16.-18. August 2026 (Sonntag-Dienstag): Im Mineral-Heilbad von Großfürst Vytautas
Nach dem Besuch im Freilichtmuseum kehren wir an den Nemunas, die Memel, zurück, an der unsere Reise begann.

Der Kurort Birštonas liegt im Memelschleifenregionalpark südlich von Kaunas. Die riesigen Mäander sind vor allem eine Folge des geringen Gefälles gepaart mit relativ weichem Untergrund.


Vor allem ist Birštonas mindestens seit dem Mittelalter bekannt für seine sehr salzigen Quellen. Diesen übel schmeckenden Wässern wird ja meist eine Heilwirkung nachgesagt, so auch hier: Schon Großfürst Vytautas (1354-1430) verbrachte hier seine Freizeit bei der Jagd und „genoss“ das heilende Wasser. Bis ins 17. Jahrhundert stand hier auf einem Hügel die Holzburg und das Landgut des Großfürsten.
Vytautas war der, der den Deutschen Orden 1410 bei Tannenberg besiegte – mit Hilfe Polens, mit dem Litauen dann eine Union einging.
Als im 19. Jahrhundert Kurbäder en vogue wurden, entstand auch in Birštonas ab 1846 ein regelrechter Kurbetrieb. Das Wasser wurde offiziell als Heilmittel anerkannt. Seit 1924 wird es auch vom ältesten Mineralwasser-Abfüllunternehmen Litauens unter den Marken Vytautas und Birutė im Supermarkt verhökert. Wir haben aus Versehen mal das Vytautas gekauft – nicht darauf achtend, dass die Zahl 7309 das Etikett ziert: Das ist der Mineralgehalt in mg/l 😨. So schmeckt es auch, wie Nudelwasser 😖. Wir haben es dann auch genau dafür genutzt und nicht getrunken.
Das Wasser, das direkt aus den Heilquellen bzw. den Bohrungen sprudelt ohne vorher eine Mineralwasserfabrik zu durchlaufen, schmeckt nochmal um Größenordnungen übler. Dass es äußerlich angewendet bei Hautkrankheiten hilft, glaub ich sofort, gerne auch mit Schlamm angerührt, meinethalben auch verrieseln und atmen, aber trinken ??? Je nu 🤷🤷♀️.
Wir kommen gegen 18 Uhr auf dem Campingplatz in Birštonas an und werden hier ganz besonders freundlich empfangen. Da die Rezeption des CP gleichzeitig Theke des kleinen Bistros ist und noch was vom Sonntagsbarbecue übrig ist, lass ich das Kochen grad sein und wir nehmen Anleger und Abendessen in der Bar des Nature Camp ein. Die junge Frau macht ihren Job wirklich gut und quatscht mir noch eine ganze Flasche Wein auf – da übertreibt sie wirklich nicht, der Auxerrois 2024 aus Luxembourg – Coteaux de Schengen – ist wirklich vorzüglich und mit 25 Euro gar nicht mal soooo teuer. Was man hier so alles geboten bekommt!


Um den Abend perfekt zu machen, zaubert uns das Universum sogar aus ganz wenigen Regentropfen einen bonfazionösen Regenbogen.



Am Montag entscheiden wir uns gegen einen Besuch im Spa und machen uns statt dessen auf zur Besichtigung des hübschen Kurortes. Dafür bietet sich ein hervorragend ausgebauter Fahrradweg an, der durch den Naherholungswald führt und zudem 1A bedost ist.


Danach brauchen wir erst mal eine kleine Stärkung, bevor wir uns den öffentlich zugänglichen Gesundheitseinrichtungen des Ortes widmen.
Da wäre zunächst der Kneipp-Garten mit Barfusspfad. Das Kneipp-Wasser ist uns (und wohl auch Herrn Kneipp) mit um die 20 Grad zu warm, aber der Barfusspfad hat es echt in sich. Ich komme mir vor wie ein Fakirlehrling, der über Scherben läuft 😖. Watt mutt …






Das ist aber nix gegen die Verkostung des Heilwassers in der Gelben Buvette.


Das von außen recht hübsche, wenn auch etwas schäbige Häuschen, strahlt innen den Charme eines Bahnhofsklos aus und über den Geschmack habe ich ja schon berichtet. Dagegen ist das Wiesbadener Kochbrunnenwasser fast wohlschmeckend (fast!). Es schmeckt nicht nur eklig nach Schwefel und Eisen sondern ist zudem dermaßen salzig, als hätte man hinter dem Streusalzwagen die Straße abgeleckt.


Das Sole-Verdunstungsbecken für die Atemtherapie hat heute geschlossen, also muss ich für das Reizklima zum Gradierwerk. Das ist sogar durch einen Tunnel innen begehbar für besonders intensive Rundum-Atmung. Und das Tröppeln des Wassers ist ungemein beruhigend.

Ich setze mich dann ab und mache noch ein wenig Sightseeing in dem hübschen Kurort: Das Ufer des Nemunas, die hübschen gelben Holzhäuser und dazwischen auch immer wieder sehr moderne Architektur.





Volker macht sich derweil auf zu einer der ganz großen Sehenswürdigkeiten der Stadt, zumindest was die Höhe angeht konkurrenzlos in ganz Litauen:
Der Bokštas, der Aussichtsturm! 55 Meter ist er hoch, die Aussichtsplattform auf 45 Meter und nur eine Glasscheibe trennt die Besucher vom Abgrund 😱. Absolut nichts für mich und auch der an sich unerschrockene Volker lässt die Ki ausrechnen, wie lange es brauchen würde, bis er unten aufschlägt 🤔😖. (Es sind 3,29 Sekunden). Natürlich bietet sich ein erstklassiger Ausblick auf die Memelschleife!



Selbstverständlich muss auch Kilroy den Bokštas ins Visier nehmen und das gleich zweimal, denn am Abend wird er sehr an sehnlich beleuchtet




Das sind dann auch die letzten schönen Bilder von Birštonas, denn es wird 1. dunkel und 2. beginnt es in der Nacht zu regnen und hört auch fast den ganzen Tag nicht mehr auf. Macht aber nix, es ist Weiterfahrt angesagt, Einkauf und Bloggen, da braucht es kein gutes Wetter.
Noch ein kleiner funfact zum Schluss: Nicht nur hier, auch anderenorts ist uns aufgefallen, dass man in den baltischen Ländern die Weihnachtsdekoration das ganze Jahr hängen lässt. Lichterketten, Schneesterne und Christbaumkugeln schmücken Straßen und Häuser. Sieht ja auch im Sommer schön aus! Und der Winter ist lang, da lohnt es sich kaum, das Zeug abzuräumen.



