2.-4. Juni (Di – Do): Zwischenstopp in Jurbarkas auf dem Weg nach Kaunas
Gegen 10 Uhr verlassen wir Klaipeda erst mal Richtung Osten. Dort liegt das Memeldelta, doch wir haben uns dagegen entschieden, hier einen weiteren Halt einzulegen. Wir müssen ja mal voran kommen! Die Straße führt durch plattes Land, halb verlassene Gehöfte am Straßenrand, viele unbeschrankte Bahnübergänge. Richtung Süden es wird waldiger, Laubbäume und Fichten anstatt der Kiefern.



I
Im kleinen NSG Rambyno regioninis parkas vertreten wir uns ein wenig die Füße. Volker eher mehr, denn er rennt die lange Treppe vom Hochufer runter an den Fluss. Die Memel ist hier auf ca. 100 km Grenzfluss.
Wir schauen also auf die russische Exklave Kaliningrad.

Der Rambyno kalnas (kalnas = Berg) galt übrigens als heiliger Ort und dient offenbar heute noch manchen Menschen als Kultstätte.

Die Straße mit der Nummer 141 ist viel befahren, gleicht aber dennoch über weite Strecken einem Flickenteppich, der arme HoGo ächzt und klappert und es rumpelt in den Schränken.

Als wir grade an einer Baustellenampel losfahren wollen stolziert seelenruhig ein Storch vor der Motorhaube über die Straße. Störche hat es hier in rauen Mengen, aber das ist ein besonders dreistes Exemplar. Hat wohl bei finnischen Rentieren gelernt.

Der Campingplatz in Jurbarkas ist bei unserer Ankunft fast leer: Wir, 2 Belgier und der Schweizer Chris mit seinem 13 Jahre alten Labrador Retriever Benny.




Später kommen noch ein paar Gäste, unter anderem ein älteres Ehepaar aus Südafrika mit schwer bepackten Bio-Fahrrädern (also natürlich nicht aus Südafrika mit dem Rad, bis Amsterdam sind sie geflogen, aber von da ab!), ein Däne, und noch 1, 2 Campervans aus Litauen.
Chris lädt alle für den Abend zu einem Apero am Lagerfeuer ein und wir gesellen uns gern zu ihm. Jede/r erzählt was er so macht: Chris umrundet seit 2025 als Radnomade Europa, „randwärts“ nennt er sein Vorhaben. Benny fährt im Lastenrad mit. Der Däne umrundet per Fahrrad die Ostsee, Wis und Rob aus Belgien (in unserem Alter) inspizieren im Auftrag von ACSI die Campingplätze in Litauen. Wir machen „nur“ Urlaub


Es ist ein sehr, sehr schöner Abend an dem kleinen Lagerfeuer. Wir stellen bald fest, dass wir alle in unseren Ansichten sehr nah beieinander sind und so drehen sich die Gespräche wirklich um Gott und die Welt.
Der internationale Meinungsaustausch wird für mich aber noch getoppt, als ein junges Paar – sie Litauerin, er Deutscher, vorbeikommt. Wieso das erstaunlich ist? Nun, da fährst du fast 2000 Kilometer weit weg, kampierst an einem Ort, der in kaum einem Reiseführer steht und triffst einen jungen Mann … aus Kollig! Dem 600-Seelen-Nachbarkaff von meinem Heimatort Naunheim (450 Einwohner) . Seine Oma (Stein mit Nachnamen) stammt aus Naunheim, erzählt er. Da bin ich wirklich perplex! Aber so was von! Von 84 Millionen Deutschen treffen sich ausgerechnet hier in 2.000 km Entfernung zwei Menschen, die aus zwei kleinen Nachbardörfern in der Osteifel stammen. Darüber schüttele ich wahrscheinlich noch in Jahren den Kopf!
Am Mittwoch scheint erneut die Sonne und wir machen eine kleine Radtour nach Jurbarka und entlang der Memel.





Das touristische Highlight Jurbarkas ist ein Herrenhaus, dass es nicht mehr gibt, man könnte es also eine Unsehenswürdigkeit nennen.


Einzig übrig geblieben ist der Eingangsportikus im Look eines griechischen Tempels. Und rechts und links sind zwei Nebengebäude. In einem befindet sich die Touri-Info und in dieser wiederum … tada … ein Geocache. Das ist schon die dritte bedoste Touristeninformation, mal sehen wie viele es noch werden.
Damit beschließen wir das Sightseeing in Jurbarka und radeln memelaufwärts nach Panemunė zu einem leibhaftig vorhandenen Pilis (Schloss).


Die ersten 8 Kilometer führt ein netter Radweg entlang der Memel, später eine kleine Straße durch ein reichhaltig bestorchtes Dorf. Die restlichen 5 Kilometer sind ohne Radweg an der vielbefahrenen 141 entlang. Der Umweg den wir hinzus nehmen taugt auch nicht viel mehr: zwar kein Verkehr, aber Schotterstraße.
Aber schließlich stehen wir vor Schloss Panemunė, das in einem schönen englischen Landschaftspark liegt.

Erbaut wurde es ab dem 17. Jahrhundert und zwar in guter nordischer Tradition komplett aus Ziegelsteinen. Außen Sichtmauerwerk, im Innenhof ist die Fassade verputzt. Es gilt als das am besten erhaltene Renaissanceschloss Litauens und diente stets repräsentativen, nicht militärischen Zwecken.

Für 2,50 Euro (Seniorenrabatt) können wir das Innere besichtigen (staatliche Museen/Ausstellungen scheinen generell preiswert zu sein) und stellen wieder fest, dass die Litauer es wirklich verstehen, Dinge gut, modern und ausgefallen in Szene zu setzen: hier mit einem gedeckten Tisch, Videoprojektionen und integrierten Ausstellungen.


Am End klettern wir auf den Turm, wobei klettern hier fast wörtlich zu nehmen ist: Statt Treppen gibt es steile hölzerne Stiegen, fast schon wie Leitern.

Auf der 8. Ebene hat man einen Blick über die gesamte Anlage.



Wir belohnen uns im Schlosscafé mit Grimbergen und einer Portion des leckeren gerösteten Knobibrots, hier mit extra Aioli und Reibekäse.
Dann geht es flugs wieder nach Hause und wir packen für die morgige Weiterreise zusammen.



