Überfahrt von Kiel nach Klaipeda
Montag, 25. 5., 20 Uhr bis Dienstag, 26.5., 18.30 Uhr
Da stehen wir nun also zwischen PKWs, WoMos, Lastern und einer Bundeswehrkolonne und warten auf die Einfahrt auf die Fähre. Mit dem nächsten Schwung sind wir dran!

Aber dann … macht der Anlasser zwei seufzende Umdrehungen und dann nix mehr. Noch ein Versuch und noch einer: Der HoGo streikt und springt nicht an 😰. Vor unserem geistigen Auge legt die Fähre ohne uns ab, einen dooferen Zeitpunkt hätte er sich kaum ausdenken können. Der Grund ist schnell gefunden: Batterie leer 🪫. Das Panel zeigt nur noch 10 V Spannung und das ist eindeutig zu wenig. 0%.
Volker läuft vor zum Fährpersonal, schildert das Problem kommt deutlich erleichtert zurück: Die Hafenarbeiter sind ganz entspannt und rücken kurz drauf mit dem Defibrillator an – also einer tragbaren Starthilfe. Nach ein bissel Sucherei sind der + und – Pol gefunden und mit dem Strom aus der Konserve springt der Ducato sofort an. Schweißperlabwisch für‘s erste. Vor lauter Uffreeschung haben wir natürlich keine Fotos davon gemacht. Wir erinnern uns sicherlich auch so dran.
Als allerletztes Fahrzeug fahren wir an Bord und werden zwischen Heckklappe und einem Bundeswehr-Laster festgezurrt.

Auch die Fährbesatzung hat einen Booster an Bord und ein freundlicher Mitarbeiter meint, das machen sie häufig, vor allem im Winter. Runter von der Fähre kommen wir also auch. Das kriegen wir später, auf den überstandenen Schreck gibt‘s erst mal ein alkoholisches Kaltgetränk 😅. Dann schauen wir der Regina beim Ablegen zu.


Der Rest der Überfahrt ist schnell erzählt, denn unsere Minikreuzfahrt mit der Regina Seaways der dänischen DFDS Reederei ist eher langweilig.
Ich sollte mir das mit der Hurtigruten-Kreuzfahrt 2040 nochmal überlegen 🤔.
Die Regina ist knapp 200 Meter lang und hat Platz für 532 Personen (davon können 414 in Kabinen schlafen), über 600 Autos oder 170 Trailer. Viele Trailer werden auch ohne Zugmaschine transportiert, das macht ja durchaus Sinn. Die Trailer sind dann fast wie Container. Wir lernen, dass ein solches Schiff Ro-Ro-Passagierfähre genannt wird. Ro-Ro steht für roll-on roll-off, die Fahrzeuge nebst Ladung rollen eigenständig an Bord.

Der Aufenthalt ist angenehm und entspannt, die Leute freundlich, das Essen OK und der 16 Jahre alte Kahn in gepflegtem Zustand.


Die ca. 715 km lange Überfahrt ist ruhig, 5er Wind und Wellen können der großen Fähre nichts anhaben. Obwohl am Dienstag bei achterlichem Wind rollt sie etwas. Aber wir sind ja seetüchtig.


Nach einer ruhigen Nacht (nur das Kopfkino beschäftigt sich gegen Morgen mit der Autobatterie 😖) werden wir um 9 Uhr Bordzeit (das ist 8 Uhr bei uns) von der freundlichen Ansage geweckt, das Frühstück sei fertig.
Nix wie hin! Das Buffet ist üppig und deftig. Scheinbar gehören Erbsen zur Leibspeise der Litauer, die gab’s nicht nur Abends und es wird sie zu Mittag geben, auch zum Frühstück werden die grünen Kügelchen serviert. Ich mag das! Volker spricht dem eingelegten Hering zu. Was es nicht gibt sind Brötchen. In Litauen isst man Brot, deftiges Schwarzbrot oder Graubrot mit und ohne Kümmel.
Von unterwegs schreibt Volker eine Werkstatt in Klaipeda wegen einer neuen Batterie an und erhält prompt eine Antwort-Mail: Man werde schauen, welche, Batterie wir brauchen und sich dann wieder melden. Das geht doch schon mal gut an!
Um 18 Uhr kommt unser Ziel in Sicht, wir passieren die Einfahrt ins Kurische Haff (schön langsam) und legen pünktlich in Klaipeda an.

Da rechts müssen wir hin und wir wundern uns kurz, denn rückwärts anlegen bedeutet, alle müssen rückwärts aus dem 200 Meter langen Bauch der Regina rausfahren. Hat halt keinen Bug zum hochklappen ⛴️🤷♀️. Wass’n Glück, dass wir ganz hinten stehen!

Wir werden sogar ausgerufen und dürfen vor allen anderen runter auf’s Parkdeck! Allerdings wissen die Mitarbeiter auch von unserem Batterieproblem. Aber unser Panel zeigt 12,6 Volt und der Motor springt brav sofort an! Geht doch 😅!

Da das schon mal geklappt hat, sparen wir uns die geplante Rundfahrt um Klaipeda zum Aufladen der Batterie über die Lichtmaschine, scheinbar hat der Booster ordentlich Strom in die Batterie gepumpt. Trotzdem: morgen gibt’s (hoffentlich) eine neue, die Werkstatt ist zuversichtlich eine vorrätig zu haben, wir sollen vorbeikommen, dann sieht man weiter. Daher fahren wir auch nicht mit einer weiteren Fähre rüber nach Smiltyne auf die Nehrung, sondern bleiben in der Stadt. Da gibt es zahlreiche ausgewiesene Parkplätze, auch für über Nacht und wir finden einen ganz netten, inmitten von Grün und großartiger Street Art.





Auch dieses putzige Haus steht gleich nebenan und ist vielleicht ein Vorgeschmack auf die Architektur der Altstadt.

Da gehen wir aber heute nicht mehr hin. Obwohl wir ja nur den ganzen Tag auf der Fähre rumgehangen haben, sind wir irgendwie feddisch. Klaipeda läuft uns schon nicht weg.
Und jetzt ist es endlich Zeit für unser erstes Streckenbild.



