Montag 13. Mai 2024: Wiedersehen mit Lods, Source de la Loue, Chateau de Joux, Source du Doubs und on Top Käsefondue
Nach dem Frühstück machen wir einen gemütlichen Spaziergang am Flussufer entlang, über die obere Brücke, hoch ins Dorf und zurück.


7 Wehre stauen die Loue und leiteten früher ihr Wasser in eine der Mühlen, Sägemühlen oder Nagelschmieden. Daneben war auch hier der Weinbau ein Haupterwerbszweig. Die heute verwilderten, terrassierten Hänge zeugen noch davon.

Im Ort fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine. Nur einen der angeblich 234 Bewohner bekommen wir zu Gesicht. Vor 25 Jahren waren in Lods viele Künstler ansässig und man konnte in zahlreiche Galerien reinschauen. Die sind aber inzwischen auch dezimiert. Doch Lods hat von seinem leicht morbiden Charme nichts verloren. Die Zeit steht still.



Wir machen uns auf den Weg zur Quelle der Loue, Luftlinie ca. 7 km oberhalb des Orts. Schon der Weg dahin ist spektakulär und der Blick in die tief eingeschnittene Schlucht schwindelerregend.


Und die Quelle der Loue ist einfach der Knaller! Vom Parkplatz aus geht es noch 600 Meter steil bergab und dann steht man vor einem Talkessel mit fast 100 Meter senkrecht aufragenden Kalkfelsen, Schicht um Schicht, und unten ein riesiges Loch aus dem sich pro Sekunde 7.000 Liter Wasser ergießen – ein kompletter, fertiger Fluss. Fantastisch!


Man sieht an den Mauerresten, dass schon hier an der Quelle die Wasserkraft genutzt wurde. 1851 lebten und arbeiteten hier ca. 50 Menschen in 11 Kornmühlen, einer Ölmühle, 4 Sägewerken, einer Hammermühle und zwei Schmieden. Das war eine richtige kleine Industriesiedlung. Auch heute nutzt man die Wasserkraft: Kurz unterhalb der Quelle wird das Wasser ins Turbinenhaus der EDF geleitet. Der Stausee regelt auch den Wasserstand der Loue. Es kann passieren, dass hier oben sehr viel Wasser abgelassen wird und wenige Kilometer unterhalb der Pegel innerhalb von Minuten deutlich ansteigt. Das haben wir beim Paddeln damals selbst erlebt, als die Kiesbank, auf der wir Pause gemacht haben, plötzlich abgesoffen ist. Die Warnschilder sollte man ernst nehmen!

Für uns geht es weiter zum Chateau de Joux – wir hatten ja lange keine Festung mehr und erst recht nix von Vauban 😜. Das Chateau de Joux hat er aber „nur“ umgebaut, schon in der Antike gab es eine Mautstelle an der Schlucht „la Cluse“, durch die ein wichtiger Handelsweg in Richtung der nur 10 km entfernten Schweiz führte. Im Mittelalter errichteten die Herren von Joux hier eine Wohnburg – natürlich auch mit Zollstelle.

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Hier kriegen wir endlich mal eine Führung und unser Guide Gilles macht das wirklich sehr gut und verständlich für unser internationales Trüppchen. Erst sind es wir und zwei Italiener die neben Italienisch noch Englisch und ein wenig Französisch sprechen. Dann kommen noch 10 Schweizer dazu, die sprechen irgendwie alles. Und auch die Broschüre auf deutsch ist sehr informativ!

Vom Eingang wandern wir durch 5 Ringwälle und über 3 Zugbrücken 1000 Jahre in der Zeit zurück bis zu den Anfängen. Die alte Burg vom Tausendebbes wurde im 13. Jahrhundert erweitert und nach zwei Belagerungen 1474 (Schweizer) und 1507 (Franzosen) mit einem 3. Festungsring verstärkt. Ein vierter folgte, konnte aber nicht verhindern, dass Ludwig XIV. 1678 Fort Joux einnahm.


Damit das nicht nochmal vorkommt, ließ er seinen Meisterarchitekten Vauban die Festung umbauen: Kasernen für 368 Soldaten, Lager für Lebensmittel und Munition, Bäckerei, Waschhaus, Krankenstube sowie 5 Zisternen und einen 130 m tiefenr Brunnen. Und einen 5. Ringwall mit Bastionen. Der wurde dann im 19. Jahrhundert nochmals umgebaut und mit Kasematten und schweren Kanonen bestückt. Die kamen aber nie zum Einsatz. Im 1. WK war Joux mehr oder minder Deko, im 2. WK war hier bis 1944 ein Kriegsgefangenenlager der Deutschen.






Im ältesten Teil des Schlosses befand sich ab dem 17. Jahrhundert das Staatsgefängnis. Prominenter Inhaftierter war der junge Mirabeau. Es wurde auf Betreiben seines Vaters eingeknastet, dem die Eskapaden seines Juniors missfielen (Wein, Weib, Glücksspiel). Mirabeau junior verstand sich so gut mit dem Gouverneur des Forts, dass er quasi wie im Hotel dort lebte, mit bester Kost, Bediensteten und freiem Ausgang. Zum Sprachrohr der Revolution wurde er dann später.

Der berühmteste und nun auch wirklich politische Gefangene war der haitianische Unabhängigkeitskämpfer Toussaint Louverture. Als befreiter Sklave brachte er es in der napoleonischen Armee zum ersten schwarzen General, überwarf sich aber mit dem Regime, das keinerlei Interesse an der Unabhängigkeit einer seiner lukrativsten Kolonien (Kaffee, Zucker) hatte. Gesundheitlich schon vorher angeschlagen, starb er 1803 im Alter von 59 Jahren in diesem Gefängnis, ein Jahr später setzte Haiti seine Autonomie durch (nicht die Unabhängigkeit, aber immerhin).



Es gibt noch die Legende von Berthe für die Zeit des frühen Mittelalters. Ultrakurzfassung: Schlossherr auf Kreuzzug, Kumpel kommt zurück und deklariert ihn für tot. „Witwe“ verliebt sich in Kumpel, Totgeglaubter kehrt zurück, killt Rivalen und kerkert Berthe in einem winzigen Kabuff 12 Jahre lang ein.
Im Museumsshop kaufen wir noch ein Mitbringsel, von dem ich aber hier nicht berichten kann: „Feind“ liest mit 😜.
Next Stop: Mouthe, besser gesagt die dortige Quelle des Doubs. Mouthe hat den Beinamen „kleines Sibirien“ 🥶, und gilt als das kälteste Dorf Frankreichs, weil sich im Winter im geschlossenen Talbecken oftmals ein Kaltluftsee bildet und Temperaturen von −30 °C keine Seltenheit sind. Die tiefste offiziell anerkannte Temperatur wurde am 13. Januar 1968 mit −36,7°C gemessen. Angeblich wurde am 17. Januar 1985 eine Temperatur von −41,0°C registriert, dieser Wert wird jedoch angezweifelt.
Von trockener Kälte kann aber jetzt keine Rede sein! Kalt ist es zwar, aber alles andere als trocken. Immerhin macht der Ort seinem Beinamen alle Ehre und der Regen geht kurz in Hagel über.
Nach der Source de la Loue ist natürlich die Doubs-Quelle weniger spektakulär. Aber auch schön! Eisern aber fluchend stapfen wir (bzw. ich) zur Quelle des Doubs und sogar über den Panoramaweg hoch und wieder runter. Panorama ist aber nicht.


Auf der Weiterfahrt kommen wir am Lac de Malbuisson vorbei, wo wir 1988 im Juni mal gezeltet haben, im großen Hauszelt von Alfred. Es war nachts so kalt, dass wir die Kinder in mehrere Decken wickeln musste. Tagsüber war es dann brüllend heiß.

Volker hat zur Übernachtung einen weiteren France Passion-Betrieb ausfindig gemacht: Chez Liadet ist ein Berggasthof und wir reservieren gleich einen Tisch für’s Abendessen.
Der Gastraum ist echt urig, überall hängen Skier, Winterbilder und vor allem Dutzende Kuhglocken.

Begrüßt werden wir aber nur vom Hofhund, unsere Gastgeber sind beschäftigt: Eine große Gruppe kommt gleichzeitig mit uns an und es bereitet uns etwas Sorge, ob der Familienbetrieb* und das Serviermädel (an ihrem allerersten Arbeitstag) das gewuppt bekommen.
*Der etwa 10-jährige Sohn und eine Tochter helfen auch mit! Erinnert mich an meine Jugend 😏.
Ist aber am End kein Problem, die Gruppe hatte wohl ein Eintopfgericht für alle vorbestellt und ist schnell versorgt. Wir bestellen Salat mit geräucherter Forelle und Käsefondue für Zwei. KÖSTLICH!



Das war ein sehr schöner Abend! Obendrauf gibt es eine Runde digital detox, denn hier ist weit und breit kein 📶. Auch mal gut!