8.- 13. März 2026: Zur Mandelblüte in die Pfalz
Zig mal vorgehabt – nie gemacht aber dieses Jahr wird es endlich was: Wir fahren rechtzeitig zur Mandelblüte in die Pfalz. Rechtzeitig durchaus im Sinne von recht zeitig, denn die Mandelbäume sind wahre Frühblüher, die schon ab Ende Februar ihre Knospen öffnen.

Das wird vor allem um Neustadt a.d. Weinstraße touristisch vermarktet, wenn der parallel zur Weinstraße verlaufende Mandelpfad sich in ein weiß- und rosafarbenes Blütenmeer verwandelt und tausende Besucher anlockt. Mit Roséweinproben, Kulinarik rund um die Mandel, Themenwanderungen und Events wie der Edenkobener Mandelmeile. Genau die haben wir uns ausgesucht und beziehen am Sonntag Mittag Quartier beim Weingut Edel-Brauch.



Wir stehen quasi für umme – 1 Euro Gästebeitrag pro Tag und Nase, ist eher symbolisch. Sogar Strom ist inklusive. Allerdings gilt das nur für Gäste des Restaurants/Weinguts, was ja auch verständlich ist. Wir haben schon einen Tisch reserviert und Weineinkauf steht auch auf der ToDo-Liste.
Aber erst einmal geht es zur Mandelmeile, die sich am (anderen) Ortsende von Edenkoben in der Villastraße erstreckt.
Und die „Meile“ kann man durchaus wörtlich nehmen, es ist schon fast eine Seemeile, entlang der sich ein Stand an den nächsten reiht mit Leckereien rund um die Mandel, deftigen Genüssen (Drehspieße, Flammkuchen, Feuerlachs, Worscht …) und natürlich viele Weinstände 🍷🥂.

Wir schlendern also über die schöne Mandelmeile, genießen den Sonnenschein und das ein oder andere Schlückchen Wein. Sehr, sehr schön!
Und die herrlich blühenden Mandelbäume!





Den Abschluss des Abends macht ein zünftiges Essen im proppenvollen Gutsrestaurant und danach der obligatorische Tatort.
Montag, 9. März: Hinauf, hinauf zum Schloss
… und danach Elwetritsche fangen
Am Montag strahlt die Sonne vom saharastaub-getrübten HImmel und da wir durch die Frontscheibe ohnehin die ganze Zeit das Hambacher Schloss im Blick haben, machen wir es zum Ziel unserer Frühjahrs-Radtour.





Zum Schloss, hinauf, hinauf zum Schloss
… so der Schlachtruf der knapp 30.000 national-bewegten Menschen, die am 27. März 1832 zur Kästenburg oberhalb von Neustadt hochwanderten, um dort eine der größten Kundgebungen des Vormärz abzuhalten: Das Hambacher Fest.
Sie kamen aus allen Ecken des Deutschen Bundes, aus Frankreich und Polen.
Das Schloss war damals kein Schloss, sondern eine Burg, genaugenommen eine Burgruine. Mehrere Eroberungen und Plünderungen, zuletzt durch französische Revolutionstruppen, hatten bis auf die Außenmauern nicht viel davon übrig gelassen.
1842 schenkte das Königreich Bayern die Burgruine dem Kronprinzen und späteren König Maximilian II. zur Hochzeit. Der begann mit dem Wiederaufbau und Umbau zum Schloss im neugotischen Stil der Zeit, doch das kam in den Revolutionsjahren 1848/49 zum Erliegen. Mehr als ein Jahrhundert blieb das Hambacher Schloss eine Bauruine, bis es in den 1980er Jahren restauriert und als Demokratie-Gedenkstätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Das Hambacher Fest gilt heute als eine Geburtstunde der Demokratie in Deutschland bzw. in deutsch(sprachig)en Landen, denn einen deutschen Nationalstaat gab es eben nicht. Den wollten die Festteilnehmer errichten (also nicht in persona, sondern als politische Forderung), dazu liberale Rechte für alle und die Abschaffung sozialer Misstände, die mit der aufkommenden Industrialisierung immer offener zu Tage traten. Von durchaus revolutionär gestimmten politischen Anführern bis hin zu von Missernten und Ausfuhrzöllen geplagten Bauern/Winzern und verarmten Arbeitern war alles dabei. Auch alle „deutschen Frauen und Jungfrauen, deren politische Missachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und ein Flecken ist“, waren aufgerufen: „schmücket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart!“. Also mehr als Deko (und zum Fahnensticken), als aktive Teilnehmerinnen waren sie nicht vorgesehen. Tja 🤷♀️.
Das liberale Gedankengut, das die Ideale der französischen Revolution wieder aufgriff, war nun keineswegs selten, sondern Zeitgeist. Nach dem Fall Napoleons und der Restaurationspolitik des Wiener Kongresses wurde allerorten in Europa das Rad der Geschichte zurückgedreht und Autokratie, Kleinstaaterei und Repression bestimmten die Landespolitik.
Besonders gebeutelt war die pfälzische Bevölkerung, litt sie doch unter der rückschrittlichen bayerischen Regierung (die Pfalz gehörte seit dem Wiener Kongress zum Königreich Bayern), die Bürgerrechte einschränkte und alle politischen Äußerungen zensierte und die Bevölkerung mit einer rigiden Zollpolitik und hohen Steuern belastete.
Auch aus dem Ausland kamen viele Menschen; Franzosen, und vor allem Polen nahmen teil. In Frankreich hatte 1830 die Julirevolution die Herrschaft der Bourbonen beendet und einen „Bürgerkönig“ eingesetzt. In Polen war die Novemberrevolution 1830/31 durch das Zarenreich blutig niedergeschlagen worden und hatte tausende Polen ins Exil getrieben. All diese Menschen kamen zum Hambacher Fest, dass – da politische Kundgebungen verboten waren – als „Volksfest“ angekündigt war.
Die meisten blieben nur einen Tag, es wurden Reden geschwungen (von Männern) und Lieder gesungen (von Männern und Frauen). Man bejubelte unisono die Schlagworte: Nationalstaat, Volkssouveränität, Meinungsfreiheit, Brüderlichkeit, Grundrechte und dazu ein geeintes Europa. Keineswegs einig war man sich jedoch darüber, wie diese Forderungen umzusetzen seien. Die Liberalen und Gemäßigten setzten auf Reformen, die radikalen Demokraten auf Revolution.
Da aber weder die einen, noch die anderen über genügend Einfluss, geschweige denn ein politisches Mandat verfügten, blieb das Hambacher Fest ohne unmittelbare Auswirkungen. Dazu kam es erst 1848, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.



Oben angekommen, genehmigen wir uns eine klassische Pfälzer Roséschorle im Dubbeglas, allerdings nicht im Mischungsverhältnis der Maikammer-Schorle, das man sich HIER ansehen kann 🤣. Auf einen Besuch der Ausstellung im Schloss verzichten wir, wir waren schon mal hier und haben uns das intensiv angeschaut. Auch würde die Zeit nicht reichen, denn wir haben ja noch was vor!
Also geht es den Bersch wieder enunner, rein nach Neustadt an der Weinstraße. Und immer schön auf die Ampelmädscher uffbasse!

Wir steuern gezielt den Elwetritsche-Brunnen an und befassen uns mit dem Pfälzer Nationaltier, der Elwetritsch.




Elwetritsche sind Kreuzungen zwischen Elfen/Kobolden und Hausgeflügel und werden von Ortsunkundigen fälschlicherweise als Fabelwesen bezeichnet. Hingegen ist jeder echte Pfälzer von Geburt an mit einem Elwetritsche-Jagdschein ausgetattet und weiß, wie man die Wesen fängt: Ein Licht und ein Schoppen sowie der Lockruf „tritsch-tritsch“ locken sie in einen aufgespannten Kartoffelsack. Geht am besten nachts bei Neumond.


Wer mehr über das scheue Tier wissen möchte, kann sich in einem einschlägigen Handbuch der Tritschologie schlau machen oder diesen Podcast hören.


Wir begeben uns zum sonnigen Marktplatz, wo es neben einem weiteren Prachtexemplar von Elwetritsch Elsässer Flammkuchen auf Pfälzer Art gibt, also quasi Pflammkuchen. Belegt mit Leberwurst, Blutwurst und Saumagen. Klingt komisch, ist aber so, und schmeckt wirklich lecker.

Und dann geht es wieder heimzus, dem Sonnenuntergang entgegen (naja, nicht wirklich, aber die Fotosoftware macht was draus 🤣).

Wir sind rechtzeitig zurück, um mit der Seniorchefin Christa Brauch (aus Birkweiler 😉) eine nette Weinprobe zu machen. Die nächste Generation ist mit den Töchtern Lena und Laura auch schon am Start, beide sind studierte Weinfachfrauen der Uni Neustadt. Witzigerweise stellt sich heraus, dass Frau Brauch Theo Pfaffmann kennt. Wir sollen Grüße ausrichten 🤩.
Mit 2 Kartons Weißwein gemischt und 3 Literflaschen Schorle-Rosé schaffen wir den Grundstock zum Wiederauffüllen unseres Weinregals.
Dienstag, 10. März 2026: Mandelexkursion in St. Martin
Diesmal ist das Wech bestens vorbereitet, sogar eine geführte kleine Wanderung mit Mandelexpertise hab ich im Vorfeld gebucht.
Sie findet statt in St. Martin, einem Nachbarort von Edenkoben, direkt am Hang gelegen und ein sehr pittoresker Ort mit großem touristischen Angebot.


Funfact: In Sankt Martin gibt es superschlaue schottische Rindviecher, die sogar kulinarische Empfehlungen aussprechen. Heute empfiehlt das Angusrind hausgemachte Pfälzische Steak-Spezialitäten vom Bioland-Hof 🤣.
Merke: Deutsche Sprache hat Tücken.

Unser namenloser Guide ist Pfälzer, Mandelzüchter, Geschichtenerzähler und sogar Botaniker und scheucht die ca. 20-köpfige Rentnertruppe ganz ordentlich durch die Gemarkung 😰, da muss man sich ranhalten und ist froh, wenn er mal wieder bei einem Baum anhält.
Sein Wissen ist aber wirklich sehr profund, auch wenn er es etwas unstrukturiert angeht. Mir macht’s nix, ich kann ihm schon folgen.
Ich wusste natürlich grob, was eine Mandel ist, bzw. konnte das einordnen: Sie gehört zu den Rosengewächsen, ist keine Nuss, sondern eine Steinfrucht ähnlich wie ein Pfirsich oder eine Pflaume und wächst am Mandelbaum.
Was ich aber nicht wusste: Dieser Baum IST eine Art Pfirsich oder eine Pflaume! Es gibt keine Pflanzengattung „Mandel“.
Zwar hatte Carl von Linné sie 1753 als Amygdalus communis L. spezifiziert, neuere Forschung lässt das aber nicht zu und ordnet die Mandel eindeutig der Gattung Prunus zu. Also ist die Mandel eine Art der Gattung Pflaume. Ebenso der Pfirsich. Eine Gattung, drei Arten: P. domestica = Pflaume, P. persica = Pfirsich und P. amygdalus = Mandel. Man kann sie untereinander pfropfen und sogar kreuzen. Das geht aber wie bei allen interspezifischen Hybriden zu Lasten der Fruchtbarkeit. Allerdings sind Pfirsich-Mandeln (Prunus x amygdalopersica) besonders hübsch anzusehen mit großen rosa Blüten.
An Unterarten gibt es vor allem drei:
- Prunus amygdalus var. dulcis = Süßmandel mit süß schmeckenden Samen
- Prunus amygdalus var. fragilis = Krachmandel mit süß schmeckenden Samen, mit dünner, brüchiger Schale
- Prunus amygdalus var. amara = Bittermandel mit bitter schmeckenden, schon in kleineren Mengen giftigen Samen
Die Früchte des Mandelbaums sind Steinfrüchte wie Kirschen, Pflaumen oder Pfirsiche. Die drei sind auf viel Fruchtfleisch gezüchtet, die Mandel nicht. Der Kern – botanisch korrekt der Stein – umhüllt einen oder zwei Samen, die ihrerseits in einer pelzigen Samenhaut stecken.
Vor allem die Bittermandeln enthalten Amygdalin, das im menschlichen Körper zu Blausäure verstoffwechselt wird und daher hochgiftig ist. Zum Glück geht es bei Hitze kaputt, so kann man Cantuccini mit Bittermandeln bedenkenlos essen.
Die Mandel stammt aus dem Mittleren Osten, von Anatolien bis Usbekistan wächst sie an sonnigen Hängen bis in Höhen von 1.700 Metern!
Mit den Römern kamen Mandelbäume in die Pfalz und wurden hier bis zum 2. WK kommerziell angebaut. Vor allem die Dürkheimer Krachmandel mit leicht zu knackenden Schalen und großen Samen war verbreitet. Einzelne alte Bäume gibt es heute noch.
Mandeln mögen es sonnig und trocken und beides kriegen sie hier, denn die Berge des Pfälzer Waldes halten das Wetter vom Westen ab.
Aber man erntet eh kaum noch Mandeln. Heute dienen die Bäume zur Deko fürs Ortsbild und kurbeln den Tourismus an. Deshalb werde bevorzugt großblütige rosa Varietäten gepflanzt. Das sind meist Pfirsichmandeln oder Bittermandeln, die kaum brauchbare Früchte tragen. Hauptproduzent für Ess-Mandeln ist Kaliforien.


Unser Guide erzählt uns noch viel über die übrige Botanik, über Scharbockskraut, das in jungem Alter ungiftig und gut gegen Skorbut ist (Scharbock=Skorbut), von Weinbergslauch, wilder Kresse und Veronica. Und von den Kirschbäumen, die unter dem Klimawandel bzw. der Hitze leiden und an der Sonnenseite aufplatzen.
Kirschen wird es künftig in der Pfalz wohl nicht mehr geben. Dafür vielleicht Zitrusfrüchte. Und Oliven. Auf jeden Fall Oliven.
The times they are changing 🤷♀️.
Zum Abschluss kehren wir im Weingut Christmann ein, wo uns die polnisch-stämmige Juniorchefin Evelina ganz bezaubernd durch eine Rosé-Weinprobe führt und dabei das Weingut bestens repräsentiert. Wir kaufen zwei Kartönchen Wein (rosé und rot) und buchen gleich noch das Frühstücksbuffet für den nächsten Morgen (sehr opulent und lecker!).


Den verregneten Mittwoch verbringen wir – inzwischen beim Wein.Gut.PAN in Nußdorf angekommen – im HoGo. Auch mal schön und ich kann diesen Blogbeitrag schreiben.













