Freitag, 14. bis Sonntag 16. August 2026: Im Aukštaitija-Nationalpark
Wir sind nun sehr weit im Südosten unweit der belarussischen Grenze. Hier liegt der älteste Nationalpark Litauens, noch zu Sowjetzeiten 1974 gegründet. 15% der Fläche sind Seen, dazwischen hügeliges Gelände mit dem 176m hohen Ladakalnis als höchstem Punkt. Aukštas heißt hoch – der Name des Region kommt nicht von ungefähr!
Wir nehmen Quartier auf einem der zahlreichen Plätze im Nationalpark, dem CP im kleinen Ort Paluše.

Für den Samstag wollen wir einmal mehr den Empfehlungen der „Mädels“ folgen, die im WoMo-Reiseführer eine Rundtour durch den NP beschrieben haben. Wir fahren aber natürlich nicht wie diese mit dem Diesel, sondern mit den Rädern. Dazu gibt es eine Karte der Touri-Info mit Radwegen und eine Tour in Komoot, die diesen auch folgt. Los geht’s!
Wir kommen nur ein paar Meter weit, da muss schon das Foto der Holzkirche mit ihrem freistehenden Glockenturm in den Kasten: Bitte sehr! (Genaugenommen ist das Foto von Freitag abend 🤭)

Auf dem Kirchhof und gegenüber (beim Pfarrhaus?) geht der Litauer seinem zweiten Lieblingshobby neben dem Rasenmähen nach: Holzschnitzen! Hier in der Gegend macht man im säkularen Bereich gerne so eine Art baltischen Totempfahl.


Im sakralen Sektor begegnet uns unverhältnismäßig oft die Figur des sorgenvollen Heiligen oder Jesus, den Kopf betrübt in die Hand gestützt – der Volksmund nennt ihn auch „Zahnwehchristus“ 😂. Kann man ja machen, aber bitte mit Klamotten!!!! Sonst sieht es verdächtig danach aus, als würde einer auf dem Klo mit dem Handy telefonieren.



Nach diesen leicht lästerlichen Beobachtungen geht es aber wirklich mal ein paar Kilometer weiter, vorbei an einer schönen Badestelle, durch den Wald mit den Totempfählen (siehe oben) und durch das bezaubernde Dorf Meironys. Der Fahrradweg wird dann ziemlich unwegsam, eigentlich nicht mehr als ein stellenweise sehr sandiger Waldweg. An einer Quelle stehen die Leute mit Kanistern fast Schlange und auch wir füllen uns eine Flasche des kühlen Quellwassers ab!
Zwischenzeitlich haben wir bemerkt, dass die von uns ausgesuchte und mühsam in einen Track verwandelte Runde keineswegs der aus dem Reiseführer entspricht, sondern sehr viel kürzer und sehr viel andersrum verläuft 🙈. Aber im Plan umschmeißen sind wir ja ganz gut und puzzeln uns schnell eine neue zurecht! Die führt denn auch ins „Mittagspausendorf“ Ginučiai, wo wir uns die Wassermühle ausgiebig anschauen. Das Wasser rauscht heute nicht mehr durch die Turbinen, sondern ungehindert dran vorbei und sorgt für großen Badespaß! Zu Mittag kehren wir nebenan in einem netten kleinen Restaurant ein, das auch von den Einheimischen besucht wird. Die Speisekarte ist klein, die Hausmannskost sehr lecker. Volker nimmt Saltibarsciai (ich lass die ganzen Häkchen mal weg), ich Cepelinai . Wir kennen uns inzwischen aus!
Da uns alle einschlägige Reiseliteratur eindringlich beschwört, es wäre eine Sünde, in den Nationalpark Aukštaitija zu reisen ohne den berühmtesten Aussichtspunkt Ladakalnis zu besteigen, halten wir kurz nach der Pause unterhalb des nämlichen Hügels an. In der Tat ist der kleine Parkplatz gut gefüllt! Ein kurzer aber recht steiler Weg bringt uns die letzten 40 Meter auf eine schöne Hügelkuppe mit einer stattlichen Eiche in der Mitte. Man spürt sofort: das war hier eine Kultstätte für die baltischen Stämme! Noch heute bringen viele Besucher einen Kieselstein mit, den sie oben als Opfergabe an die Göttin Lada zurücklassen – als Teil eines Steinmännchens.


Da die Hügelkuppe nicht zugewuchert ist, hat man vor hier einen wirklich schönen Rundumblick auf mehrere Seen. Aber das Attribut „atemberaubend“ ist dann doch übertrieben.
Ich frag mich, was sich die Tourismus-Fuzzis davon versprechen, wenn sie Dinge so hochjazzen und mit Superlativen belegen. Am End sind die Leute doch enttäuscht, wenn es nicht mega, grandios, sensationell oder „atemberaubend“ 😬 ist. Es geht doch sicherlich eine oder zwei Nummern kleiner! Schön, malerisch, idyllisch, hübsch oder reizvoll sind z.B. positive Beschreibungen, die nicht gleich die Erwartung an ein Weltwunder wecken.



Auf dem Weg hügelabwärts treffen wir eine Gruppe Litauer in Begleitung eines deutschen Mädchens, das hier seinen Papa und die Oma besucht. Unter großem Hallo und Gejauchze entdecken die Kinder eine Menge kleiner Frösche im Gras und versuchen sie zu fangen. Mit Erfolg! So haben wir gleich zwei Animals of the Day: einen Mini-Grasfrosch und eine Baby-Kröte!

Die weitere Route führt uns auf einer wenig befahrenen, gewundenen Nebenstraße durch eine Landschaft, die mit ihren grünen Hügeln und Holzgehöften ein wenig ans Allgäu erinnert.



Kurz bevor wir wieder in Paluše ankommen, weckt eine Gruppe von Skulpturen auf einer Wiese unsere Neugier. Das hatten wir noch nie: Riesige Gebilde aus Binsen/Schilfrohr, sehr kunstvoll und elegant – die Hand die ein Fischlein hält und das Basrelief finden wir besonders beeindruckend. Was es nicht alles gibt!

Wir nehmen dann noch ein erfrischendes Bad im See (18 Grad Wassertemperatur schätzen wir), vielleicht das letzte in diesem Wech, wer weiß.

































