Freitag, 31. Mai 202: Von Cosne-Cours nach Sully-sur-Loire ins Weltkulturerbe Loiretal
Nun könnte man einwenden wir seien ja gestern schon im Loiretal (französisch: Val de Loire) angekommen. Nun, das stimmt und stimmt auch wieder nicht: Wir sind im Tal der Loire (Vallée de la Loire) angekommen. Das ist – man glaubt es kaum – etwas anders als das Loiretal . So bezeichnet man nur den Abschnitt ungefähr zwischen Orléans und Angers. Klingt komisch, ist aber so! Dieser Abschnitt deckt sich ungefähr mit dem Flussabschnitt mit den meisten Schlössern, weswegen er auch zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Jepp, schon wieder Welt(kultur)erbe! Langsam krieg ich das Gefühl, die Hälfte des Welterbes findet man in Frankreich. Die „kulturelle Landschaft Loiretal“ – 280 Flusskilometer zwischen Sully- und Chalonne-sur-Loire – wurde im Jahr 2000 als Welterbe deklariert (nachdem das Chateau Chambord 1981 schon als Einzelobjekt ausgezeichnet wurde). Das umfasst alles: Die Städte mit ihrer Architektur und Lebensart, die Flusslandschaft und natürlich die berühmten Schlösser.
Die Loire ist mit etwas über 1.000 km Frankreichs längster Fluss (ich hätte ja auf die Rhone getippt, aber weit gefehlt, die ist fast 200 Kilometer kürzer). Sie entspringt im Massiv central in der Nähe der Ardêche (eigentlich sind es sogar mehrere Quellen) und fließt dann erst mal nach Norden, bevor sie es sich anders überlegt und nach Westen abbiegt (ich hab nicht rausgekriegt warum, vermutlich liegt es am Gefälle 😜).
Sie gilt als sehr naturbelassener Fluss – die Ungezähmte nennt man sie – und in der Tat: Die Loire ist nicht bzw. kaum kanalisiert und Wehre und Schleusen sucht man vergeblich. Sie mäandert, teilt sich in Seitenarme, schleppt viel Geschiebe mit sich (Sand, Kies), dass sie nach Belieben zu Sandbänken und Flussinseln ablagert und wieder wegschwemmt und ihren Lauf ständig ändert.
Wie wir auf einem Spaziergang in Cosne lernen, waren und sind Hochwasser mit Überflutungen an der Tagesordnung, hervorgerufen durch schwere Gewitter, die vom Mittelmeer heranziehen oder lange andauernde Regenfälle, die vom Atlantik kommen. Im Oberlauf hat man mit dem Stausee von Villerest eine gewisse Möglichkeit geschaffen, den Wasserstand etwas zu regulieren und eventuell das Schlimmste zu verhindern.

Früher war die Loire eine wichtige Schifffahrtsstraße, bis die Eisenbahn den Gütertransport sicherer, schneller und billiger machte. Sogar Dampfschiffe zum Personentransport, die „Inexplosibles“ (weil aus Eisen) verkehrten im Linienverkehr ab 1837 bis gegen Ende des Jahrhunderts zwischen Orléans und Nevers: 45 Meter lang, Kabinen 1. bis 3. Klasse, Salons und ein Bordrestaurant machten das Reisen komfortabel.

Für den Gütertransport gab es zum einen die Chalandes, sie waren bis zu 30 Meter lang , die größten konnten 85 Tonnen Fracht befördern. Sie waren eher Flöße als Schiffe und fuhren fast immer im Konvoi und immer nur zu Tal. Das Segel diente nicht zum Antrieb, sondern zum Lenken.
Die Sapines oder Salembergues waren aus (billigem) Tannenholz zusammengedübelt, fuhren immer im Zweierverbund und ebenfalls nur Talfahrt. Am Zielort angekommen, wurden sie zerlegt und das Holz anderweitig verwendet.
Allen Schiffen auf der Loire ist gemein, dass sie einen flachen Kiel und somit wenig Tiefgang haben.
Nach diesem sehr informativen Morgenspaziergang verlassen wir Cosne im Tal der Loire und machen uns auf den Weg ins Loiretal nach Sully-sur-Loire. Der führt über unzählige Kreisel (weil wir die Autobahn vermeiden). Unsere Susi quasselt ohne Unterlass: „Im nächsten Kreisverkehr nehmen Sie die zweite Ausfahrt Richtung Orléans“. Wobei sie manchmal die korrekte französische Aussprache drauf hat, dann wieder von „Orleeens“ (wie New Orleans) spricht und kurz drauf ins Deutsche Orr-le-anss verfällt. Immer sehr polyglott, unser Navi!

In Sully ergattern wir bequem noch ein Plätzchen auf dem ganz manierlichen Gratis-Stellplatz und spazieren dann zu unserem ersten Welterbe-Schloss 🏰, das zudem ein Wasserschloss ist!

Schloss Sully wurde in der jetzigen Form Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und hatte trotz des wuchtigen Aussehens keinerlei militärische Funktion. Es war eine Art Zweitwohnsitz oder Ferienhaus. Immerhin waren einige bedeutende Persönlichkeiten zu Gast, 1652 zum Beispiel der junge Ludwig XIV. inklusive Kardinal Mazarin, später General Lafayette und der aufmüpfige Voltaire.

Durch eine schöne Lindenallee schlendern wir dann zurück zum Stellplatz. Die Sonne täuscht von links schleicht sich der nächste Regen heran.

Wir schaffen es aber, vor dem nächsten Schutt wieder im Wohnmobil anzukommen.

Dabei hat sie immer noch einen hohen Wasserstand