Freitag, 24. bis Montag, 27. Juli 2026: Von Tallinn an die Küste
Ich wollte meine poetischen Ausführungen zu Tallinn nicht mit Stehfotos vom Kilroy beenden (sorry an Kilroy und den Piloten), deshalb werden die nun hier nachgeliefert. Ist ja doch recht spannend, was man aus der Luft zu sehen bekommt:
Das Gelände der olympischen Segelregatten von 1980, die Hangars des Wasserflughafens und die Suur Töll bei Sonnenschein, Blick auf Toompea mit gut vertäutem Segelbooot und Wrack im Vordergrund, der Blick auf unseren Stellplatz und das Stehfoto mit winkender Uschi.






All das kann uns aber nicht aufhalten, weiter geht’s! Der Tag versaut sich nicht von alleine. Da unsere Tallinn-Card noch bis 11:40 Uhr gilt, beschließen wir einen kleinen Umweg zum Tallinn TV-Tower zu machen, der liegt nur ein klein wenig abseits der geplanten Route.
Kaum sind wir angekommen, lernen wir schon wieder was. Nämlich dass dieser TV-Spargel eine ganz wichtige politische Rolle bei der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit hatte.
Während des 3-tägigen Putschversuchs in Moskau im August 1991 nutzte das im Jahr zuvor wieder etablierte estnische Parlament die politischen Wirren und erklärte am späten Abend des 20. August 1991 den Austritt aus der UdSSR und die Wiederherstellung der vollen staatlichen Unabhängigkeit.
Daraufhin rückten sowjetische Panzereinheiten auf Tallinn vor, um den Fernsehturm zu besetzen und die Kommunikation zu kontrollieren. Estnische Freiwillige blockierten die Eingänge, schützten die Sendetechnik, bis die Nachricht vom Scheitern des Putsches in Moskau eintraf.
Danach erkannte als erstes Land Island und kurz darauf die Europäische Gemeinschaft sowie die USA die Unabhängigkeit der baltischen Staaten offiziell an. Im September erfolgte auch die Anerkennung durch die Sowjetunion, bevor sie sich am 8. Dezember 1991 auflöste.
Dass die jetzige russische Regierung sich an ihre Zusagen von vor 35 Jahren hält, ist sehr zu bezweifeln. Wollen wir hoffen (und dafür sorgen), dass sich die Geschichte nicht ein drittes Mal wiederholt.

Auch die Baugeschichte des Turms ist interessant, er galt als Prestigeobjekt für die Olympischen Spiele in Moskau 1980 – in Tallinn fanden die Segelwettbewerbe statt. Trotz Bevorzugung der Baustelle in Sachen Materialbeschaffung und Arbeitseinsatz wurde der Turm gerade mal 11 Tage Woche vor Eröffnung der Spiele im Juli 1980 eröffnet.

Wir fahren mit dem Turbolift zur Aussichtsplattform mit Restaurant in 170 Metern Höhe.




Oben kann man nicht nur runtergucken, man kann bzw. könnte auch angeschnallt auf dem alleräußerten Rand der Plattform rumlaufen 😱 und man kann ein paar technische Spielereien machen, Morsen, Blitze lenken und der ersten europaweiten Radiobotschaft zum Neujahr 1937 lauschen.




Das war ein sehr lohnender Abstecher, zudem 28 Euro gespart, weil noch auf Tallinn-Card. Alles richtig gemacht 👍️.
Das Gesparte und mehr haben wir gleich mal in 2 T-Shirts reinvestiert.
Wir fahren dann weiter zu einem weiteren Superlativ, dem höchsten Wasserfall Estlands (oder des Baltikums, ich weiß es nicht mehr), dem .


8 Meter bringt er auf die Messlatte, leider mangelt es im Sommer etwas an Wasser. Aber schee isser schoo!

Auch hier ist wie beim Keila-Wasserfall die obere Felsschicht härter als die unteren, die werden ausgewaschen und die überhängenden Platten brechen irgendwann ab. So wandert der Wasserfall pro Jahr im Mittel etwa 17 cm zurück.




Beeindruckend sind auch die Fossilien, die man hier zu hauf im Kalkstein findet. Es sind Cephalopoden (Kopffüßer) namens Orthoceras (Geradhörner), verwandt mit Kalmaren und Ammoniten. Dieses Exemplar ist gut und gerne 30 cm lang!
Kleiner Spaß am Rande: Aufkleber auf dem Volvo der neben uns parkt. Estnischer Humor! Man sieht hier viele Volvos, sehr wenig BMW, AUDI, Mercedes, nur ab und an mal einen Tesla. Die Leute fahren vernünftige, kleine Mittelklasseautos, viele Asiaten.

Am Nachmittag kommen wir auf unserem hübschen Campingplatz an und ergattern ein Plätzchen direkt an der Steilküste.




Volker schickt Kilroy auf Erkundungsflug und der kommt mit einem dekorativen Schiffswrack zurück.


Dann heißt es warten auf den Sonnenuntergang am best place ever direkt vor unserem Hogo.


Am nächsten Morgen dann nicht mehr arg so sonnig aber trotzdem sehr schön der Ostseestrand.


Erste Flugversuche der Jungstörche …






