburg hat nach Rom die höchste Dichte an Gotteshäusern und bringt es auf über 50 Stück. Ein besonderes hübsches steht gleich neben dem Falkenhaus und obwohl es ein ausgewachsenes gotisches Bauwerk ist, handelt es sich lediglich um eine Kapelle, die Marienkapelle mit ihrer golden funkelnden Strahlenkranzmadonna. Sie wurde von den Bürgern in Eigenregie erbaut, was dem Fürstbischof nicht gefiel, weshalb er sie nicht mit pfarrkirchlichen Rechten ausstattete. Ergo ist es nach Kirchenrecht eine Kapelle.

Was man ihr nicht ansieht: Die Marienkapelle hat eine sehr düstere Vorgeschichte! Als der schwarze Tod 1349 auch die Stadt Würzburg heimsuchte, brauchte man einen Schuldigen und machte dem Zeitgeist folgend 🤮 kurzerhand die Juden für das Sterben verantwortlich. Man brachte sie um, brannte die Synagoge nieder und errichtete an deren Stelle eine Sühnekirche als Zeichen des Siegs der Christenheit über das Judentum (zur Ehrenrettung des Klerus muss man sagen, dass das eine Aktion der Würzburger Bürger war). Die ließen sich nicht lumpen und putzten das mit Spenden, Ablasshandel und Mieteinnahmen (für die kleinen Läden an der Außenmauer) finanzierte Prestigeobjekt prächtig heraus. So zieren Adam und Eva des schon zu seiner Zeit berühmten Bildhauers Tilman Riemenschneider das Südportal – allerdings nur in Kopie. Die Originale sind im Museum auf der Festung.

Adam und Eva von Tilman Riemenschneider

Drinnen erklärt uns ein engagierter Würzburger, dass der Herr Riemenschneider (1460-1531) damals wie heute von Obrigkeiten geschasst wird. Damals war er als Ratsherr Sympathisant der aufständischen Bauern und fiel beim Fürstbischof in Ungnade und heute werde er immer noch nicht ausreichend gewürdigt. Ob das stimmt, können wir nicht beurteilen, Fakt scheint uns aber zu sein, dass dieser kritische Herr nicht der Wählerschaft der Herrn Söder oder Aiwanger zuzuordnen ist, sondern eher der von Frau Reichinnek 😂.

Danach genehmigen wir uns erst mal zwei „Geknickte mit“ am Bratwurststand auf dem Marktplatz. Wurst können die Franggen 🌭.

Den tückischen Tradi am Markt finden wir nicht (noch nicht 🤨), wir erledigen aber buntgemischt alle möglichen Cachestationen um uns herum. Ein Labcache handelt von klassischen Gasthäusern in WÜ und in das älteste, den Stachel, kehren wir dann auch gleich mal ein.

Der Gressenhof, so der ursprüngliche Name, war Wirtshaus seit 1413 und diente 1525 den aufständischen Bauern als geheimer Treffpunkt. War eine Versammlung im Gang, hing man den Morgenstern = Stachel heraus (warum auch immer man so auf sich aufmerksam machte 🤔). Berühmte Aufständische waren Florian Geyer und Götz von Berlichingen und auch Bürgermeister Riemenschneider zählte man zu den Rebellen.

Heute geht es dort weniger obrigkeitswidrig zu, ein richtig schönes Gasthaus ist das und der Riesling Kabi von 2024 läuft „wie ein Niagarafall die Kehle herunter“ – so die Weinkarte 🤣👍️. Die Wirtshaustradition in Bayern ist schon etwas Feines!

Den Heimweg legen wir über die alte Mainbrücke, werden aber gleich zu Beginn erneut ausgebremst, diesmal von der urigen Brückenschänke, der Alten Mainmühle.

Und weil es dort so überaus gemütlich ist, wird aus einem Brückenschoppen ein Abendessen mit Rumpsteak und Kaninchen.

Im Nebel flanieren wir danach zwischen den 12 Brückenheiligen auf die andere Seite und an der Uferpromenade entlang zum Stellplatz.

Blick auf die Festung Marienburg, auf dem Hügel nebenan das Käppele. Zu dem haben wir es nicht geschafft.

Nun gilt es durchzuhalten bis 24 Uhr: Mein Geburtstag! Unser 43. Hochzeitstag! Damit wir nicht einschlafen, legt Volker einen Münstertatort auf, bei mir nützt das aber nix, ich schlummere selig.

Bis mich um 10 vor 12 ein riesiger RUMMS 💣💥🧨 aus dem Nickerchen reißt. Ein Donnerschlag wie bei einer Explosion. Unter dem letzten Brückenbogen steigt schwarzer Rauch auf und wabert über den nebligen Platz. Hunderte Krähen ziehen aufgeschreckt ihre Runden am Nachthimmel. Außer uns und einem WoMo-Nachbarn ist niemand zu sehen, es ist – wieder – totenstill. Ich rufe die 110 an und bald kommt eine Polizeistreife 🚓, später noch ein Feuerwehrwagen 🚒. Die Einsatzleute suchen die Gegend mit Taschenlampen 🔦 ab, finden aber nichts.

Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk vorbei und wir stoßen auf meinen Geburtstag an. Volker schenkt mir eine weitere schöne und sehr elegante Kette von TrendZ. Wenn wir schon keinen Christbaum behängen, dann wenigstens mich 🤭.

Mittwoch, 14. Januar 2026

An meinem Geburtstag haben wir als erstes eine Verabredung mit Wilhelm Conrad Röntgen 🩻. Zum Glück nicht im Krankenhaus, sondern im Museum 🤗.

Was wohl kaum jemand weiß: die Röntgenstrahlen wurden in Würzburg entdeckt. Und zwar im physikalisch-chemischen Institut der Julius Maximilian Universität, die auch damals 1895 schon so hieß.

Damit man es auch ja weiß: In diesem Haus ….

Röntgen ist Sohn eines wohlhabenden Tuchfabrikanten aus Remscheid und dessen niederländischer Frau. Wegen der Frau Mama zieht die Familie 1848 nach Apeldoorn, da ist der kleine Wilhelm drei Jahre alt. Er geht in den Niederlanden zur Schule, ist zwar kein schlechter Schüler, aber es mangelt wohl am Betragen, man wirft ihn raus. Ohne Abschluss kann Röntgen nun sein Studium nur in der Schweiz beginnen: an der ETH Zürich nimmt man jeden, der die Aufnahmeprüfung besteht. 1868 erhält Röntgen dort sein Diplom als Maschinenbauingenieur. Er wird dann Assistent des in Fachkreisen nicht unbekannten Physikers  August Kundt, macht ein Aufbaustudium in Physik und promoviert schon 1869 mit Studien über Gase zum Dr. phil. Einen rer. nat. gibt es damals noch nicht. Es gibt Theologen, Juristen und Mediziner, alles andere waren „Artisten“, später Philosophen genannt. Der frisch gebackene Doktor forscht und lehrt dann in Würzburg, Straßburg, Hohenheim und Gießen und kommt 1888 als ordentlicher Professor wieder nach Würzburg.

In Würzburg experimentiert Röntgen im November 1895 mit Elektronen in luftleeren Röhren, sogenannten Kathodenstrahlen. Die Röhren waren erst kürzlich von einem Herrn Hittorf erfunden worden und daher ziemlich heißer Scheiß. Dabei bemerkt Röntgen eher zufällig, dass ein in einiger Entfernung herumliegendes Bariumpapier aufleuchtet – was es nicht tun sollte, denn aus der Röhre, die zudem mit schwarzem Karton ummantelt ist, können keine Elektronen herausdringen.

Merke: Gründliches Aufräumen ist nicht immer von Vorteil! 😜

An der Kathode treten Elektronen aus und bringen das Restgas oder einen Leuchtschirm in der Röhre zum Fluoreszieren. Ein kleiner Teil der Elektronenenergie tritt als kurzwellige Röntgenstrahlung aus der Röhre. Der Rest geht als Wärme verloren.

Heute wissen wir, dass die kinetische Energie der beschleunigten Elektronen beim abrupten Abbremsen durch das Auftreffen auf die Anode zu einem kleinen Teil in kurzwellige Strahlung, sogenannte Röntgenphotonen, umgewandelt wird (Bremsstrahlung). Außerdem werden Außenelektronen der Anoden-Atome getroffen und aus der Bahn geworfen. Beim „Rückfall“ auf ihre ursprüngliche Umlaufbahn (niedrigeres Energieniveau) entsteht ebenfalls Röntgenstrahlung.

Röntgen hingegen hat zunächst keine Ahnung, was er da entdeckt hat – er nennt es X-Strahlen – aber es ist ihm sehr bald klar, dass seine Entdeckung das Zeug zu etwas ganz Großem hat: Denn die ominösen Strahlen durchdringen alles, was nicht niet- und nagelfest ist, Pappe, Holz und sogar den Körper. So entsteht recht bald die erste Röntgenaufnahme aller Zeiten, für die Röntgens Frau Berta ihre Hand eine halbe Stunde lang vor die Röhre hält.

Schon ein knappes Jahr nach Röntgens Entdeckung werden solche medizinischen Röntgenapparaturen in Krankenhäusern eingesetzt

Röntgen lässt seine Entdeckung nicht patentieren*, ihre Nutzung soll zum Wohle der Forschung und der Menschheit frei verfügbar sein. Er kann sich den Edelmut leisten, denn er ist ein reicher Mann.

*Dennoch hier ein sehr guter Beitrag des Deutschen Patent und Markenamtes über Röntgen und seine Entdeckung.

1901 erhält er den ersten Nobelpreis für Physik ever. Das Preisgeld stiftet er der Würzburger Universität.

Anfeindungen und Plagiatsvorwürfe bleiben in der Folge nicht aus, können Röntgen aber nichts anhaben. Er wechselt 1900 zur Ludwig-Maximilians-Universität München. Angebote zur Vermarktung der X-Strahlen lehnt er ebenso ab wie den ihm angetragenen Adelstitel.

Als Röntgen am 10. Februar 1923 in München stirbt, ist er ein weltberühmter Mann.

Hier in Würzburg hat man ihm in den damals von ihm genutzten Räumen eine Gedenkstätte geschaffen inklusive seinem Labor mit der originalen Einrichtung.

Funfact: Beim Ausbau des Straßenbahnnetzes Ende der 1890er Jahre widersetzte sich das Physikalische Institut der Universität der Streckenplanung: Man befürchtete Erschütterungen und Streuströme an den vom Uni-Präsident Prof. Röntgen benutzten Institutsbau. Daher fährt keine Straßenbahn über den heutigen Röntgenring direkt zum Hauptbahnhof.

Nach diesem sehr interessanten Besuch machen wir uns auf in Richtung Altstadt, kommen aber mal wieder nicht sehr weit.

Das Juliusspital bremst uns aus, besser gesagt dessen Vinothek.

Das Juliusspital wurde 1579 von Würzburgs bekanntem Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gegründet. Man kann es am besten als gelungene Symbiose von Krankenhaus, Seniorenstift und Weingut bezeichnen. Das mutet heute seltsam an, ist es aber eigentlich nicht. Und das kam so:
Als Julius Echter 1573 auf Vorschlag des Mainzer Erzbistums zum Fürstbischof gewählt wurde, trat er ein schweres Amt an: Das Bistum steckte in den Wirren der Reformation, der fränkische Adel war überwiegend zum Protestantismus übergetreten und mit ihm auch ein Großteil der fränkischen Bevölkerung. Das katholische Erzbistum lag nun wie das kleine gallische Dorf inmitten von „Feindesland“. Man brauchte also einen starken Fürstbischof, der den Leuten auch etwas Konkretes bieten konnte! Etwas Weltliches und Praktisches. Zum Beispiel die Wiedererrichtung der Universität. Der genialste „Schachzug“ war aber sicherlich, die Verbesserung der Krankenversorgung der Stadt, die von nur einem Bürgerspital eher schlecht als recht gemanagt wurde.

Echter bat auch nicht die Bevölkerung zur Kasse, sondern stiftete das Spital aus seinem Privatvermögen und überschrieb der Stiftung Äcker, Weinberge und Wälder, aus deren Erträgen das Spital unterhalten werden konnte. Das ist bis heute so!

1580 wurden die ersten 21 Kranken aufgenommen. Aber nicht nur Kranke: Laut dem Stiftungsbrief sollte das Juliusspital „allerhandt Sorten Arme, Krancke, unvermögliche, auch schadthaffte Leuth …, dessgleichen verlassene Waysen und dann fürüberziehende Pilgram und dürfftige Personen“ aufnehmen. Auch psychisch Kranke sowie Protestanten und Juden.

Die Stiftung ist heute Eigentümerin von über 3300 Hektar Wald, 1100 Hektar Ackerland und 177 Hektar Weinberge, die sie größtenteils selbst bewirtschaftet und damit einer der größten Landwirtschaftsbetriebe Bayerns ist. Neben den medizinischen und pflegerischen Einrichtungen gibt es noch einige Immobilien im Umland, darunter Hotels und Firmen und in Würzburg das Juliusspital Restaurant, die Weinstuben, Weinverkauf und die Vinothek.

Und in genau die fallen wir ein und stoßen mit einem Glas Rosé-Secco auf unseren Hochzeitstag an!

Nicht unerwähnt bleiben darf ein sensationeller archäologischer Fund, den wir im Entree des Gebäudes machen und der von den Würzburgern fälschlicherweise für eine Wassergewinnungsanlage gehalten wird. Dabei ist auf den ersten Blick klar, dass es sich hier um eines der sehr seltenen Exemplare eines antiken Thermomix handelt. Den ersten und bis dato einzigen hatten wir 2023 in Lappland entdeckt.

Vorbei an der ältesten Pizzeria Deutschlands (die aber leider Siesta hat) schlendern wir dann durch die Stadt zu unserem nächsten, durchaus etwas rätselhaften Ziel, dem Lügensteinmuseum,

Von einem Museum für Lügensteine hatten wir noch nie etwas gehört – glaubten wir zumindest, bis wir mal unsere Podcast-Bibliothek danach durchforstet haben und siehe da, sowohl GAG70 als auch HIS2go166 haben die Lügensteine im Programm.

Seit Juli 2025 gibt es in Würzburg nun ein schnuckeliges privates Museum, das die Berufsschullehrerin und Lügenstein-Forscherin Dr. Petra Hubmann liebevoll eingerichtet hat. (Sie hat mit einer wissenschaftlichen Arbeit über die Lügensteine promoviert!)

Aber was sind denn nun diese Lügensteine? Können Steine überhaupt lügen? Und wenn ja, warum? Und was?

Einige der Fragen beantwortet der Einführungsfilm, der uns zusammen mit einem weiteren Gläschen Rosé im gemütlichen Museumscafé serviert wird (im Eintrittspreis inbegriffen 🤩).

Also: Um die sogenannten Lügensteine rankt sich einer der größten und frühesten Skandale der modernen Wissenschaftsgeschichte. Ultra-Kurzfassung: Pseudofossilien werden verbuddelt, ein hoch angesehener Würzburger Forscher fällt darauf rein und scheint ruiniert zu sein. Doch das Museum zeigt, dass die Angelegenheit komplexer ist als gedacht. Und dieser Komplexität sollen wir nun mit eigenen „Forschungen“ nachspüren.

Repliken einiger Lügensteine

Neben den Steinen ist Protagonist der hoch angesehene Mediziner, Leibarzt des Fürstbischofs und Leiter des Juliusspitals, Professor Johannes Bartholomäus Adam Beringer, wir nennen ihn kurz Beringer. Wir schreiben das Jahr 1725. Zwei junge Burschen bringen ihm Fundstücke, Steine mit Darstellungen von Tieren, Pflanzen, Ornamenten, ganz erstaunlich! Und Beringer gräbt selbst noch viel mehr Exemplare an der Fundstelle aus, die Rede ist von 2.000 Steinen! Aber sind sie von der Natur, oder von Menschenhand geschaffen? Wie alle Mediziner dieser Zeit, ist Beringer ein universeller Naturforscher, die Untersuchung der drei Reiche der Natur (Tiere, Pflanzen, Mineralien/Steine) gehört zu seiner Jobbeschreibung. Man korrespondiert unter Kollegen miteinander und tauscht sich aus, auch im materiellen Sinne. Und das tut Beringer auch, er sortiert und katalogisiert, untersucht akribisch, zieht Kollegen hinzu und stellt auch durchaus kritische Fragen nach der Herkunft der Steine.

Seine Forschungsergebnisse stellt er in einer wissenschaftlichen Abhandlung, der Lithographia Wirceburgensis, dar und erklärt, wie die Steine seiner Meinung nach nicht entstanden sein können. Eine positive Theorie der Entstehung hat er nicht, doch er kommt zu dem Schluss, die Steine seien echt, natürlichen Ursprungs*. Auch hebräische Schriftzeichen auf einigen Steinen bringen ihn nicht von dieser Einschätzung ab.

Man muss zu Beringers „Ehrenrettung“ sagen, dass es vor 300 Jahren keine wissenschaftliche Fossilienkunde gab. Man glaubte an die Bibel, an die Schöpfung, die Sintflut und es gab heute absurd anmutende Theorien, z.B. die Präfigurationslehre, nach der Gott Modelle hergestellt hat, nach denen er die Tier- und Pflanzenwelt erschuf. Nach den damaligen wissenschaftlichen Standards hat Beringer gewissenhaft gearbeitet.

Es stellt sich aber bald heraus, dass Beringer mit seiner Einschätzung falsch lag: Angeblich taucht ein Stein mit seinem Namen in hebräischen Buchstaben auf, die Burschen verwickeln sich in Widersprüche ob der Funde und zwei seiner „Kollegen“ geben gar zu, Steine angefertigt und Beringer untergeschoben zu haben. Beringer muss erkennen: Die Steine sind Fälschungen, Lügensteine.

Der Arzt zieht die Veröffentlichung eines zweiten Bandes der Lithografia zurück, kauft alle Exemplare der ersten Auflage auf, deren er habhaft werden kann, vernichtet gar die Steine, die er besitzt.

Doch bis heute ist vieles an der Geschichte noch immer ungeklärt: Wer steckte hinter den Fälschungen? 2.000 solcher Steine fertigt man nicht mal nebenher aus Jux an, das hätte Jahre gedauert und guter Fertigkeiten bedurft, denn es gab keine Werkzeugspuren, das hatte Beringer untersucht! Also viel zu aufwendig und kostspielig, für einen Dumme-Jungen-Streich. Dann doch von Beginn an eine gezielte Intrige der lieben Kollegen, um der wissenschaftlichen Reputation Professor Beringers zu schaden? Das wäre in die Binsen gegangen, denn Beringer bleibt angesehen und behält alle Ämter. Und auf die Frage nach dem cui bono gibt es auch keine Antwort, denn es gibt keine offensichtlichen Nutznießer. War es am Ende Beringer selbst, der die Steine angefertigt hatte oder anfertigen ließ?

So bleibt der Skandal um die Lügensteine bis heute rätselhaft.

Diese Schlussfolgerungen kriegen wir im Museum aber nicht fertig serviert, da müssen wir uns selber Gedanken drum machen. Wir grübeln 🤔❓️💭 uns also mit einem Fragenheftchen durch die vier Räume und machen uns selbst ein Bild der komplexen Situation.

Ein tolles und ungewöhnliches Konzept, da kommt vielleicht die Berufsschullehrerin raus. Hoffentlich hält sich das Museum 🙏, es war nicht grad gut besucht wir waren heute nachmittag ganz alleine. Wir drücken die Daumen ✊.

Bis zu unserem nächsten Termin um 17.30 Uhr haben wir noch etwas Zeit und schauen uns das Würzburger Rathaus an.

Das wird meistens mit dem Grafeneckart und seinem Turm gleichgesetzt, der wurde aber ständig erweitert, und heute ist das Rathaus ein ausladender Gebäudekomplex, was man schon daran erkennt, dass es 5 Straßenadressen hat! Der im Ursprung romanische Grafeneckart ist das älteste Gebäude Würzburgs, er wird seit 1316 als Rathaus genutzt. Der Turm mit Feuer- und Stundenglocke wurde im 15. Jahrhundert erhöht.

Um 1650 wurde links davon der Rote Bau mit seiner schönen Renaissancefassade aus rotem Sandstein hinzugefügt.


Hier kann man reingehen und ganz durch das langgestreckte Gebäude hindurch, bis man hinten am dreiflügeligen Hauptbau wieder rauskommt. Der stammt von 1720 und war mal ein Karmelitenkloster.

Im Erdgeschoss des Gräfeneckart ist ein Gedenkraum zur Zerstörung Würzburgs im 2. Weltkrieg eingerichtet. Ein Modell veranschaulicht die katastrophale Zerstörung der Innenstadt durch den Bombenangriff der Royal Airforce in der Nacht des 16. März 1945. Binnen 20 Minuten zerstörten über 1000 Tonnen Bomben die Innenstadt fast vollständig.

Die meisten davon – die Ausstellung nennt die unglaubliche Zahl von 300.000 Stück – waren sogenannte Stabbrandbomben, die die Gebäude nicht in Stücke sprengten, sondern in Brand setzten. Es entwickelte sich ein flächendeckender Feuersturm, der noch in 200 km Entfernung zu sehen war. In der Innenstadt blieben nur 7 Häuser verschont.

Ein amerikanischer Besatzungsoffizier machte den Vorschlag, man solle die Stadt erst gar nicht mehr aufbauen, sondern als Mahnmal im zerstörten Zustand zu belassen. Die Würzburger hingegen bauten ihre Stadt um die weniger beschädigte Infrastruktur der Straßen, Kanalisation und Versorgungsleitungen wieder auf.

Alles was wir heute in der Würzburger Innenstadt sehen, wurde also nach dem Krieg rekonstruiert, mal mehr, mal weniger, meistens mehr.

Wir kommen dann zu einem wesentlich angenehmeren Teil des Abends, nämlich unserem Geburtstags- und Hochzeitstagsessen im Aifach Reisers am Unteren Markt.

Was so schlicht daherkommt ist ein Restaurant des Kochs Bernhard Reiser, der es neben einem inzwischen verfallenen Michelinstern und einer abgelaufenen Fernseh-Kochshow auf einen existierenden Wikipedia-Artikel gebracht hat. Auch wenn der Herr Reiser hier nicht selbst kocht, zumindest nicht heute, hat der schlichte Genusstempel absolute Klasse! Das hat natürlich seinen Preis, aber heute ist uns das egal, wir wählen das 5-Gänge-Überraschungsmenü mit Weinbegleitung für 96 plus 58 Öcken pro Nase. Und das hat sich gelohnt!

Mandarinensorbet, Pistaziencreme, Haselnuss. Riesling Auslese

Es schmeckt alles ganz wunderbar und die Weine sind exzellent. Vier sind aus Franken, doch den Vogel schießt der Italiener ab, ein Valpolicella ripasso aus Venetien.

Ripasso bedeutet, dass der eigentlich fertige Wein mit dem Trester aus der Amarone-Herstellung versetzt wird und ein zweites Mal gärt. Amarone ist quasi eine Trockenbeerenauslese oder „Rosinenwein“, weil die Trauben vor dem Gären 2-5 Monate an der Luft getrocknet werden.

Dermaßen exzellent verköstigt, lassen wir uns von der Straba Nr. 4 nach Hause kutschieren.

Donnerstag, 15. Januar 2026: Hoch hinaus

Am frühen Morgen, so ab 4 Uhr, pladdert Regen auf das HoGo-Dach, doch der hört auf und die Sonne kommt raus. Perfekt für unseren heutigen Plan, die Festung Marienberg zu erklimmen.

Doch zuerst heißt es Frühstücken. Die frischen Brötchen kann man online bestellen, die Traditionsbäckerei Brandstetter liefert sie zum Brötchenautomaten am Stellplatz.

Gut gestärkt machen wir uns dann an den steilen Anstieg zur Festung und wie immer lohnt es sich, denn: Biste oben, kannste runtergucken 😎.

Bereits von der mittleren Aussichtsterrasse hat man einen herrlichen Blick auf die Altstadt.

Von links nach rechts: Neumünsterkirche, Gräfeneckart, Kiliansdom, Residenz

Es geht aber noch weiter den Bersch enuff, durch reich verzierte Portale, vorbei an den Bastionen bis vor das alte Burgtor.

Blick von einer der oberen Aussichtsterrassen
Bergfried im Inneren Hof

So eine Festung ist ja meistens wie eine Zwiebel: Um einen alten Kern werden im Lauf der Jahrhunderte immer weitere, stärkere Befestigungen gebaut. So auch hier: Die Kernburg, von der der Bergfried noch erhalten ist, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Sie war mit einer Ringmauer und Gräben verstärkt.1253 wurde diese Burg Residenz der Würzburger Fürstbischöfe. Seit ihnen Barbarossa 1168 die Herzogswürde verliehen hatte, hatten sie die kirchliche und weltliche Macht über das Bistum Würzburg inne.

Im Bauernkrieg 1525 konnte die Marienburg der Belagerung durch die Aufständischen standhalten, deren Haufen unter der Führung von Florian Geyer und Götz von Berlichingen sich auch die Bürger der Stadt mit ihrem Bürgermeister Tilmann Riemenschneider angeschlossen hatten. Es gelang ihnen aber nicht, der Burg nennenswerten Schaden zuzufügen, die Verteidiger hingegen beschossen die Brücke und die Stadt, was einen deutlich größeren Effekt hatte. Nicht zuletzt, weil zu ihren Verbündeten auch die Erdanziehungskraft gehörte, Kanonenkugeln fliegen nun mal besser von oben nach unten. Der Ritter mit der eisernen Hand hatte sich übrigens beizeiten aus dem Staub gemacht.

Ab 1573 ließ Fürstbischof Julius Echter die Burg zu einem respräsentativen vierflügeligen Renaissanceschloss um- und ausbauen, wobei ihm der Umstand von 2 vorherigen Großbränden sicherlich ganz gut in den Kram passte.

Echters Wappen findet man noch heute über fast jedem Portal: der Fränkische Rechen des Herzogs von Franken, das Würzburger Rennfähnchen für das Bistum und das Familienwappen der Echters, drei Ringe. Echter war ein großer Wohltäter der Stadt (Juliusspital), aber auch ein strammer Gegenreformator und Befürworter der Hexenverfolgungen. Er starb 1617.

1631 kamen dann die Schweden, klauten Echters Hofbibliothek (die ist heute in Uppsala), zerstörten aber die Anlage nicht, denn sie waren gekommen, um zu bleiben. Der Tod König Gustav Adolfs 1632 und darauf folgende militärische Niederlagen änderten aber die Pläne. 1635 wurde die Festung an den Würzburger Bischof zurückgegeben.

1641 erhielt die Marienburg dann einen neuen Schlossherrn, Johann Philipp von Schönborn. Die Schönborns sind in Mainz ja wohlbekannt, sie hatten zahlreiche hohe Ämter inne und stellten immer mal wieder auch hohe kirchliche Würdenträger, unter anderem 3 Kurfürsten (2x Mainz, 1x Trier). In Würzburg gab es drei Fürstbischöfe: Den genannten Johann Philipp, der auch Mainzer Kurfürst war, 1716 Johann Philipp Franz und 1729 Friedrich Karl.

Die Familie Schönborn gibt es ja immer noch, sie halten auch nicht hinter dem Berg sondern präsentieren sich auf einer schönen Homepage.

Die Schönborns und ihre fürstbischöflichen Kollegen (erblich war das Amt aufgrund des Zölibats ja nicht) bauten das Schloss dann zu einer barocken Festungsanlage um und aus. Nach dem Vorbild der Vaubanschen Festungsbauten erhielt die Anlage Bastionen, Kurtinen, Poternen und was so dazu gehört. 10 Kilometer unterirdische Gänge und 12 Kilometer Mauern schützten die Festung Marienburg und die Stadt.

Seit 3 Jahren ist die Festung Marienberg eine riesige Baustelle: Bis 2032 soll sie kernsaniert sein. Ob das zeitlich hinkommt wagen wir zu bezweifeln. Zumindest haben wir auf dem Gerüst niemanden arbeiten gesehen und nur einen hämmern gehört. Die Chinesen würden wahrscheinlich 2000 Mann da hinstellen und zack – isses fertig.

Eigentlich beginnen wir den Besuch aber nicht mit der Besichtigung der Festung, sondern mit dem Besuch im Museum für Franken, das im Südflügel untergebracht ist. So richtig viel Zeit bleibt uns dafür nicht und außerdem gibt es hier einen schönen Labcache des Geoheimnisträgers (der mit den Globetrotter-Labs), den wir unbedingt spielen möchten.

Aber da wir ja eh Kunstbanausen sind, reicht uns der Schnelldurchgang. Für die Abteilung mit Werken von Tilman Riemenschneider nehmen wir uns aber doch etwas mehr Zeit.

Riemenschneider wurde um 1460 in Thüringen geboren. Was ihn zu einer Bildhauerlehre trieb ist unbekannt – der Vater war Münzmeister, also Verwaltungsbeamter – und auch wie er nach Würzburg kam ist unbekannt. Er heiratete 1485 in Würzburg die Tochter eines dortigen Goldschmiedemeisters, die 3 Söhne und ein stattliches Anwesen mit in die Ehe brachte. Zack – erhielt Tilman Bürgerrechte und einen Meistertitel. Status und Vermögen machen’s möglich, das ist ist heute noch so (geht inzwischen auch anders, ist aber weitaus schwieriger). Nach weiteren drei Ehefrauen war er ein gemachter Mann, Zunftmeister, Besitzer mehrerer Häuser, Grundbesitzer mit eigenen Weinbergen und angesehener Meister einer florierenden Werkstatt. 

Außerdem war er ein politischer Mensch, wurde Ratsherr und 1521 sogar Bürgermeister, vertrat also die Interessen der Bürger gegenüber dem Fürstbischof. Der Hauch der Reformation wehte über das Land, und die Bauern forderten ganz konkret die von Luther postulierte „Freiheit eines Christenmenschen“ ein – auch wenn der das anders verstanden hatte, eher so transzendental 😇. Riemenschneider und mit ihm der ganze Rat der Stadt schlossen sich den Bauernaufständen an.

Das ging leider schlecht für sie aus, sie wurden besiegt und mehrere Wochen in der Marienburg eingekerkert. Angeblich habe man Riemenschneider dort die Hände gebrochen, so dass er danach nie mehr arbeiten konnte. Aber dafür gibt es keine Beweise. Fakt ist, dass er gegen Zahlung der Hälfte seines Vermögens freigelassen wurde. Er verlor seine Ämter und erhielt auch keine größeren Aufträge mehr.
Er starb 1531 und wurde auf dem Friedhof zwischen Dom und Neumünsterkirche begraben. Man fand dort 1822 seine Grabplatte.

Das Museum hat natürlich Hunderte, wenn nicht Tausende Exponate, aber den Rest schenken wir uns hier.

Am End finden wir natürlich die Schatzkiste des Labcaches (obwohl der eigentlich gar keine Kiste haben sollte) und ergattern ein paar Souvenirs.

Dann heißt es fix zur Burgführung durchstarten. Mit unserer sehr munteren Burgführerin (hauptamtlich angestellt bei der staatlichen Schlösserverwaltung Bayerns) geht es zur Baustellenbesichtigung. Da hab ich ja vieles schon eingangs erzählt, hier nur noch ein paar Highlights*. Dazu gehört das Bassin mitten im vorderen Burghof: Es sieht aus wie ein veritabler Renaissance-Pool und ist es irgendwie auch, aber nicht für Menschen: Es ist eine Pferdeschwemme, die Julius Echter hier installieren ließ. * Ein sehr ausführlicher Rundgang ist hier beschrieben.

Die Burg ist in der Tat eine riesige Baustelle und wir müssend einen Umweg außenrum nehmen, um überhaupt in den inneren Burghof zu kommen.

Dort steht die älteste Kirche Würzburgs, die Marienkirche, deren Ursprünge auf das Jahr 706 zurückgehen. Davon sieht man aber nichts mehr, sie wurde mehrfach neu- und umgebaut. Ohne Baustelle sieht sie so aus:

Drinnen findet man sehr viele Fragmente von sehr vielen Heiligen in den Reliquienschreinen der Seitenkapellen und mittig die Gedenkplatten (Epitaphe) einiger Fürstbischöfe.

Der kleine Rundbau neben der Marienkirche ist das Brunnenhaus. In 100 Meter Tiefe sieht man den Wasserspiegel, der sich bewegt, weil hier – so unsere Guide – zwei Quellen aufeinandertreffen. Kann ich eigentlich nicht glauben, das wäre ja ein irrer Zufall, genau die Stelle anzubuddeln, aber sei’s drum.

Wir gehen dann noch durch ein paar Gänge innerhalb der Befestigungsmauern, bis wir im Barockgarten wieder das – inzwischen schwindende – Tageslicht erreichen.

Mit diesem Blick auf Würzburg verabschieden wir uns von der Festung und machen uns auf den Rückweg.

Freitag, 16. Januar 2026: Residenz und Brückenschopppen

Auch am Freitag haben wir wieder viel vor, als erstes gilt es das Weltkulturerbe Würzburgs zu besichtigen, die Residenz.

Wir kommen von der Seite auf den Residenzplatz und ich bin empört, dass man den Platz vor dem Schloss als Parkplatz nutzt. Na gut, mittig halten sie es frei, da bin ich versöhnt.

Aerial image of Würzburg Residence (view from the east). Von Carsten Steger – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=152662714
Residenz mit Frankoniabrunnen. Zu Füßen der Patrona franconiae hocken Tilman Riemenschneider, Walther von der Vogelweide und Matthias Grünewald

Mein nächster Kritikpunkt: Die Fassade sieht etwas schäbig aus! Ich mutmaße, die Residenz gehöre angestrichen, was auf Nachfrage später die Führerin verneint. Die KI (Gemini) meint auf meine Frage „War die Residenz ursprünglich angestrichen“, ja, sie sei ocker getüncht gewesen und nach dem Krieg hätte man das geändert. Frage ich aber: „Warum ist die Residenz nicht angestrichen?“ erhalte ich zur Antwort, das gehöre so, der Muschelkalk gelte als edel und im Barock hätte man Sichtmauerwerk bevorzugt. So, jetzt kann ich mir aussuchen, was stimmt. Quellenangaben liefert Gemini natürlich nicht! Nun gut, bei genauerer Betrachtung kann man das mit der Fassade ohne Anstrich so lassen. Sieht bei Sonnenschein wahrscheinlich hübscher aus.

Detail aus dem Weißen Saal

Ab dem Zeitalter des Sonnenkönigs (1638-1715) wurde das Wohnen auf der Marienburg allmählich unmodern. Mehr als das: Es war für einen absolutistischen Herrscher ganz und gar nicht mehr standesgemäß. Schloss Versailles war das Maß aller Dinge und der absolute Anspruch des von Gott gewollten Herrschers sollte sich in allem widerspiegeln, auch in seiner Behausung. Allerorten entstanden barocke Stadtschlösser und Residenzen (siehe unser Besuch in Ludwigsburg), zumindest aber repräsentative Adelshöfe in den Städten.

In Würzburg dauerte es bis 1720, bis es Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn leid war und einen Neubau in Auftrag gab.

Als Architekt erkor der Fürstbischof den damals 33-jährigen Balthasar Neumann. Der war Hauptmann der Artillerie und Bauingenieur (man konnte damals nur im Militär die Laufbahn als Ingenieur oder Architekt einschlagen) und ihm von seinem Onkel, dem Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn, empfohlen worden. Ein guter Rate, denn Neumann sollte einer der bedeutendsten Baumeister des süddeutschen Barocks werden.

Der frisch gebackene Baudirektor machte sich also 1720 an die Arbeit, seinem Dienstherrn eine schicke neue Residenz zu bauen. Doch gut Ding will Weile haben, am End war alles erst 1780 fix und fertig. Man ahnt es schon: Der Bauherr JPF hatte nichts davon, gar nichts genaugenommen, denn er starb bereits 1724.

Sein direkter Nachfolger war etwas sparsamer getaktet, so ging es mit dem Bau erst 1730 unter seinem Bruder Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, wieder weiter. An Silvester 1744 war der Rohbau des Gesamtgebäudes vollendet und man hatte innen auch schon etwas hergerichtet. Wurde auch Zeit, denn Friedrich Karl war nicht mehr der jüngste, er war da schon 70 Jahre alt.

Er bezog seine neue Wohnung im Südflügel, ließ dort die Hofkirche einrichten und das Spiegelkabinett und den Weißen Saal fertigstellen. Bei der Gestaltung der Deckenfresken erlitt er aber Schiffbruch, er fiel auf einen Hochstapler rein: Ein gewisser Giuseppe Visconti hatte ihm wunderschöne Entwürfe vorgelegt und erhielt den Auftrag. Allerdings waren die Vorlagen nicht von ihm und die Umsetzung dilettantisch. Der Betrüger wurde verjagt und die begonnenen Fresken von der Decke abgeschlagen. Fresken werden ja auf feuchten Putz gemalt und die Farben ziehen tief ein, das kann man nicht übermalen, das muss mitsamt Putz wieder runter.

Das erwähnte Spiegelkabinett zählt auch heute noch zu den prächtigsten und kostbarsten Einrichtungen der Residenz. Die gesamte Wandfläche ist verglast, verspiegelt und mit Gold und Hinterglasmalerei dekoriert. So eine Art Würzburger Bernsteinzimmer ohne Bernstein.

Panoramaaufnahme, verzerrt, aber es gibt den Eindruck wider.

Dagegen wirkt der Weiße Saal fast schlicht:

Mit Betonung auf fast, vor allem, wenn man sich die Stuckarbeiten anschaut. 4 Stukkateure unter Führung des italienischen Meisters Antonio Bossi stellten die Arbeiten in nur 9 Monaten fertig.

Wie dem auch sei, auch Friedrich Karl hatte nicht viel von seiner schicken neuen Bleibe, er starb 1746.

1749 wurde dann unter Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads (ja, die aus dem Rheingau!) der Innenausbau vorangetrieben. Er engagierte wieder Bossi für den Stuck und einen weiteren Italiener, den Venezianer Giovanni Battista Tiepolo, damals schon ein berühmter und sehr teurer Künstler. Tiepolo der schuf im Treppenhaus binnen 14 Monaten (1750–1753, nur wenn es warm genug war!) auf 700 Quadratmetern Fläche das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt.

Die ankommenden Besucher fahren bis in das Vestibül, wo die mehrspännige Kutsche ohne weitere Manöver drehen und wieder ausfahren kann. 

Dann empfängt das Treppenhaus die Gäste, die wie auf einer Bühne die flachen Treppenstufen hinaufschreiten (was mit Hofzeremoniell über eine Stunde in Anspruch nehmen konnte), während sich über ihren Köpfen nichts weniger als die gesamte Welt unter dem Götterhimmel ausbreitet.

Gesamtansicht
Von Myriam Thyes – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51452371

Man schreitet rechts und links zunächst auf Europa zu, lasziv dahingestreckt neben dem Stier. Das Medaillon mit dem Bild des Hausherrn Carl Philipp von Greiffenklau macht klar, wem das alles hier gehört. Balthasar Neumann ist abgebildet: der Mann mit Hund, in Uniform auf dem Kanonenrohr. Er erlebte die Fertigstellung des Freskos noch mit, starb kurz darauf. Tiepolo verewigt auch Bossi – den Herrn rechts, im großen Cape, der dem Betrachter in die Augen blickt – egal wo man steht. Ihn selbst findet man zusammen mit seinem ältesten Sohn in der linken Ecke.

An den anderen Seiten sehen wir die allegorischen Frauenfiguren Afrika, auf einem Kamel, Amerika auf dem Krokodil und Asien auf dem Elefanten. Die Figuren in den Ecken sind plastisch und treten aus der Szenerie hervor. Auch die Malerei wirkt durch Schatten und Perspektive oft täuschend dreidimensional.

Balthasar Neumann erlebte die Ausgestaltung und Fertigstellung des Treppenhauses noch mit, starb aber kurz darauf.

Gleichzeitig entstand der Kaisersaal, der größte und prächtigste Saal für Feste und Bankette. Kaisersaal wegen Friedrich Barbarossa, der Thema der Ausgestaltung ist.

Marmorboden und Säulen aus Stuckmarmor, der noch teurer ist als der echte.

Auch hier ziehen Tiepolo und Bossi alle Register und kombinieren Malerei und Stuck zu einem grandiosen dreidimensionalen trompe d’œil.

Es wurde dann noch das ein oder andere eingerichtet und gestaltet, bis 1780, nach 60 Jahren und 7 Fürstbischöfen, die Residenz endgültig vollendet ist.

Man könnte jetzt hier Hunderte von Bildern einstellen, 40 Räume kann man besuchen, Vorzimmer, Audienzzimmer, Kabinette, Gästezimmer, Schlafräume und Ballsäle. Statt dessen nur eine kleine Auswahl:

Die Fürstbischöfe residieren hier nur für 22 Jahre, dann stellt Napoleon die politische Ordnung Europas auf den Kopf. Er erobert alle linksrheinischen Gebiete und lässt – damit Ruhe herrscht – im Reichsdeputionshauptschluss von 1803 die weltlichen Fürsten für die Gebietsverluste entschädigen, indem er die Kirche enteignet. Der säkularisierte Kirchenbesitz wird an die Landesherren verteilt. Vorbei ist es mit Klöstern, Bistümern und erst recht mit Fürstbischöfen. Man nimmt zunächst, was einem zugesprochen wird, doch in der Folge entsteht ein reger Tauschhandel zwischen den Landesherren, um die Gebietsverschiebungen zu optimieren. Würzburg und seine Residenz werden zunächst bayerischer Besitz, die Bajuwaren tauschen es aber schon 1806 gegen Tirol ein. Die Habsburger als neue Besitzer setzen Ferdinand III. als Großherzog in Würzburg ein, dem ist nämlich sein Herzogtum Toskana in den politischen Wirren abhanden gekommen und er braucht was Neues. Ferdinand, der verständlicherweise eher widerwillig umzieht, kommt als alleinerziehender Vater. Für seine drei Kinder, lässt er ein Karussell installieren – ein absoluter Hingucker und pädagogisch „wertvoll“! Es geht nicht nur einfach rund, man kann Ringstechen üben und sogar der Büste eine Pappnase abschlagen, die aus dem Fundus ersetzt wird.anschaut

Mit dem Wiener Kongress erhält Ferdinand die Toskana zurück, Würzburg wird wieder gegen Tirol zurückgetauscht und ist (und bleibt) nun bayerisch.

In den nächsten 112 Jahren nutzen die Wittelsbacher, die nun Könige sind, die Residenz als Ferienhaus. Oder Zweitwohnsitz. Mit der Degradierung vom Königreich zum Freistaat Bayern 1918 geht die Residenz in dessen Besitz über und dient fortan als Verwaltungs- und Museumsbau.

Und dann kommt der 16. März 1945, die Royal Air Force legt einen Bombenteppich über Würzburg. Nicht, um gezielt militärische Einrichtungen zu zerstören, sondern um die Stadt dem Erdboden gleich zu machen und so die Bewohner und die Wehrmacht zu demoralisieren. Das wird heute ja durchaus auch kritisch diskutiert. Das Bombardement ziviler Ziele würde heute wohl als Kriegsverbrechen eingestuft werden, der militärische Nutzen war zumindest fraglich. Es ist wohl mal wieder die alte Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Klar ist aber, dass die Hauptverantwortung für Krieg und Zerstörung beim Naziregime liegt.

In dieser Nacht wird die Residenz schwer beschädigt. Zum Glück bleiben die großen, steingewölbten Räume verschont: Über Vestibül, Treppenhaus, Weißem Saal und Kaisersaal liegen die Gewölbe ohne Dächer frei, aber sie halten! Der Rest brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Mit den amerikanischen Bodentruppen kommt am 5. April 1945 auch der Monuments Man John Davis Skilton und sorgt für eine sofortige provisorische Abdeckung mit Zeltplanen. Ein halbes Jahr nach der Zerstörung überdeckt ein Notdach die Gewölbe. Die Fresken von Tiepolo in Treppenhaus und Kaisersaal und die Stuckdekoration von Bossi im Weißen Saal werden gerettet.

Möbel, Wandteppiche, Gemälde, Lüster, Spiegel, auch Holzvertäfelungen, hatte man vorher in Sicherheit bringen können.

Die Wiederherstellung der Residenz dauert bis 1987, letzter Raum ist das Spiegelkabinett, von dem nur wenige Fragmente übrig waren: die Spiegel waren so fest mit der Wand verbunden, dass man sie nicht hatte abmontieren können.

1981 wird die Residenz als drittes Bauwerk Deutschlands in die Liste des UNO Welterbes aufgenommen – nach dem Aachener Dom und dem Dom zu Speyer.

Wir statten nach einer ausgiebigen Besichtigung noch der Hofkirche eine Stippvisite ab (auch sie hat den Krieg halbwegs unbeschadet überstanden), dann reicht es uns aber mit Barock und Rokoko!

Wir schlendern dann noch auf den Spuren eines Geocaches in der Stadt herum – das kriegen wir aber morgen alles nochmal – und treffen uns um 15:30 Uhr vor der Touri-Info mit Claudia zum Brückenschoppen.

Claudia ist eine von 170 Würzburger Guides, die zumeist freiberuflich arbeiten und die etwa 13 Millionen 😲 Tagesgäste durch die Stadt führen. Heute sind wir aber die einzigen, die sich zum Brückenschoppen angemeldet haben – also eine sehr exklusive Führung!

Der Brückenschoppen ist eine sehr beliebte Tradition Würzburgs, allerdings eine recht neue, denn erst in den 1990er Jahren wurde es üblich, als „sundowner“ ein Glas Wein auf der alten Mainbrücke zu trinken.

Das ist bei Einheimischen wie Touristen, jung und alt inzwischen sehr beliebt: Man kauft den Wein bei der Alten Mainmühle oder nebenan bei MainWein, das Glas gibt es für 5 Euro Pfand, und nach einem Glas ist auch Schluss. Inzwischen artet das aber im Sommer teils zu einem Massenevent aus, die Leute bringen ihren Wein mit, Essen, Musik, und bleiben die ganze Nacht. Ich muss an das Mainzer Marktfrühstück denken, das ja auch von einer gemütlichen Angelegenheit zu einer Massenveranstaltung entartet ist.

Kilian mit mahnend erhobener Hand?

Heute ist es aber ganz kuschelig und wir haben viel Spaß mit der lebhaften und witzigen Claudia (und sie mit uns 🤩).

Mit zwei Bocksbeuteln als „Beute“ kehren wir dann zum HoGo zurück.

Dort hat sich zwischenzeitlich ein neuer Nachbar eingefunden, der sein ältliches Wohnmobil als 5 Sterne-Luxusliner ausgibt. Finde den Fehler 😂.

Samstag, 17. Januar 2026

Allmählich neigt sich unser Aufenthalt in WÜ dem Ende zu. Heute heißt es für unsere Verhältnisse früh aufstehen, denn um 10:30 Uhr ist Stadtführung angesagt. Wir sind zwar schon fast überall gewesen, aber mit einer kundigen Führung erfährt man eigentlich erst, was man da so gesehen hat. Zum Beispiel, dass es in Würzburg keine Fachwerkhäuser gab. Die fielen mehreren Stadtbränden zum Opfer (der verheerendste schon 1349 während der Pest). Später machte der Stadtrat ein Angebot, dass man nicht ausschlagen konnte: Wer in Stein baute, erhielt elf Jahre Steuerfreiheit.

Als erstes gehen wir in den Kiliansdom! Auch er wurde im Krieg schwer beschädigt und beim Wiederaufbau entschied man sich, auch moderne Elemente in die Gestaltung einzubeziehen. Alles was unwiderruflich kaputt war, hat man entweder im ursprünglichen romanischen Stil oder modern rekonstruiert. Der Rest, zumeist Barock, wurde restauriert.

Man betritt den Dom durch ein modernes Portal, das die Schöpfungsgeschichte darstellt. Es stammt von Fritz Koenig, einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts – uns Kunstbanausen natürlich völlig unbekannt 🙈. Oben mittig die Hand Gottes, darunter die Erschaffung der Elemente, Tag und Nacht, Pflanzen und Tiere bis hin zu Adam und Eva. Irgendwo unten in dem Gewusel der Sündenfall die Vertreibung aus dem Paradies durch den Erzengel Michael. 

Durch die Schöpfung betritt man den zunächst dunklen Innenraum, wo eine Menorah als Zeichen des Alten Testamentes steht. Bischofsgräber repräsentieren das Mittelalter. Über den modernen Altar (Gegenwart) blickt man in die hell erstrahlende Apsis in die Zukunft.

An das Westwerk hat man direkt Häuser angebaut – schön ist das nicht, war aber vermutlich immer schon so bzw. dem innerstädtischen Platzmangel geschuldet. Gebaut wurde der Dom von Bischof Bruno ab 1040. Der stand in Konkurrenz zu seinen Kollegen in Speyer, Worms und anderswo und wollte in der gleichen Liga spielen. 105 Meter – das war sein Ziel. Und weil so ein langer Dombau lange dauert, länger als (s)ein Menschenleben, ließ er den Bau vorne und hinten gleichzeitig beginnen, damit keiner nach seinem Tod den Rotstift ansetzt und das Kirchenschiff verkürzt.

Dem Hl. Kilian wurde der Dom aber erst 1967 nach dem Wiederaufbau geweiht, vorher war er ein Andreasdom.

Dem Heiligen Kilian und seinen Kumpels Kolonat und Totnan sind wir schon in Miltenberg in der Whiskybrennerei begegnet. Es sind die „Frankenapostel“, die 686 aus Irland rüberkamen um die Franken zu christianisieren. Das klappte auch ganz gut, allerdings war das umfangreiche Regelwerk der neuen Religion nicht jedem bekannt: Der fränkische Herzog Gosbert heiratete nämlich Gailana, die Witwe seines verstorbenen Bruders, was nach den Statuten der Kirche damals verboten war. Auf Drängen Kilians löste er die Verbindung und ließ Gailana sitzen. Das fand die gar nicht gut, wurde wütend und ließ Kilian ermorden. Und die beiden anderen gleich mit. Als man später bei Bauarbeiten neben dem Dom auf Gebeine stieß, wurden diese zu Reliquien der inzwischen flugs heiliggesprochenen Märtyer erklärt. Heute liegen die Schädel in einem Schrein im Altar des Kiliansdoms 💀💀💀, der Rest in der Krypta der Neumünsterkirche nebenan. Aber auch die Paderborner rühmen sich, einen Schädel Kilians zu besitzen. Welcher nun der echte ist – ma waas es net. Es gibt ja so einige Heilige, die man mehrfach zusammensetzen könnte, Maria Magdalena zum Beispiel oder Johannes den Täufer.

Auch der Neumünsterkirche statten wir einen Besuch ab. Das ist die mit der Kuppel gleich neben dem Dom. Eigentlich auch eine sehr alte Kirche, wurde aber komplett barockisiert. Innen wurde sie bei der letzten Renovierung 2009 mit modernen Gemälden ausgestattet,

Im Lusamgärtchen neben der Neumünsterkirche ist ein Rest des schönen Kreuzgangs erhalten.

Außerdem findet man dort das modern gestaltete Grab von Walther von der Vogelweide. Er soll angeblich verfügt haben, dass man an seinem Grab die Vögel füttern soll, so gibt es darauf vier Schalen und tatsächlich hat jemand Körner für die Vögel ausgestreut.

Wir haben dann noch viel Zeit bis zum allerletzten Programmpunkt um 19 Uhr und vertreiben sie mit Geocachen. Aber erst mal Aufwärmen im Wirtshaus Holzapfel, an dem wir schon ein paar mal vorbeigelaufen sind. Das ist noch ein echtes „Bäck“, ein einfaches Gasthaus, wo man sein Essen selbst mitbringen darf. Nebenan war früher die Universitätsfrauenklinik mit der Entbindungsstation. Die werdenden Väter hielten sich bis nach der Niederkunft in der Gaststätte Holzapfel auf, die ergo den Namen „Nabelschnur“ erhielt.

Es ist innen drin so richtig urig, eng und total altmodisch, nur einheimische Stammgäste und die günstigsten Preise!

Für den Geocache müssen wir dann zum Bürgerspital, wo ein Glockenspiel zur vollen Stunde mit bewegten Figuren eine Prozession und einen Winzerzug darbietet. Ich will besonders clever sein und nicht bis zur vollen Stunde warten, also frage ich Gemini nach der Anzahl der Personen und kriege auch eine sehr überzeugende Antwort. Die stellt sich leider – mal wieder – als völliger Blödsinn heraus! Es sind nicht 8 und 5, sondern 13 und 11!!! Man kann dieser KI nichts glauben! Es bleibt uns also nichts übrig, als zu warten und selbst zu zählen.

Mittlerweile habe ich mir schweren Herzens ChatGPT heruntergeladen, das scheint ehrlicher zu sein und gibt zu, dass es keine Antwort findet.

Dafür belohnen wir uns nach dem Fund in der auch zu diesem Spital gehörenden Vinothek, die mit recht überzeugenden Thesen zum Thema Schenken lockt.

Drinnen kriegt man aber nichts geschenkt, vor allem Volker lässt es krachen und berappt stolze 15 Euro für seinen – zugegebenermaßen großartigen – Spätburgunder vom Stein, der Würzburger Top-Lage.

Nach einem schnellen Abendessen im Sternbäck geht es dann zum Rathaus, wo uns der Nachtwächter zur Führung abholt. Wir lernen auch gleich noch seine Zahnärztin kennen, die zum hiesigen Faschingsadel gehört.

Merke: Würzburg ist kein Ort für eine Fastnachtsflucht – katholisch halt!

Die Führung ist überaus witzig, vor allem der Crashkurs in Fränkisch ist überaus lustig. Der fränkische Plural: Ein Hund – zwei Hünd oder in der unregelmäßigen Form: Ein Brot – zwei Bröter. Wobei, eigentlich Bröder, denn der Frangge sprichd alle Gonsonanden weich aus: P wie Babier, T wie Düdde (Tüte), K wie Gaddong (Karton). Mehrzahl: Gaddöng 🤣. Ausnahme: Garage spricht man: Karraasch. Und der Hit: Bei der Bolizei gibts die Dääderdaddei. Großartig!

Und auch der Nachtwächter kann uns noch etwas Neues zeigen, nämlich ein Relief an der Marienkriche, das auf seine ganz eigene Art die unbefleckte Empfängnis Mariens bildlich umsetzt: Aus dem Mund von Gottvater geht ein Schlauch in Marias Ohr und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man an dem Schlauch das Jesuskind bäuchlings herunterrutschen. Die Ohrempfängnis, so scherzen die Würzburger. „Amore“ meint unser Nachtwächter – ein Witz, der seine Zeit braucht 🤣.

Und mit dieser schönen Führung schließen wir unseren Besuch in Würzburg ab.

Absolut eine Reise wert und irgendwie finde ich dass Mainz dagegen ziemlich ab“kackt“. Vor allem im gastronomischen Bereich. Vielleicht ist das ein Fehlurteil oder ein Vorurteil, aber wie oft wollten wir nach einer Stadtführung in Mainz einkehren und entweder war die Woistubb geschlossen oder proppenvoll.

Am Sonntag machen wir auf dem Heimweg noch einen Abstecher nach Veitshöchheim, in die Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe. Hier war vor allem Platz für einen schönen Rokokogarten, den wir uns in seinem Winterkleid anschauen.

Auch ein Gemüsegarten gehört dazu
Chinesische Schmuckgänse
Großer Teich mit Wasserspielen. Druckbehälter ist der Turm im Hintergrund
Blickachsen
Sehr viele Obstbäume gibt es, interessant gestutzt in Kesselform. Optimaler Platz/Licht für süße Früchte
Exotik darf nicht fehlen
Ein Highlight: Das Grottenhaus

Von Veitshöchheim geht es dann stracks nach Hause.

Schee war’s mal wieder und ich nehme mir ein über’s andere Mal vor, häufiger einen Ausflug oder ein „Kurzwech“ zu machen, statt zu Hause rumzuhängen.

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