Sternzeit 20260814: Litauisches Museum für Ethnokosmologie zwischen Utena und Moletai
Am Freitag früh kaufen wir in der Rinkužkiai-Brauerei „ein paar“ Fläschchen Bier ein und fahren dann weiter nach Süden Richtung Aukstaitija-Nationalpark.
Langweilig ist das. Landwirtschaftlich genutztes Land, die Felder bis auf den Weizen schon abgeernet und umgepflügt. Ärmliche Gehöfte, plattes Land! Damit ein bisschen Schwung in die Bude kommt, werden die Straßen immer schlechter, bis wir am End über die übelste Wellblechpiste ever rattern.

Es klirrt und rattert, alle Nas lang fällt was runter, sogar der Schuhlöffel rappelt sich unter der Bettmatratze raus und scheppert zu Boden. Der arme HoGo 😭. (Auch in der Garage herrscht am Abend heilloses Chaos).
Unterwegs bleibt Zeit, ein wenig im Reiseführer zu blättern, und da fällt mir wieder das futuristische Bild eines Gebäudes auf, das ich schon vor Wochen auf der Hinfahrt bemerkt hatte und mit dem wir nicht so recht etwas anzufangen wussten: Museum für Ethnokosmologie, stand da 🤔. Klingt irgendwie schwurbelig, nach Aluhut und Horoskop, oder? Wir haben es damals ausgelassen, weil es auch irgendwie nicht in den Reiseplan passte. Und jetzt kommt es wieder in den Blickpunkt. Beim näheren Hinsehen ist es dann doch wissenschaftlich und ich suche noch auf der Homepage nach dem was, wann, wie, als Volker meint: Wir sind nur 26 Kilometer davon entfernt!
Spontan machen wir eine Kurskorrektur und ich melde uns zur Führung um 14:30 Uhr an. Energie 🚐💨! und der HoGo braust auf der gut ausgebauten A14 nach Süden.
Schon als wir in natura vor dem Gebäude ankommen weiß ich, dass sich dieser Abstecher gelohnt hat!

Das Litauische Museum für Ethnokosmologie ist das weltweit erste Museum zur Lehre vom Verständnis und die Beziehung von Volksgruppen zum Kosmos und dessen Vorgängen, wie Sonnen- und Mondphasen, oder die Bewegungen der Planeten und der Sterne. Sie verbindet also die moderne Astronomie mit der Kosmologie vergangener Epochen. Es ist auch das erste Museum in Litauen mit einem 24-Stunden-Betrieb.
In der Untertassensektion erwartet man uns schon und es bleibt auch noch Zeit, in Zehn vorne vorbeizuschauen.

Leider gibt’s an der Bar weder romulanisches Ale noch einen pangalaktischen Donnergurgler 🍹. Hat wahrscheinlich alles das kleine grüne Männchen ausgesüffelt, dass jetzt so harmlos die intergalaktischen News studiert.


Pünktlich um halb drei wird unsere kleine Zehner-Gruppe abgeholt und es geht in die „Eingeweide“ des Museums:
Von der Untertasse führen 7 Etagen unterirdisch bis zur Basis des Aussichtsturms. In jeder wird ein Aspekt des Zusammenwirkens von Mensch und Kosmos thematisiert: Kosmische Symbole wie Sonne, Mond und Sterne in der Volkskunst, Kalender, Sternbilder, besondere Konstellationen (z.B. Sonnwende) und die damit verbundenen Traditionen, Meteore, die Erforschung des Alls mit Teleskopen, Sonden und Raumschiffen, und natürlich die Frage: Gibt es außer uns noch intelligentes Leben im Universum.





Manche Räume sind in Halbdunkel getaucht, andere leuchten grün, rot, blau oder tauchen uns in Meteoritenschauer oder einen Sternennebel. Fantastisch! Das alles steuert und erklärt unser Guide, er bezieht die Gruppe auch immer wieder mit Fragen ein, leider ist sein Englisch nur sehr schwer verständlich, ein litauischer Akzent vermutlich, was das Verstehen für uns schwierig macht.

Zum Schluss geht es als Höhepunkt 32 Meter zur Aussichtskuppel, wo sich ein großartiger Blick auf das umliegende Gelände mit Observatorium, Planentenmodellen und einem Stonehenge-Nachbau öffnet. Und man schaut weit ins Land bis hin zu den „Bergen“ des fernen Aukštaitija-Nationalparks im Osten.


Hier oben ist auch eine ganz besondere litauische Flagge ausgestellt: Sie trägt die Unterschriften der vier Crewmitglieder des ersten rein privaten Raumflugs in die Erdumlaufbahn im September 2021, Mission Inspiration4.
Dahinter steckt – wie könnte es anders sein – ein amerikanischer Milliardär namens Jared Isaacman. Er und drei weitere nicht-professionelle Astronauten umkreisten drei Tage lang die Erde und sammelten Spenden für ein Kinderkrankenhaus. Ob das alles so gemeinnützig war wage ich zu bezeifeln, ist doch Isaacmans Unternehmen Shift4 Payments damit zum Zahlungsdienstleister für Krypto-Zahlungen bei Weltraumflügen aufgestiegen. Der Hobbyastronaut selbst wurde 2025 NASA-Chef von Trumps Gnaden und oberster raumfahrtwissenschaftlicher Berater des Präsidenten. Passt ja wunderbar in die Dilettantentruppe die Amerika regiert und administriert.
Ein litauischer Manager bei Shift4 bequatschte seinen Chef Isaacman, die Flagge mitzunehmen.
Wir verabschieden uns unten auf der Erde in einem Raum, der die vergangenen laufenden und zukünftigen ESA-Missionen beschreibt. Allein dort könnte man sicherlich noch eine Stunde verbringen.

Ein letzter Blick auf das „Raumschiff Orion“, das Observatorium und das Museumsgebäude mit Aussichtskuppel, dann fahren wir weiter.


Das war einfach toll! 🛸🛰️🚀🌌☄️🔭. Ein Highlight unter den großartigen Museen der baltischen Länder. Wir haben dafür läppische 8 Euro Eintritt bezahlt! Zu zweit wohlgemerkt! Auch der litauische Staat macht Bildung erschwinglich!

Wir starten wieder den Impulsantrieb und schweben diesmal schotterfrei zum Aukstaitija-Naionalpark nach Paluše.



