Amata, Krimulda, Sigulda und Turaida

Donnerstag, 6. bis Sonntag 9. August 2026: 2. Etappe im Gauja-Nationalpark

Off the record: Schräge Vögel

Hört sich an wie die Schönheitsköniginnen des Baltikums, sind aber unsere Ziele für heute und die nächsten Tage.

Der Nationalpark Gauja ist wirklich ein Ferien- und Freizeitparadies. Was man hier alles unternehmen kann! In und um Cēsis war ja schon viel Angebot, aber Sigulda bietet wirklich jedem was, ob Baby oder Senior, Couchpotato oder Adrenalinjunkie, Naturliebhaber, Kulturfreak oder Feinschmecker … für jeden ist was im Angebot und das auch bei Schnee, den Sigulda ist auch Wintersportzentrum.

Also fein der Reihe nach!

Schweren Herzens verabschieden wir uns vom herrlichen Apalkalns Lakeside Campingplatz, der war wirklich ein Träumchen!

Nach eingehenden Recherchen im Reiseführer, Internet sowie on- und offline Karten ist es uns am Vorabend gelungen, den Startpunkt der Wanderung zu identifizieren, die die Mädels der Reiseliteratur gemacht haben. Das hat fast so lange gedauert, wie die kleine Wanderung selbst 😂. Es geht um den ersten Abschnitt des Amata-Trails, eines ca. 21 km Pfades entlang des Flüsschens Amata, ein Nebenfluss der Gauja. Der Weg dorthin führt wieder über eine der grauenhaften Waschbrett-Pisten* Lettlands 🙈😭. Doch die Mühe hat sich gelohnt!

*Die Entstehung dieser Riffelpisten ist übrigens ein physikalisches Phänomen!

Am einfachsten ist’s, wir machen das gleich nochmal:

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Los geht’s

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Wunderschön! Leider fühlen sich auch die Bremsen (dragonflies) dort sehr wohl und denen ist es scheißegal, mit wieviel Autan, Off oder Anti Brumm man sich eingesprüht hat. Sie beißen! Eventuell helfen weite Klamotten, die nicht auf der Haut anliegen – dann beißen sie vielleicht ins Leere.

Es war trotzdem ganz arg schön, wie Karin sagen würde 😉, und mein Lieblingsbild gibt es als Nachschlag:

Auf dem Weg zum Campingplatz in Sigulda entdeckt Volker einen kleinen Igel, der verloren auf der Schotterpiste hockt – womit wir endlich mal wieder ein Animal of the day präsentieren können. Ich hab den Kleinen so vorsichtig wie möglich an den Seitenstreifen bugsiert, wo er sich langsam vom Schreck erholt hat. Aber einen richtig fitten Eindruck hat der nicht gemacht 🙁.

Den Rest des Nachmittags hängen wir auf dem Campingplatz ab, mal scheint die Sonne, mal grummelt es, es sieht nach Regen aus, aber mehr als ein paar einzelne Tropfen gibt es nicht.

Das obligatorische Stehfoto

Die Landschaft um Sigulda nennt man die Lettische oder Livländische Schweiz, will meinen eine reizvolle Gegend mit Wald, Wasser, Hügeln und Felsen. Das Hügelige ist dem Tal der Gauja geschuldet, das hier mit über 80 Metern seine größte Tiefe erreicht. Da geht es schon mal so steil den Bersch enunner, dass man eine Skipiste, eine Bobbahn und drei kleinere Skisprungschanzen bauen kann! In der Tat ist Sigulda auch ein beliebter Wintersportort und im Rennrodeln und Bob werden hier internationale Wettkämpfe bis hin zu Weltmeisterschaften ausgetragen. Es gibt wahnsinnig viele Freizeitangebote – selbst so exotische wie Bungeejumping aus der Seilbahn.

Auch gibt es viel Kultur, das Gauja-Tal war schon sehr früh besiedelt. Die letzten Heiden in Europa – das war, wie wir bereits wissen, die Klientel des Schwertbrüderordens. Er besetzte das Gebiet und baute 1207 die Festung Segewold, so der deutsche Name von Sigulda. Das gefiel wiederum dem Erzbischof von Riga nicht besonders, und er ließ in Sichtweite gegenüber 1214 die Burg Turaida (Treyden) errichten. Bis ins 16. Jahrhundert dauerten die Zwistigkeiten zwischen Orden und Erzbischof, bis der Livländische Krieg dem ein Ende bereitete.

Machtverhältnisse im Baltikum um 1550
Ronald Preuss, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5712306

Über 150 Jahre dauerten die Nordischen Kriege um die Vorherrschaft im Ostseeraum – von Osten kamen die Russen, von Norden Schweden und Dänen und von Südwesten Polen-Litauen. Im ersten dieser Kriege, dem Livländischen (1558-1583), griff Russland an, verlor aber gegen Polen-Litauen und Schweden. Die teilten dann die eroberten Territorien unter sich auf, Livland zu Polen-Litauen, Estland zu Schweden. Im nächsten Krieg dem Schwedisch-Polnischen, siegte Schweden und im letzten, dem Großen Nordischen Krieg, behielt Russland die Oberhand. Ab 1721 war quasi das gesamte heutige Staatsgebiet von Lettland und Estland russisch. Den Rest – das (übrige) Großreich Polen-Litauen – teilten Russland, Österreich und Preußen 1785 untereinander auf.

1721 kam Livland zum  Russischen Reich und immerhin kehrte dann für etwa 200 Jahre Ruhe ein. Neben die Ruine von Burg Segewold baute ein Prinz Kropotkin 1878 bis 1881 ein neugotische Schloss nebst Park und seine Frau Olga sorgte 1890 mit ihrem Einfluss und politischen Gespür dafür, dass Sigulda an die Bahnlinie Riga-Pskov angebunden wurde. Das kostete sie einiges an Schmiergeld und das Versprechen, einen besonders schönen Bahnhof zu bauen. Sigulda wurde dann rasch zu einem Top-Resort für die (russische) Oberschicht.

Und ein Top-Resort ist Sigulda auch heute noch, alles mal wieder wie geleckt, super Fahrradwege, schöne Parks mit alten Bäumen, Kunst und Blumenschmuck, alles sauber und freundlich, ohne gekünstelt zu wirken.

Unser erstes Ziel am Freitag ist der schöne Bahnhof von Sigulda, es ist allerdings nicht der von 1889, sondern ein neuer aus dem Jahr 1951.

Die Ausstellung auf dem Bahnhofsvorplatz stellt einen der ersten professionellen Fotografen Lettlands vor, Martins Buclers (wir erinnern uns: bei Männernamen immer schön ein S anhängen 😂). EIn ZItat von ihm ist mir aufgefallen und ich finde es sehr (be)merkenswert!

Die Weiterfahrt verzögert wegen eines weiteren Plattens an Emils Hinterreifen (puuh, auch viele „s“). Praktischerweise direkt neben einer Fahrrad-Servicestation. Sigulda denkt an alles!

Volker entdeckt auch den Bösewicht, der nun schon 2 Schläuche auf dem Gewissen hat: ein winziger Glassplitter steckt im Mantel! Schwalbe Marathon plus ist auch nicht mehr das, was es mal war. Andererseits hätte der Herr Neumann bei der Inspektion auch mal den Mantel austauschen können, der ist schon ziemlich abgefahren. Je nu 🤷‍♀️.

Aus dem üppigen Unterhaltungsangebot Siguldas suchen wir uns als erstes eine Fahrt mit Lettlands einzigster Seilbahn aus! Nur ein Tragseil, nur eine Kabine und keine Stützen, sowjetrepublikanische Spitzentechnologie aus dem Jahr 1969 😱.
Da die Bahn aber nun 57 unfallfreie Jahre hinter sich hat und mittlerweile wohl nach EU-Kriterien gewartet wird, gehe ich das Wagnis ein.

Solange ich nicht die beiden alternativen Angebote nutzen muss, ist mir ziemlich alles recht! Angebot 1: ein Bungee-Sprung aus der Kabine aus 43 Metern Höhe über der Gauja (die Übersetzung in Latvia Travel lautet übrigens „Gummisprung“ 🤣).

Angebot 2: Die Turbo-Zipline, können wir live erleben!

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Startrampe

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Volker behauptet, er würde das ja machen – aber nur mit mir! Da er genau weiß, dass mich weder Geld noch eine Pferdeherde in diese Maschine bringen, kann die Ernsthaftigkeit dieses Anerbietens in Frage gestellt werden!

Wahrscheinlich die einzige Seilbahn mit (plastik-)begrünter Decke

Wir gondeln in der Gondel die exakt 1.020* Meter rüber nach Krimulda (eine Digitalanzeige zählt mit!) und drinnen in der Kabine ist es ein bisschen wie in einem Gewächshaus oder im Gemüsefach vom Kühlschrank, was ich sehr beruhigend finde.
Das Fotografieren überlasse ich aber Volker, klammere mich an die Haltestange und zähle die Meter mit. In der Kabine herrscht andächtge Stille und weil es keine Stützpfeiler gibt, schuckelt und schaukelt es auch nicht.
* Weltrekord: Die Zugspitzbahn mit 3.200m

Oben erwartet uns die Ruine von Schloss Krumen – ebenfalls eine ehemalige Dependance des Erzbistums Riga – und der weitläufige Gutshof von Krimulda aus dem 19. Jahrhundert.

Das prächtige klassizistische Herrenhaus wurde in den 1930er Jahren in ein Lungensanatorium für Tuberkulosekranke umgewandelt. Rund um den Park zieht sich eine Galerie von Holzkabinen, in oder vor denen die Patienten Luftbäder nehmen konnten.

Auch heute ist das Gutshaus eine Reha Einrichtung und kann im Sommer 127 Gäste aufnehmen. Wer etwas Geld übrig hat und sich beruflich verändern möchte: Das komplette Anwesen mit Herrenhaus, 16 Nebengebäuden und 53 ha Land steht zum Verkauf. Preis auf Anfrage.

Wir sind ganz froh, dass wir ein Rückfahrticket gekauft haben, denn der Fußweg zurück zum Ausgangspunkt der Seilbahn wäre sehr lang und beschwerlich geworden. Außerdem haben wir unterwegs diese Turbo-Gleiter „eingesammelt“ und zurückgeschubst, was wirklich ein einmaliges Erlebnis war 😱😂.

Wir sausen dann mit den Fahrrädern runter ins Tal der Gauja, über die schön beflaggte Brücke und sind erstaunt, dort unten unser nächstes Ziel vorzufinden – das hatten wir viel weiter oben erwartet.

Es ist *Trommelwirbel 🥁* die größte Höhle des Baltikums, die Gutmann-Höhle, stolze 10 x 12 x 18,8 Meter (HxBxT).

Beeindruckender als die Höhle sind die Inschriften, die meisten stammen aus dem 19. Jahrhundert, die älteste ist von 1667 (Anna Magdalena von Tiesenhavsen anno 1667). Die Unsitte, Naturdenkmäler zu verschandeln, ist also schon sehr alt, allerdings hat man sich damals damit echt Mühe gegeben!

Um die Höhle rankt sich natürlich auch eine schauerliche Legende:
Nach einer Schlacht in der Nähe der Burg im Jahr 1601 fand der Burgschreiber auf der Suche nach Überlebenden ein Kind in den Armen seiner toten Mutter. Er zog das Mädchen wie seine eigene Tochter auf und nannte es Maja. Herangewachsen wurde sie wegen ihrer Schönheit die Rose von Turaida genannt. Sie liebte Viktor, den jungen Gärtner des Schlosses von Sigulda. Im Herbst 1620 wollten die beiden heiraten. Kurz zuvor erhielt Maja einen Brief von Viktor, der sie um eine Begegnung bei der Gutmannshöhle, ihrem gewöhnlichen Treffpunkt, bat. Sie begab sich zur Höhle. Dort aber lauerte Adam Jakubowski, ein polnischer Adliger, auf sie und wollte Gewalt anwenden. Maja versprach, ihm ihr Halstuch zu schenken, das den Träger unverwundbar mache, falls er sie gehen ließe, und forderte ihn auf, die Wirkung des Tuches an ihr zu erproben. Jakubowski schlug daraufhin mit einem Beil zu und Maja fiel tot zu Boden. Am Abend kam Viktor zur Höhle und fand die Leiche seiner Verlobten. Er beerdigte sie bei der Burg und pflanzte eine Linde auf das Grab. Adam fand man zweiTage später erhängt im Wald.

Wir fahren dann auf der anderen Seite der Gauja entlang den Berg hinauf nach Turaida, wo die imposante Ruine der mittelalterlichen Burg Treyden zu besichtigen ist. Sie wurde, wie eingangs schon erwähnt, unter Regie des Rigaer Erzbischofs ab 1214 gebaut (also die Burg, nicht die Ruine 🙈), lag stets im Clinch mit den Ordensrittern, die sie auch ein paarmal besetzten, und wurde ständig durch Vorburgen erweitert und verstärkt, bis am End der ganze Bergsporn bebaut war. Das Gelände fällt nach drei Seiten ab, war also gut zu verteidigen und die Burg wurde auch nie zerstört. Ein Feuer machte ihr 1776 den Garaus, die Burg brannte völlig aus und wurde dann aufgegeben.

Vorne einer der beiden Kanonentürme am äußeren Burgtor, hinten der Bergfried.
Durch den Zwinger zum Bergfried
Ganz oben aif dem 38 m hohen Bergfried! Tolle Aussicht.

Wieder einmal können wir feststellen, dass die Letten (wie auch die Litauer und die Esten) ganz hervorragende Ausstellungen konzipieren: Modern, vielseitig, multimedial, interaktiv und überraschend. Bei uns wird oft nur eine Glasvitrine neben die andere gestellt und spätestens nach der 15. schläft man ein.

Auf der Rückseite der „Schleifen“ ist die Geschic hte der Burg dargestellt.
Wer keine Lust darauf hat, setzt sich halt rein.

Wir sind dann auch bedient für den Tag – in der Museumsanlage von Turaida hätte man den auch ganz verbringen können – in unsere Köpfe passt nichts mehr rein. Sehr wohl aber in unsere Mägen! Dafür fahren wir noch einen knappen Kilometer weiter ins Restaurant Kungu Rija – die Gutsherrensscheune, eine Empfehlung der Touristikseite von Sigulda.

Ein wunderbares Restaurant in einem neuen alten Klockhaus, sehr klar und schnörkellos eingerichtet, super Service und hervorragendes Essen. Ich nehme Schweinemedaillons in Pilzsauce (es waren Pfifferlinge und Steinpilze!) und Volker ein lettisches Bauerngericht, gebratene Blutwurst mit Graupen – sehr lecker, ob man’s glaubt oder nicht.

Vom Kungu Rija geht es dann fast nur noch bergab 7 km bis zum Campingplatz.

Am Samstag ist Auschlafen angesagt, aber weil das Wetter am Nachmittag abbauen soll, fahren wir dann doch alsbald nach dem Frühstück nach Sigulda für den „Endspurt“. Den lassen wir aber sehr gemütlich angehen (und ausklingen).

Wir beginnen mit dem Schlosspark um das Neue Schloss von Sigulda, wo ganz viele handwerklich hergestellte Produkte angeboten werden, Kleidung, Schmuck, Lederwaren und und und. Man kann zum Teil sogar in den Werkstätten zuschauen oder selbst etwas herstellen.

Witzig finden wir die Spazierstock-Werkstatt. Mit dem Aufkommen des Tourismus im Gauja-Tal Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Bedarf an Gehstöcken für die steilen Wege. So wurden die Spazierstöcke zum Wahrzeichen Siguldas. Sie sind aus biegsamem Holz hergestellt, Weide, Kirsche, Wachholder werden entweder in warmer Lauge biegsam gemacht oder über dem Feuer gebogen.

In diesem schönen Gebäude gibt es schöne Dinge aus Papier, edlen Kakao und Tee UND was zum Spielen!

Man kann sich nämlich in Biedermeier-Kleider gewanden und mit der bereitgestellen Inneneinrichtung fotografieren bzw, fotografieren lassen.

Zusammen mit drei bezaubernden jungen Frauen aus Kärnten und einer undefinierten weiteren Besucherin haben wir einen riesen Spaß bei der Fotosession. Volker macht den Fotografen!

Damit ist der Tag eigentlich schon unvergesslich! Wir tauschen eMail-Adressen aus und ich bin schon gespannt auf die weiteren Bilder !

Weiter geht es ins neue Schloss, wo schöne Räume aus der Jahrhundertwende und den 30er Jahren zu besichtigen sind. Das neugotische Schloss hat ein Prinz Kropotkin von 1878 bis 1881 errichtet, es wurde in den 1930er Jahren erweitert und modernisiert. Hier hat auch mal Lettlands erster Ministerpräsident, Karlis Ulmanis, gewohnt.

Das war auch so einer, erst auf Republik und Freiheit gemacht, bis ihm dann die Macht zu Kopfe stieg. Ähnlich wie sein Amtskollege Päts in Estland schaffte er per Staatstreich 1934 das Parlament ab und schuf ein autoritäres Regime (war aber kein Nazi!) Er wurde von den Sowjets 1941 verschleppt und starb ein Jahr später in deren Gefangenschaft.

Von der Terrasse aus konnte man dem Gutsherrren von Krimulda zuwinken (das Gegenüber brauchte aber ein Fernrohr).

Das Schlossgespenst jammert zurzeit in einer Badewanne

Wie es sich für ein echtes Schloss gehört, gibt es auch ein Schlossgespenst. Es zog ein, als Schloss Sigulda in den 1920er und 30er Jahren als eine Art Hotel diente. Das Schloss war auch Sitz des Lettischen Schriftsteller- und Journalistenverbandes und der Lettischen Presseagentur.

In einem der Zimmer im Obergeschoss, dem Tanzsalon, legen wir noch einen Walzer auf’s Parkett, sehr zum Entzücken der Museumsfrau, die so viel Zuspruch vermutlich nicht gewohnt ist.

Am End steigen wir noch hoch auf das neugotische Türmchen und bewundern die Aussicht: links Krimulda, rechts Turaida.

Zu unseren Füßen liegt hinter dem neuen Schloss die Ruine der alten Ordensfestung Segewold! Die wurde in den Nordischen Kriegen peu à peu zerstört und aufgegeben.

Zurück im Schlosspark bemerken wir noch diesen eloquenten Herrn, der sich auf der Wiese lautstark darüber beschwert, dass ihm beim Selfie das Handy aus der Hand gefallen ist.

Nein, natürlich nicht! Es ist Atis Kronvalds, der als Schriftsteller, Linguist und Herausgeber viel für das lettische Nationalbewusstsein getan hat. Lettisch war als Sprache der Ungebildeten verpönt, Kronvalds macht es gesellschaftsfähig, schrieb und veröffentlichte in seiner Muttersprache und wetterte gegen den versnobten deutsch-baltischen Adel. Er war Zeitgenosse von Voldemar Jannsen und mit ihm auch persönlich gut bekannt.

Als Wahl-Kostheimer müssen wir dann noch einen Abstecher ins Gauja-Tal zum Flößer-Museum machen, das wir aber leider geschlossen vorfinden. Immerhin kann man die Exponate von außen betrachten, große Flöße, wie sie noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf der Gauja unterwegs waren. Sie transportierten sich quasi selbst – Holz wurde zu Flößen gebunden und so verschifft.

Wieder zurück am Campingplatz bastelt das Universum aus einem klein wenig Regen und viel tiefstehender Sonne einen wunderbaren Regenbogen und schenkt uns später zum Abschied noch ein prächtiges Abendrot über dem See. Scheinbar waren wir heute besonders brav!

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