Lazy Sunday

5. Juli 2026: Dolce far (fast) niente

Es regnet. Die halbe Nacht, den ganzen Morgen. Dann geht der Dauerregen in Schauer über, immerhin. So können wir auf der Fahrt zum Fährhafen Virtsu noch ein paar kleine Stopps einlegen: zwei Kirchen, drei Eichen, ein Aussichtsturm, ein Denkmal, der Batlpane sowie vier Geocaches und das Animal of the day.

Kirche Nummer 1 ist ein Jahrhundert-Pechvogel: Die erste Variante 1674 brannte nach 100 Jahren ab. Man baute eine neue aus Stein, die wiederum nach 100 Jahren (1870) einzustürzen drohte. Also baute man Stützpfeiler an die Außenwände. 1972 kollabierte dann der Glockenturm – Grund waren Bauarbeiten an einer Wasserleitung in der Nähe. Jetzt kann man noch gut 40 Jahre warten, bis zum nächsten Desaster.

Kirche Nummer 2 hat auch eine bewegte Geschichte, allerdings fand die Bewegung großräumiger statt: Das orthodoxe Holzkirchlein wurde nämlich 1860 in Rīga fertiggestellt und in Einzelteilen über die Eisstraße – die zugefrorene Rigaer Bucht – hierher transportiert.

Leider waren beide Kirchen abgeschlossen und die Fenster so hoch angesetzt, dass wir nicht hineinschauen konnten.

Schauen konnten wir dann vom hölzernen Aussichtsturm in Kastna, rüber zum Meerbusen, runter auf den HoGo und ins Land

Hier gibt es kaum Strände, typisch sind die Marschwiesen, die früher als Weideland und zum Heumachen genutzt wurden. Man forciert das heute wieder, um zu verhindern, dass die Wiesen verbuschen. Was darauf wächst und auch wachsen soll sind Wachholderbüsche, die hätte ich auf so einem doch eher feuchten Standort nicht vermutet. Ist aber so! Sie werden 5-6 Meter hoch. Das Vieh frisst sie nicht, weil sie zu stachelig sind.

Auf der kleinen Landspitze gibt es 3 uralte Eichen, die früher von den Seeleuten als Landmarken genutzt wurden und daher ihren Namen Kapitänseichen haben. Sie sind über 300 Jahre alt.

Wenige Hundert Meter weiter macht uns ein Geocache auf ein Monument aufmerksam, dass wir (und vermutlich viele andere) sonst nicht bemerken würden: Es ist ein Denkmal für den 2002 verstorbenen Schauspieler, Schriftsteller, Ethnologen (native Americans), Historiker, Übersetzer, Museumsdirektor, Architekten, Botaniker und Bogenschützen *lufthol* Omar Volmer. Bei uns kennt den keiner, hier wohl schon.

Die Gedenkstätte besteht aus einem großen Findling mit einem schmiedeeisernen Pfeil. Die drei Ringe stehen für Volmers drei Kinder.

Auf dem Rückweg zum HoGo begegnet uns ein sehr außergewöhnliches AoD: Ein kleiner Maulwurf, den vielleicht der viele Regen aus seinem Domizil vertrieben hat. War sehr schwierig zu erwischen, das Kerlchen, denn es suchte vehement nach einem neuen Eingang in die Unterwelt.

Und weil es so schön ist, noch ein bisschen Botanik: Wirklich großer Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium) und ein nasser Trupp Wurmfarn, der so schön in der Sonne glitzert.

Bleibt als letztes noch der „Batplane“ auf dem Kinder- (und Männer-) Spielplatz 🦇😂.

Das waren heute mit den Abstechern 78 Kilometer:

Von CP Ermistu Puhkeküla (E) über die Orthodoxe Kirche Selista (F), den Drei Eichen Kastna Tammed (G), dem Badplane (H) zu unserem heutigen CP Voosemetsa

Quartier nehmen wir auf einem sehr netten kleinen Campingplatz in der Nähe von Virtsu.

Mutterseelenallein. Im Regen.

Links stehen wir, rechts das Wohnhaus der Betreiber, eine Rezeption mit Küche und Aufenthaltsraum, dahinter das nagelneue Sanitärgebäude und da dahinter die Feuerstelle.

Bis zur Fähre auf die Insel Muhu sind es morgen Vormittag bloß noch 15 Minuten Fahrzeit. Das e-Ticket ist bereits gebucht.

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