14. bis 18. Februar 2026: Geocachen in Büdingen und Nidderau
Die Sache mit der Fastnachtsflucht sind wir dieses Jahr etwas halbherzg angegangen: Die Familie, allen voran Sohel, wünschte sich, beim Umzug in Kostheim dabei zu sein. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen und hatten auch viel Spaß.
Wobei das Kind immer noch rätselt, warum einmal im Jahr mit Helau und Humbatätärä Süßigkeiten auf die Straße geworfen werden 🤔.

Aber am Sonntag hält uns nix mehr, um 15 Uhr heißt es: Abfahrt Ganoven 🚐💨.
Unser „Endziel“ (darf man das sagen 🤔) ist der Geocache Trutz von Tezelenheim in Nidderau am Aschermittwoch. Den Termin hatte ich vor ein paar Monaten ergattert. Da Nidderau aber nicht für einen längeren Aufenthalt taugt, weder touristisch noch geocachologisch, habe ich nach einigem Suchen Büdingen als erste Station des kleinen Wech ausgesucht. Hier gibt es alles, was unser Herz begehrt: Eine hübsche Altstadt, genug Geocaches und einen WoMo-Stellplatz.


Den Sonntag-Abend verbringen wir im HoGo mit Polizeiruf und Miosga und lassen uns über Nacht einschneien ❄️.
Am Rosenmontag präsentiert sich Büdingen wie gewünscht als 100% pappnasenfreie Zone. Nichts, aber auch gar nichts, erinnert an Fassenacht. Noch nicht mal ein Konfetto (heißt das so?) geschweige denn eine Luftschlange 🚫🎉 bekommen wir zu Gesicht. Es verwundert uns nicht zu erfahren, dass Büdigen eine Hochburg der Calvinisten war – die waren/sind ja besonders spaßbefreit. Zwar gibt es den BCC, den Büdinger Carnevals Club, doch wer hier in Oberhessen Fastnacht will, der muss nach Düdelsheim.
Büdingen hat 16 Stadtteile und insgesamt ca. 23.000 Einwohner. Es gehört zum Wetteraukreis mit dessen Verwaltungszentrum Friedberg. Daher haben die Autos entweder FB oder BÜD als Kennzeichen. Größter Arbeitgeber ist die Firma Exide Technologies, ehemals „Accumulatorenfabrik Sonnenschein“, die bauen und recyceln Bleiakkus. Es gibt alles was das Herz begehrt: ein Krankenhaus, Schulen aller Art, Sortanlagen inkl. Hallenbad und Freibad, Kneippanlage und Minigolf für umme. Außerdem eine Touri-Info sowie 6 Museen, die alle heute geschlossen sind weil a) Montag und/oder b) Winter ist. Und es gibt am Marktplatz eine öffentliche Toilette, piccobello sauber und für umme. Leider keine Selbstverständlichkeit und daher hier erwähnenswert.
Man sieht, dass dasa mal wieder eine der Kleinstädte mit hohr Lebensqualität ist, die in so mancher Großstadt heute verloren geht: Kein Geld, zu viele Menschen auf zu engem Raum und Anonymität die in Gleichgültigkeit mündet. Das ist hier ganz anders!
Wir schlendern nach dem Frühstück in die ca 1km entfernte Altstadt und bekommen unterwegs schon einen Eindruck vom Fachwerkstädtchen und seiner Stadtmauer.


Der Fluß heißt mal wieder falsch – es nicht nicht die Büde, sondern der Seemenbach. Der trieb früher die Schloß- und andere Mühlen, lieferte Wasser für den Graben um das (Wasser-)Schloß und man konnte den Graben vor der Stadtmauer damit fluten. Außerdem überschwemmte er regelmäßig die Stadt, wie viele Hochwassermerken zeigen.


Wir spazieren als erstes einmal um die imposante Stadtmauer herum: Auf 2 Kilometer verteilen sich 22 Wehrtürme. Wir fragen uns, warum diese kleine Stadt solch eine monumentale Befestigung brauchte?
Wir fragen auch die Dame im Tourismusbüro. Antwort: Weil sie es (bezahlen) konnten!
Am Anfang war im 12. Jahrhundert das Schloß, damals ein Wasserschloß und die obligatorische Mauer drumherum und um die Altstadt (im Plan oben Bildmitte). Herren waren die Grafen zu Ysenburg-Büdingen. Die Altstadt wurde im 14. Jahrhundert zu eng und man baute eine Neustadt (links). Beide wurden im 15. Jahrhundert zusammengelegt und bekamen danach einen neuen Mauerring mit Wassergraben. Praktischerweise half der Mainzer Kurfürst Diether von Isenburg-Büdingen seiner Verwandtschaft bei der Finanzierung.





Dass die Stadtmauer nicht wie anderenorts abgerissen und als Baumaterial verwendet wurde, haben wir Fürst Ernst Casimir und seinem Hofbaurat Melior zu verdanken. DIe entschieden sich 1850 dagegen.

Das Schloß wird noch heute von der Grafenfamilie bewohnt. Hausherr ist Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg-Büdingen (*1936).






Der äußere Bereich des Schlosses ist ein Hotel, laut booking.com kann man hier in rustkal-historischem Ambiente für ca. 170 Öcken/Nacht logieren. Frühstück inklusive. Das Preis-Leistungsverhältnis kriegt abr nur 6,8 Sterne. Nun ja, so ein Fürst muss ja sehen, dass Geld reinkommt. So kann man auch den inneren Bereich zwischen März und Oktober gegen eine geringe Gebühr besichtigen.
Neben dem Schloss werfen wir einen Blick in die evangelische Marienkirche, einst eine Kapelle (1367), dann Residenzkirche der Ysenburger (1491), heute evangelische Pfarrkirche. Der Turmhelm ist von 1777.


Nun wird es aber wirklich Zeit, durch die Gassen der Altstadt zu schlendern.
Allerdings bremst uns das Café Hexenhäuschen aus das gegen eine – wenn auch stattliche – Gebühr gar wunderbare Kuchen kredenzt. So diese Dreierlei-Schoko-Torte (nein, nicht triple chocolate!) für vier Euro achtzig. Sie war es wert!


Alt- und Neustadt von Büdingen präsentieren sich als wunderschönes Fachwerk-Ensemble, ab und an ist ein rein steinernes Haus dabei – das heißt dann auch „Steinernes Haus“ und diente dem steinreichen Grafen als Stadtresidenz, wenn es ihm auf der Ronneburg zu ländlich wurde.





Die meisten Häuser haben erst ab dem 1. Stock Fachwerk, unten sind sie aus dem örtlichen roten Sandstein errichtet: Brandschutz!
Neben Alt- und Neustadt gibt es noch die Büdinger Vorstadt, die sich jenseits des Jerusalemr Tor erstreckt. Sie wurde ab 1712 erbaut und bot vielen Glaubensflüchtlingen – Hugenotten und Waldensern – eine Heimat.

Zudem fällt – zumindest mir – auf, dass der/die/das Büdinger viel Sinn für Details und Schnickschnack haben. Das macht das Städtchen noch liebenswerter.





Was besonders auffällt sind die vielen Frösche! Sie zieren Brunnen, hocken auf Fensterbänken und kleben überlebensgroß an den Fassaden.

Die „Frääsch“ sind Büdingens Maskottchen und der nickname für die Büdinger*innen. Warum das so ist, erklärt uns ein Labcache:
1522 heiratete der Graf von Ysenburg-Büdingen die hochwohlgeborere Elisabeth von Wied – eine auch politisch wichtige Alliance zwischen den beiden Adelshäusern. Das ging auch soweit glatt über die Bühne – bis zur Hochzheitsnacht!
Was dann geschah, beschreibt ganz entzückend und viel besser als ich es könnte „Peter Dollingers Zootier-Lexikon“.
Kurzfassung: Das Froschkonzert im Schlossgraben (wir erinnern uns: es war ein Wasserschloss) raubte der jungvermählten Gräfin den Schlaf und es gab nur eins: Die Frääsch mussten weg! Die Bürgerwehr fischte sie aus dem Wassergraben, aber da hockten sie nun in Eimern und Netzen und quakten vor sich hin. Nach langer Überleguung fanden die Büdinger schließlich die elegante Lösung des Problems: Um die Frösche loszuwerden beschloss man, sie im Seemenbach zu ertränken! Das Resultat kann man sich vorstellen 🤣🤣🤣.

