Viele Inseln, eine Burg: Trakai

Samstag, 6.6.2026

Wenn man eine Reise nicht am Schreibtisch zuhause generalstabsmäßig durchplant, sondern nur eine ungefähre maršruta 😉 festlegt, wirft das manchmal Fragen auf. Eigentlich sogar oft 😂. Ganz sicherlich heute früh um 8: Unser Ziel Trakai war klar, aber sonst 🤔: wie lange bleiben, welchen Stellplatz anfahren, sind die Samstags mittags alle voll, gibt es Alternativen, was wollen wir besichtigen, wie lange brauchen wir dafür, wann fahren wir weiter nach Vilnius, wohin dort …. puhhh 😰. Ich hab‘s mir einfach gemacht und Volker die Entscheidung überlassen.

Und nun stehen wir um 19:43 mit Blick auf viel grüne Wiese im Sonnenschein 15 Gehminuten von der Inselburg entfernt auf einem privaten Stellplatz für schlappe 22 Euro, wie in Großmutters Schoß. Der Betreiber erinnert uns etwas an Arne von der norwegischen Vogelinsel Runde 🤣, nur dass er keine Spielsachen rausstellt.
Die Burg ist besichtigt, Aperol Spritz am Seeufer genossen, Essen ist fertig, morgen geht‘s weiter.

Aber den Besuch der Burg muss ich natürlich noch liefern!

Die bietet so ein Postkartenmotiv, wo man mit dem Knipsen gar nicht mehr aufhören mag. Dabei ist es am End immer das Gleiche.

Trakai liegt inmitten einer von der Eiszeit geschürften Seenplatte mit zahllosen Inselchen und Inseln. Bei der Siedlung Trakai wurde in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Burg auf einer Insel gebaut, gut geschützt vor Angriffen der Deutschordensritter und zeitweise Residenz des Großfürsten von Litauen.

Obacht Geschichtsstunde!
Das Großfürstentum Litauen entstand nicht zuletzt unter dem Eindruck der Expansion des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert. Hinzu kam der Einfall der Mongolen in Osteuropa, der den Niedergang der Kiewer Rus markierte. Bis Litauen kamen die Mongolen aber nicht und Großfürst Gediminas und seine Nachkommen nutzten das Machtvakuum und machten Litauen zu einer osteuropäischen Großmacht.

Man sieht, dieses Großfürstentum war wirklich riesig! Das heute zu Litauen gehörende Memelland gehörte nicht dazu, es war vom deutschen Orden dominiert und wurde später zu Ostpreußen.

Wie das nun aber so ist, wer groß ist hat Neider und Feinde. So strebte Litauen zumindest nach Westen eine Absicherung an und verbündete sich mit dem Königreich Polen. Praktischerweise war da 1386 die Herrscherdynastie ausgestorben und eine minderjährige Prinzessin stand zur Heirat zur Verfügung. So wurden Litauen und Polen über Jahrhunderte in Personalunion regiert, anfangs hatten die Litauer die Nase vorn, später die Polen. 1569 wurde daraus ein gemeinsamer Staat. Der endete mit den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts.

Am Seeufer auf dem Weg zum Steg, der Festland und Insel verbindet, ist high life: Bars, Restaurants, Souvenirstände und Bootsverleiher am laufenden Band. Auf dem See ist auch Betrieb, ein Verkehr wie im Hamburger Hafen (naja, nicht ganz) und neben Segel-, Tret-, Ruder- und Auflugsbooten auch kuriose Gefährte wie ein schwimmendes Donut mit Terassenschirm.

Ein türkisches Ehepaar bietet uns an, statt Selfie ein Foto von uns zu schießen und stellt sich gleich gut gelaunt mit ins Bild. Das ist auch eine Art Völkerverständigung!

Burghof Vorburg

Die Inselburg ist eine Doppelburg, könnte man sagen, an die große Vorburg mit großem Burghof schließt sich der höher gelegene Fürstenpalast mit seinem hoch aufragenden Bergfried an.

Zugang zum Fürstenbau

Wir berappen 14 Euro Eintritt (es lebe der litauische Seniorenrabatt von 50%) und tun genau das, wobei wir vorher noch die Ausstellungsstücke in den ehemaligen Räumen der Burgmannschaft bewundern. Schöne Dinge aus Porzellan, Elfenbein, Glas und Perlenstickerei aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Die hat man hier nie benutzt. Burg Trakei war ab dem 16. Jahrhundert nicht mehr standesgemäß, sie diente nur noch als Sommerresidenz, sprich Ferienhaus und wurde im den Kriegen mit Russland Mitte des 17. Jahrhunderts schwer beschädigt. Man baute sie nicht mehr auf, denn die Adligen des 17. und 18. Jahrhundert zogen ein prächtiges Barockschloss oder ein standesgemäßes Stadtpalais einem Altbau auf einer Insel allemale vor.

Im Innenhof des Fürstenpalais
Blick min die andere Richtung
Der Thronsaal mit herrlichem Kreuzrippengewölbe aus Backstein
Burg Trakei zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Ende des 19. Jahrhundert begannen die Romantiker sich wieder für die Burgruine zu interessieren, der systematische Wiederaufbau fand aber erst ab den 1960er Jahren statt. Dabei sollte man meinen, dass die Sowjets solch ein Relikt des Feudalismus eher abgerissen hätten, als einen Finger für den Erhalt zu rühren. Aber man verkaufte die Burg als Symbol für den Kampf gegen den Klassenfeind, id est die bösen Deutschen. Und ein klitzekleines bisschen stimmt das ja auch, wenn man an die Anfänge und die Ordensritter denkt.

Am späten Abend, so gegen 23:30 gehen wir nochmal die paar Meter vom HoGo zum Seeufer und erfreuen uns a) am Sonnenuntergang und b) an der beleuchteten Inselburg. Schee!

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