Chenonceau – das Schloss der Damen

Mittwoch, 5. Juni 2024: Chillen in Chenonceau

Wir kommen am Dienstag Abend in Chenonceau an und machen … grad garnix mehr! Außer kochen und ungelogen 1.200 Bilder von Volkers Kamera zu sichten 🥵. Die Masse an Bildern kommt von den Serienbildern der Reitshow, da bekommt man mit Einzelaufnahmen selten gute Fotos. Ich lege großen Wert auf „schöne Beine“ beim Pferd 😂, die Vorhand (die Vorderbeine) müssen nach vorne gehen und entweder schön gestreckt oder gewinkelt sein, sonst sieht das sch… aus. Nun denn – wir löschen 1.115 Bilder und sind zufrieden. Ich wegen der Beine, Volker wegen seiner SD-Karte 😜.

Am nächsten Morgen ist lange schlafen und nett frühstücken angesagt – campingmäßig, denn wir haben einen richtig hübschen CampingCar-Park erwischt.

Dann machen wir ein klitzekleines Radtourchen entlang des Cher (Nebenfluss der Loire, Ort des Geschehens) bis zum Schloss, genauer gesagt bis gegenüber, denn nur von da kann man gut sehen, ohne 17 Euro Eintritt zu berappen.

Und da taucht es unvermittelt aus dem Wald auf: Chenonceau 🤩.

Das eigentliche Schloss steht – von Wasser umgeben – am nördlichen Ufer des Flusses Cher, die Galerie über den Fluss wurde später errichtet.

„Alljährlich besuchen rund 800.000 Touristen die Anlage und machen damit Chenonceau nach Versailles zum meistbesuchten Schloss Frankreichs. Das „eleganteste, feinste und originellste der Loire-Schlösser“[2] wird auch das Schloss der Damen (französisch Château des Dames) genannt, denn es waren fast immer Frauen, die seine Geschichte bestimmten.“ (Quelle: Wikipedia)

Das Wasserschloss entstand aus einer Mühle, die einem gewissen Thomas Bohier gehörten. Der hatte Karriere am französischen Königshof gemacht war am End unter Franz I. königlicher Finanzsekretär. Ab 1515 ließ er das Schloss auf den Fundamenten der ehemaligen Mühle neu erbauen. Es ist eines der ersten Loire-Schlösser und der ersten Renaissancegebäude überhaupt in Frankreich.
Nach dem Tod Thomas Bohiers 1524 riss sich König Franz das Anwesen unter den Nagel, indem er eine Finanzprüfung ansetzte und Bohier posthum Veruntreuung nachwies. Das Schloss gehörte nun der Krone.
Als nächstes schenkte es  Heinrich II. 1547 seiner Mätresse Diane de Poitiers, die es später als Privatbesitz erwarb. Allerdings nicht für lange, denn ihre Konkurrentin, die Frau – später Witwe – Heinrichs II. hatte ein Auge auf Chenonceau geworfen.
Das war keine geringere als Katharina von Medici (die glaube ich Haare auf den Zähnen hatte), die Diane zwang, es gegen Schloss Chaumont einzutauschen. Katharina gab in Chenonceau rauschende Feste, die oft mehrere Tage dauerten und nicht selten zu Orgien ausarteten. Sie initiierte auch den Bau der großen Galerie.
Katharina von Medici vermachte das von ihr so geliebte Schloss ihrer Schwiegertochter Louise, die es als Witwe 8 Jahre lang bewohnte, dann aber in finanzielle Nöte geriet.
Danach ging das Schloss durch die Hände vieler weiterer adeliger Familien – meist deren Frauen – die es entweder erbten oder zu Geschenk erhielten. aber so recht wurde niemand mehr damit „warm“. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts  wurden viele Stücke der wertvollen Inneneinrichtung, Kunstgegenstände und Bücher, in die Stadtresidenzen gebracht, verkauft oder verschenkt.

Jean-Marc Nattier: Louise Dupin

1733 erwarb Claude Dupin, seines Zeichens königlicher Gutsverwalter, das recht heruntergekommene Schloss. Seiner Frau Louise verdankt Chenonceau seine zweite Blütezeit: Sie war eine Frau von großer Schönheit, Anziehungskraft und Intelligenz, veranstaltete philosophische und literarische Salons und machte Chenonceau zum Treffpunkt der berühmtesten Literaten und Philosophen ihrer Zeit. Zu Gast waren zum Beispiel Voltaire und Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau beschäftigte sie als Erzieher für ihren Sohn.

Wie es weiterging beschreibt Wikipedia: Louise Dupin starb 1799 und wurde im Park von Chenonceau am Südufer des Cher begraben. Ihrem Ansehen und ihrer Beliebtheit bei der Bevölkerung war es zu verdanken, dass das Schloss die Französische Revolution unbeschadet überstand und nicht von Revolutionären geplündert oder beschädigt wurde. Die unterschiedliche Schreibweise des Schlossnamens (Chenonceau) und des Ortes (Chenonceaux) geht angeblich auf sie zurück. Durch Weglassen des X – ein Zeichen königlichen Besitzes – beim Namen des Schlosses soll sie während der Französischen Revolution ihre Verbundenheit mit dem republikanischen Gedanken zum Ausdruck gebracht haben.

Das Grab von Louise Dupin im Wald, nahe beim Schloss

Im 19. Jahrhundert war es wieder eine Frau, Marguerite Pelouze, die sich in das Schloss verguckte, es restaurierte und mit Festen und Gästen zu (neuem) Leben erweckte. Leider ging sie darüber pleite und Chenonceau wurde zwangsversteigert. So kam es 1913 an den Schokoladenfabrikanten Henri Menier, dessen Familie heute noch Eigentümerin ist.

Am Abend gönnen wir uns ein halbes Fläschken Chablis 1er cru. Man gönnt sich ja sonst nix.

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