Saarländisches Intermezzo

7. bis 10. Juli: Stefan, Saarbrücken, Spichern und die Schleife

Auf dem Weg Richtung Ardennen legt sich uns das Saarland in den Weg. Also beschließe ich, dort meinem lieben Patenonkel einen Kurzbesuch abzustatten. Wir erwischen ihn und meine Kusine Ina bei großen Reisevorbereitungen, denn es geht für drei Wochen zu ihr in die USA! Doch es bleibt Zeit für eine „Audienz“.

Nach Kaffee und Kuchen fahren wir etwas rückzus nach Saarbrücken-Burbach und richten uns auf dem CP der Kanu Wanderer ein. Nicht wirklich schön, aber schön praktisch und superduper niegelnagelneue Sanitäranlagen!

Von Trippstadt (C) über Stefan in Bous (D) und weiter nach Saarbrücken-Burbach (E), 123 km

Kater Bubi (17) bewacht die Anlage, begrüßt jeden Camper und folgt seinem Frauchen auf Schritt und Tritt 🐈‍⬛.

Bubi, animal of the day

Das restliche Abendprogramm sieht so aus:

Am Dienstag fahren wir nach dem Frühstück nach Saarbrücken.

Saarbrücken leidet unter vielen Bausünden, versucht aber, das Beste draus zu machen

Für mich heißt es hier nachsitzen im Historischen Museum. Das hatte Volker im Januar besucht, während ich mit gebrochenem Knöchel im Krankenhaus auf dem Winterberg lag. Schwerpunkt ist die wechselvolle Geschichte des Saarlands nach 1870/71. Außerdem kann man zu den Fundamenten und in den ehemals zugeschütteten Burggraben der ursprünglichen Burg hinuntersteigen. Volker hatte das in seinem Beitrag im Januar alles sehr schön zusammengefasst 😍.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Geocachen und queren zig Mal die Alte Brücke zwischen St. Johann und Alt-Saarbrücken. Die Verkehrsregelung übernehmen dabei die Saarlodris, das ist die saarländische Verwandtschaft der Mainzelmännchen vom SR.

Auf dem Schlossbalkönchen über der Stadtautobahn 🤦‍♀️
Weil sie beim geringsten Hochwasser überflutet wird, gilt sie als einziger Nebenfluss der Saar mit 13 Buchstaben.

Nach einem Abendessen im Traditionsgasthaus Zahm (Forelle für mich und Gefillde für Volker) geht es an der Saar die paar Kilometer zurück. Schön ist es hier in der Abendsonne, trotz Stahlwerk und Industrie drumherum.

Am Mittwoch wollten wir eigentlich zur Saarschleife abreisen. Aber das Wetter schwächelt! Aus der Vorhersage „heiter bis wolkig ⛅️“ kann man das „heiter“ getrost streichen. Bleibt ☁️. Und das möschte isch nischt. Nicht für die Saarschleife 😤.

Also holt Volker die Fahrräder wieder runter und wir machen einen Ausflug zu den Spicherer Höhen. Auch die hatte Volker im Januar bereits besucht und berichtet! Das kann ich mir also sparen.

Nicht sparen kann ich mir hingegen den Deutsch-französischen Garten, der auf dem Weg zu den Höhen liegt. Er wurde in den 1960er Jahren als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung angelegt und gilt heute als Gartendenkmal.

Die Attraktionen des Gartens sind aber allesamt außer Betrieb: Kein Bähnchen fährt, die Seilbahn steht unbesesselt still, die Wasserorgel orgelt nicht wie angekündigt und Biergarten, Lesepavillon und Café sind geschlossen 😕. Es ist auch kaum was los hier an einem Mittwoch Mittag, vielleicht ist am Wochenende ja alles wieder in Betrieb, wenn die Leute kommen. Aber vielleicht ist auch keiner da, weil alles nicht funktioniert. Ma waas es (mal wieder) net. 🐔 oder 🥚?

Aber auf die Blumen ist Verlass, die halten durch und blühen!

Im oberen Teil des Gartens gibt es einen Ehrenfriedhof für die Opfer des Krieges von 1870, insbesonderre der Spicherner Schlacht von nebenan.

Katharine Weißgerber (genannt „Schulze Kathrin“ nach der Familie, bei der sie als Hausmädchen arbeitete) hat dort einen Ehrenplatz. Sie kümmerte sich im August aufopferungsvoll um verwundete Soldaten in Saarbrücken und auf den Spicherer Höhen. Angeblich auch um französische Soldaten, obwohl das einem Faktencheck nicht standhält: Um überhaupt zu denen zu gelangen, hätte sie über hunderte gefallene und verwundete Preußen auf dem Schlachtfeld hinwegsteigen müssen. Egal – im Zuge der späteren Verherrlichung der Schlacht bekam sie das Ehrenkreuz für Frauen und Jungfrauen und später das hübsche Grab auf dem Ehrenfriedhof. Kaufen konnte sie sich davon nix, sie starb arm und vergessen 1886.

Abgesehen davon, stirbt man, wie man gelebt hat: Reichsfreiherr Maximilian von Schreckenstein bekommt ein opulentes Denkmal mit Jungfrau (?) und Lorbeerkranz, für die niederen Dienstgrade gibt’s ein Holzkreuz mit Aufschrift. Lehmann. Basta 🤦‍♀️🤷‍♀️.

Nachdem wir im Garten unsere Hausaufgaben als Geocacher gemacht haben (und dabei wieder was gelernt), geht es hoch zur Spicherer Höhe. Wie gesagt, hat Volker das alles schon berichtet.

Volker nimmt den direkten Weg nach oben, mir ist der zu steinig und zu steil, ich fahre lieber den Umweg. Volker erwartet mich oben auf einer ganz besonderen Bank. 🤣🤣🤣. Schotten!!!

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen 🤣.

Donnerstag, 10. Juli 2025: Saar in Schleife

Am Donnerstag weckt uns endlich wieder die Sonne ☀️. Da hat die Wetterhervorsage zum Glück nicht geirrt! Wir machen ein schnelles Müsli-Frühstück und dann mit der resoluten Platzwartin die Abrechnung. Vertretbare 68 Euro ebbes haben uns die 3 Tage gekostet.

Unsere heutige Strecke von Saarbrücken Burbach (E) nach Mettlach zur Saarschleife (F), 58 km

Nach einer Stunde Fahrt parken wir gegen 11 Uhr auf dem frugalen WoMo-Stellplatz von Orscholz (6 Euro/Tag, mit ohne alles), dass man dafür die Schranke der ReHa-Klinik passieren muss, ist hoffentlich kein schlechtes Zeichen👨‍🦯🧑‍🦼.

Wir steuern sogleich den Eingang zum Baumwipfelpfad an, ein 1,2 km langer Holzsteg in luftiger Höhe, der zu einem Aussichtsturm in noch luftigerer Höhe führt.

Von hier aus sieht man sie wirklich in voller Pracht: die Saarschleife, das wahre Wahrzeichen des Saarlands.

Die Entstehung der Schleife ist nicht ganz einfach zu erklären. Es ist nämlich nicht so, dass sich der Saar einfach irgendein harter Brocken Gesteins in den Weg gelegt hätte und sie dann den Umweg über etwas Nachgiebigeres genommen hat. Vielmehr zwängt sie sich durch harten Quarzit aus dem Devon!

Digital Geology erklärt es ganz gut: Über den devonischen Quarzit lagerten sich Sandsteinschichten ab und auf denen mäanderte die Saar auf einer nahezu ebenen Landoberfläche, 300 Meter höher als heute, so vor sich hin. Das ist gar nicht mal so lange her, vor ca. 23 Millionen Jahren. Dabei tiefte sie sich natürlich ein und das Tal erreichte nach ein paar Millionen Jahren den darunterliegenden Quarzit. Der ist zwar sehr hart, aber auch sehr zerklüftet und so bahnte sich die Saar ihren Weg entlang der Klüfte und Störungen und behielt dabei ihre Fließrichtung im Großen und Ganzen bei. Die Saarschleife ist also ein im Quarzit „gefangener“ Mäander.

Die Saar ist Großschifffahrtsstraße – auch die Schleife. Beim Powerslide um die Kurve wühlt der Lastkahn ordentlich Dreck auf und zieht eine braune Spur hinter sich her

Wir machen eine gar nicht mal so kleine Wanderung über die Traumschleifchen Überblick und Weitblick, so dass am End‘ 10 Kilometer und 15.000 Schritte auf der Uhr stehen. Erstaunlicherweise geht es dabei gefühlt ewig gut bergab, aber nur sehr gelinde und kürzer bergan. Das empfinde ich fast immer so, bergrunter dauert länger und ist steiler. Besser so als anders!

Hier ein paar Impressionen von unterwegs.

An der Cloef. Vor dem Turm war das hier DER Aussichtspunkt über die Saarschleife. Angela Merkel war hier mit Chirac und Kaczynski, Lafontaine (sowieso) und Schröder. Und Hitler 🤦‍♀️🤷‍♀️
Eigentlich genauso schön wie von weiter oben

Die Kategorie animal of the day können wir auch bedienen, heute darf es sogar exotisch sein, es sind nämlich afrikanische Strauße. Der Vogel pickt fleißig Steinchen vom Boden und hebt nach jedem den Kopf, damit das Ding auch den langen Hals runterrutscht. Die Steinchen braucht er für eine geregelte Verdauung, er schluckt seine Nahrung (Gräser, Blätter, auch Insekten) nämlich unzerkleinert runter und die Steine zermahlen die dann im Magen.

Ganz am End‘ geht es in Orscholz nochmal auf eine kleine Anhöhe, wo diese wohl aus einem Garten ausgebüxte Schönheit wächst, eine Samthortensie. Und man kann von da in der Ferne den Aussichtsturm erspähen.

Am späten Nachmittag lässt Volker die Drohne los und sie bringt doch tatsächlich ein schönes Bild der Saarschleife mit – grad so am Ende ihrer Reichweite!

Und ein super Stehfoto kriegen wir auch 👍️.

Morgen geht es nach Vianden. Eigentlich wollten wir Luxemburg, aber da ist alles ausgebucht über’s Wochenende. Mal sehen was Vianden außer der Burg zu bieten hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert