Sonntag, 2. bis Montag, 3. August 2026: Noch ein Forellenhof und der älteste Cache des Baltikums
Am Sonntag morgen sind einige hausmeisterliche Verrichtungen zu erledigen. Challenge 1: Einkaufen, aka die Überlistung der Selfservice-Kasse – die wiegt nämlich alles und WEHE man hebt einen Artikel auch nur einen Hauch an, um den Stapel zu stabilisieren: MÖÖÖÖP 😨. Servicekraft kommt, guckt entweder mitleidig und resettet das System oder genervt und scannt alles neu ein. Heute haben wir Glück und kriegen nur ein MÖÖÖP und ein Reset 😅.

Task 2: Waschsalong (kein Tippfehler, salong ist salongfähiges estnisch!). Das ist kein Problem, handelsübliche Industriewaschmaschinen sind hart im nehmen.


Task 3: Wäsche trocknen. Dafür bietet sich unser heutiger Übernachtungsplatz an, ein Parkplatz in einer Sackgasse im Wald in unglaublichen 27 Kilometern Entfernung von Tartu und versaut uns mal wieder den Schnitt.

Ich verbringe den Nachmittag mit Erwerbstätigkeit – Jahresabschlussprüfung der Stiftung, und der WP hat Rückfragen. Dank der landesüblichen 5G/2 Balken im hinterletzten Waldwinkel ist das kein Problem!



Einen Katzensprung (siehe obige Galerie unten rechts) entfernt züchtet Vapamäe Forell riesige Lachsforellen und Volker bestellt uns für 18 Uhr eine vor. Auch hier gibt des das Angebot, die Viecher selbst zu angeln, aber wer weiß was anbeißt? Einen 4 Kilo-Fisch könnten wir nicht verspeisen, also setzen wir wie im Pidula Forell auf Fremdgeangeltes. Selbst das ist eine Riesenportion. Und saulecker!

Das Anwesen ist ein Träumchen! Sitzgruppen stehen am Ufer des Flusses oder am See, Hütten stehen auf Plattformen im Wasser, Tische und Bänke unter Trauerweiden. Alles so weit voneinander entfernt, dass man das Gefühl hat, man ist alleine hier, ganz exklusiv. Wunderbar!
Sehr gut gesättigt, mache ich mich am Abend mal wieder ans Bloggen und wir schlafen sehr gut, weil endlich mal kein blödes Laternenlicht durchs offene Fenster blendet.
Am Montag streichen wir kurzerhand den Spaziergang am Flüsschen Elva und verbessern statt dessen den Kilometerschnitt. Der einzige Abstecher von der ansonsten schnurgeraden Route zum Gauja-Nationalpark (in Lettland!) bringt uns zum ältesten aktiven Geocache Estlands, ich glaube sogar des gesamten Baltikums GC263, versteckt am 10. Februar 2001, genau einen Tag vor dem ältesten aktiven Cache Deutschlands in meiner Heimat, mit Blick auf Burg Eltz, Medieval viev.
Wie das so ist … hält man erst mal an, entdeckt man noch mehr als meint. Die Dose liegt nämlich nicht irgendwo, sondern auf dem Gelände einer ehemaligen Ordensburg, die im 17. Jahrhundert zerstört wurde. Das Rittergut Helme nebenan gehörte verschiedenen deutschbaltischen Adelsfamilien, unter anderem um das Jahr 1800 den Edlen von Rennenkamp. Die angeheiratete Dame des Hauses, Elisabeth Dorothea geborene von Gerstorff war eine große Verehrerin Friedrich Schillers und ließ ihm zu Ehren im Park des Gutshauses einen Obelisken errichten – kurz nach SchillersTod 1805. Der Obelisk ist zwar spurlos verschwunden, gilt aber als das allererste Schillerdenkmal überhaupt. Ein Gedenkstein erinnert daran.

Zum Cache sind es dann nur so ca. 200 Meter und ein dezidierter Trampelpfad weist den Weg. Das ist schon eine Pilgerstätte hier, nur knapp haben wir 2 andere Teams verpasst. Und würdig gestaltet: Ein Holzstamm als Bank, eine Gedenkplakette und ein schönes Versteck. Da werden wir fast ein wenig ehrfürchtig!

Auf dem weiteren (Rund-)Weg kommen wir an den Sandsteinhöhlen von Helme vorbei. Früher war das ein ganzes Höhlensystem mit langen Gängen und sieben Kammern, um dass sich viele Sagen ranken. So soll ein Gang direkt mit der Hölle in Verbindung gestanden haben 👹. Die Sandstein-Höhlen und Kavernen sind ursprünglich vom Fluss ausgewaschen worden, wurden zur Zeit der livonischen Kreuzzüge zu Verstecken mit Geheimgängen erweitert und der Herr von Rennenkamp vergrößerte sich nochmals und machte daraus eine Besucherattraktion in seinem Gutspark. Ein Gang führte zum Beispiel zum Schiller-Obelisken. Doch die Höhlen vertrugen diese ganzen Manipulationen nicht, sie stürzten ein und heute ist nur noch ein Eingang begehbar. So sieht es da drinnen aus: l





Noch ein Stück weiter kommen wir an den Überresten der Ordensburg vorbei. Und auch hier erzählen die Erklärtafeln eine gar schröckliche Sage von einer jungen Frau namens Anne, die in die Burgmauer eingemauert war und sie mit einem Zauber beschützte. Die Reste von Annes Mauer stehen bis heute.



Das war also wesentlich mehr, als „nur“ ein Geocache! Zudem gab’s als Belohnung noch ein Jäätis auf die Hand, zwei Riesenbällchen in knuspriger Waffeltüte für 3 Euro! Fast geschenkt.
Wir fahren dann noch um die 90 Kilometer weiter, passieren fast unbemerkt die Grenze nach Lettland (man merkt es nur an den Straßen, die mal kurz schlechter werden und an den ă-ĕ-ç-ī …).

Unser Ziel ist der Gauja-Nationalpark und hier der CP Apalkalns, den die Mädels empfehlen. Und das völlig zu Recht! Wir ergattern noch einen (letzten) Stellplatz am Ufer des Sees, mit eigener Holzterrasse, Tisch, Bank, Liegestuhl und Badesteg! So ein Pech aber auch 😂.


Ein Grill ist natürlich auch da und es gäbe sogar Feuerholz für umme, aber wir haben noch Vorräte. Und so gibt es heute Steak mit Maiskolben und Wachsbohnensalat – die frischen Bohnen gab’s für
4 Euro das Kilo an der Rezeption.


Hier werden wir ein Weilchen bleiben! Es werden bestimmt 4 Nächte werden – der Nationalpark hat viel zu bieten.









