Über Goldingen nach Windau

Mittwoch, 24. Juni 2026: Johannistag ist Reisetag

Wir steuern Kuldiga an. Goldingen ist sein alter deutscher Name. Wir sind nun auch wieder in Kurzeme, in Kurland, der westlichsten der drei historischen Ostseeprovinzen.

Kuldiga ist seit 2023 UNESCO Welterbestätte, weil sein historischer Stadtkern original erhalten ist. Bekannter ist das Städtchen jedoch für den Venta rumba, den Wasserfall des Flusses Venta, der als einer der breitesten in Europa gilt.

Da sich uns gleich neben dem Parkplatz ein schräger Aussichtsturm in den Weg stellt, schauen wir uns das Ganze erst einmal von oben an.

Sehenswert ist auch die alte Brücke über die Venta, auf sieben Feldsteinpfeilern wurde sie 1874 komplett aus Ziegelsteinen gemauert. Leider wurde sie im 1. WK zerstört und aus Beton wieder aufgebaut, die Backsteine sind heute nur noch Deko.

Auch vom Schloss der Herzöge von Kurland ist nichts mehr übrig, man hat aber eine Attrappe auf Glas aufgestellt, die aus dem richtigen Blickwinkel das Schloss wieder an seinen alten Platz bringt. Eine nette Idee!

Und dann stehen wir vor dem breiteten Wasserfall Europas: 250 Meter ist er breit, beim Hochwasser sogar noch 20 Meter mehr. weniger spektakulär ist die Höhe, sie liegt um die 2 Meter.

Das Wasser fällt über eine natürliche Gefällstufe aus hartem Dolomit. Wie man sieht, ist es im Sommer eine beliebte Badestelle. Doch solle man auf den glitschigen Felsen schon gut aufpassen!

Wir haben Ähnliches an der Loue und am Ognon gesehen, dort sind noch viel längere Schrägwehre über den Fluss gebaut. Aber das ist von Menschenhand gemacht, hier ist es natürlich.

Allerdings war dieser Wasserfall den Herzögen von Kurland ein Dorn im Auge, behinderte er doch den Gütertransport gar gewaltig. Ein Herzog Jakob gab daher im 17. Jahrhundert den Auftrag, einen Umgehungskanal zu buddeln. Doch die Arbeiten blieben erfolglos: Man kam nicht durch das harte Dolomitgestein und das Geld ging aus. Dann eben auf die harte Tour, dachte sich der Herzog, und wollte den Wasserfall wegsprengen. Doch statt des Felsriegels begann sein Schloss zu bröckeln. Also ließ man es ganz sein. Auch unter zaristischer Herrschaft wurde das Projekt wegen Geldmangel und Kriegen nicht beendet. Irgendwann lohnte es auch nicht mehr, denn der Fluss ist sehr flach und moderne Gütertransporte wären eh nicht möglich.

Anschließend geht es für uns in die Stadt, wo Schilder uns sogleich zu einem weiteren „Wasserfall“ schicken, der sich aber als Wehr einer verfallenen Mühle entpuppt.

Verfallen, das ist auch die Bezeichnung, die uns zum mittelalterlichen Stadtkern einfällt. Mal abgesehen davon, dass das alles sicherlich nicht aus dem13. Jahrhundert stammt, ist es doch sehr schäbig, vom Rathausplatz mal abgesehen. Sehr viele Häuser stehen leer und bröseln vor sich hin. Da ist noch viel zu tun!

Bei einem kleinen Snack auf dem Rathausplatz beschließen wir, heute noch nach Ventspils weiterzufahren. Auf dem dortigen großen Campingplatz finden wir eine schöne Parzelle. Hier wird nun endlich mal ein Haushaltstag eingelegt: HoGo putzen und Wäsche waschen ist nach 4 Wochen wirklich mal nötig!

Vom Usmas ezers (H) über Kuldiga nach Ventspils (I), 99 km – ewig geradeaus Strecken und äußerst langweilig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert