Sonntag, 9.Juni 2024: Von Saumur nach La Possonnière
Es ist Sonntag. Sonntag ist immer schlecht. Montag auch. Und Mittag. Da ist nämlich vieles geschlossen – es sei den Franzosen gegönnt, aber es schränkt uns halt ein. So können wir zum Beispiel nicht beim France Passion-Weingut unserer Wahl aufschlagen.
Überhaupt wissen wir heute nicht so recht, wohin mit uns. Also nehmen wir uns Zeit, betanken in aller Ruhe den HoGo mit Frischwasser, um bei der Ausfahrt vom Stellplatz festzustellen, dass wir die Parkdauer um 9 Minuten überschritten haben und nun für weitere 24 Stunden berappen dürfen. Sch … 💩. Immerhin waren wir entspannt!
Wir steuern einen Ort namens Brissac an, um uns das – vermutlich für uns – letzte Loireschloss anzuschauen. Den „Giganten der Loire“, nennt man es ob seiner 7 Stockwerke.
Dummerweise sind Schloss und Park a) in Privatbesitz, weshalb man eine Eintrittskarte bräuchte, die wir b) aber gar nicht kriegen könnten, selbst wenn wir wollten, weil – dreimal darf man raten – richtig: über Mittag geschlossen ist. Ergo komplimentiert uns eine energische Dame entschlossen sogleich wieder aus dem Tor hinaus, das sie dann hinter uns auch absperrt, falls noch mehr Leute kommen, die das große Schild daneben nicht lesen oder verstehen.
Immerhin erlaubt sie uns auf dem Rückzug noch ein einzigstes Foto.
Schloss – geschlossen – entschlossen: Dahinter muss ein tieferer Sinn stecken 🤔🤓.
Volker macht noch einen Schlenker zum örtlichen Geocache (wir wollen jeden Tag mindestens einen finden) und siehe da – der bietet for free am Sonntag Mittag den Blick auf alle 7 Stockwerke!

Wir trollen uns und steuern La Possonnière an, ein Dorf am Loireufer mit einem netten Hafen und gleich davor der Camping Municipal, auf dem wir fast die einzigen Gäste sind – von den Dauercampern einmal abgesehen.


Nach den Erfahrungen von Saumur testen wir erst mal die Netzabdeckung und den Internetempfang, lassen uns dann häuslich nieder, kochen Kaffee, futtern Gebäck und füllen das Anmeldeformular aus.
So ein Camping municipal hat keine Rezeption, man schreibt Name, Kennzeichen etc. auf einen Umschlag und steckt das Geld rein. Das ist normal. Dass man den Umschlag aber dann 600 Meter weiter beim Rathaus einwerfen muss, das hatten wir auch noch nicht 😅.
Wir machen einen Spaziergang zum Hafen – wobei man die paar Schritte so nicht nennen kann, der ist nämlich gleich um die Ecke – und halten es dort mit Otis Redding:




Hier liegen traditionelle Fischerboote der Loire, die Toues cabanées. Man kann sie für Bootstouren auf der Loire mieten.
Dass es früher hier bei Weitem nicht so beschaulich abging wie heute, zeigt uns eine Infotafel: Der Fluss war Lebensader, trennendes und verbindendes Element gleichermaßen. Hier war Trubel, Verkehr, Geschäftigkeit, Transport, Handel, Handwerk – hier war immer was los.

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Wir genehmigen uns ein Bierchen in der „Strandbar“, untermalt von kubanischen Klängen 💃, quasi als Stärkung für die unvermeidlichen Ergebnisse der Europawahl, die uns (wie leider zu erwarten war) nicht gefallen. Da werden auch unsere zwei Briefwahlstimmen nix mehr dran ändern. Immerhin haben wir uns schwer ins Zeug gelegt!

Ein Lavoir wäre für die Handwäsche nett gewesen, ein Waschbecken tut es auch.